Wirtschaft

Vor BER-Eröffnung – Flugreisen in Corona-Zeiten

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nach einer Serie von Pannen steht der Hauptstadt-Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) kurz vor der Eröffnung. Am 31. Oktober 2020 ist es so weit.

Wie sich der neue Flughafen in der Mitte Europas für den Tourismus und der Geschäftswelt positioniert, und dass in Zeiten der Corona-Pandemie, stand im Fokus einer Podiumsdiskussion, zu der Gerhard Kirsch vom TourismusDialog Berlin im Vorfeld der Eröffnung ins Mercure Hotel MOA einlud.

Gesprächspartner waren Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Stephan Erler, Deutschlandchef von Easyjet, sowie Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes. Moderiert wurde das Gespräch von Peter Neumann, Redakteur bei der Berliner Zeitung. Herr Kirsch begrüßte die Gäste auf das Herzlichste und bedankte sich beim Geschäftsführer des Mercure-Hotels, Herrn Paolo Masaracchia, für die Gastfreundschaft in seinem Hause.

Nach einleitenden Worten von Peter Neumann nahm der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zur bevorstehenden Eröffnung des BER Stellung. Leider ist das ganze durch die jahrelangen Verzögerungen zu einer Lachnummer avanciert. Dazu kommt die Kostensteigerung auf über 6 Milliarden EUR, statt der ursprünglich geplanten 2 Milliarden. Somit gibt es keinen Grund zum Feiern. Es wird keine große Party geben, wir machen einfach auf, so Lütke Daldrup. Wegen der Corona-Krise geht auch vorerst nur Terminal 1 in Betrieb. Terminal 2 bleibt geschlossen, da in den nächsten Monaten nur mit einem Viertel der sonst üblichen Fluggäste gerechnet wird.

Der Luftverkehr befindet sich aktuell in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, betonte der Flughafenchef. Wir befürchten, dass wir erst im Jahr 2024 wieder das Niveau von 2019 erreichen werden.

Mit ca. 40 000 Arbeitsplätze plus 20 000 in der Gastronomie und Handel wird der BER zu einem großen Wirtschaftsfaktor im Großraum Berlin. Gemessen an der zu erwartenden Fluggastzahl von 36 Millionen (Tegel und Schönfeld zusammen in 2019) wird er die Nummer 3 in Deutschland sein. Dies entspricht einem Marktanteil von 14 Prozent. Damit gibt sich der Flughafenchef aber nicht zufrieden. Er hofft auf Wachstum und fordert mehr Langstreckenrechte, im Gegensatz zu einigen politischen Gruppen, die dem Flugverkehr kritisch gegenüberstehen.

Für die Zukunft ist der BER in jedem Fall den steigenden Fluggastzahlen gewachsen. So können mit dem, in der Planung vorgehaltenen Terminal 3 langfristig bis zu 60 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden. Auch die Anbindung an den Straßenverkehr und die öffentlichen Verkehrsmittel ist zufriedenstellend geregelt. Der weitere Ausbau der Infrastruktur erfolgt nach und nach.  Dies ist ein Generationenprojekt, so Herr Lütke Daldrup.

Der Deutschlandchef von Easyjet, Stephan Erler, schätzte die Lage in Corona-Zeiten ebenfalls sehr ernst ein. Seine Fluggesellschaft ist bereits seit 16 Jahren auf dem bisherigen Flughafen in Schönfeld ansässig. Er bedauerte das derzeitige Nachfrage-Defizit, das sicherlich noch lange andauern wird. Eine Reduktion der Easyjet-Flotte in Berlin lässt sich aus diesem Grund leider nicht vermeiden.

Moderator Peter Neumann warf ein, dass für den Tourismus, das Jahr 2020 wohl nicht mehr positiv werden kann. Dem konnte Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverbandes nur zustimmen. Der Tourismus befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase. Es ist ein enormer Einbruch für die ca. 3 Millionen Beschäftigten in der deutschen Reisebranche. Lange haben wir auf die Eröffnung des BER gewartet und dann kommt Corona, beklagt Herr Kunz. Dennoch bekräftigte er, dass der BER für den Tourismus absolut notwendig ist. Mit Angeboten für Aktivurlaub und Reisen in andere Kulturkreise blickt der Tourismuschef optimistisch in die Zukunft. Im Hinblick auf sicheres Reisen in Corona-Zeiten forderte er mit Nachdruck einem EU-Tourismusgipfel.

Zum Thema Tourismus ergänzte Herr Lütke Daldrup, dass gerade Städtereisen im Kommen sind. Venedig sei sein Geheimtipp.

Im Hinblick auf die Beschränkung von Flugreisen in Corona-Zeiten warf Stephan Erler von Easyjet die Frage auf: Wollen wir Reisen verteufeln oder Reisen mit Regeln? Wir bieten bei unseren Flügen nicht nur gefühlte, sondern eine effektive Sicherheit. Die Nachvollziehbarkeit von Infizierungen sind gegeben. Ich wünsche mir zu diesem Thema ein gemeinsames Regelwerk von Wirtschaft, Politik und Gesundheitsämter, so der Easyjet-Chef.

Optimistisch stellte er für die Zukunft in Aussicht, dass die Menschen wieder mehr reisen werden, jedoch mit dem Focus auf mehr Nachhaltigkeit und Völkerverständigung. Herr Erler stimmte mit Herrn Kunz überein, dass Fliegen Menschen verbindet und somit einen Beitrag zur Friedenssicherung leistet.

Der Einschränkung des Flugverkehrs durch die geplante Luftverkehrsabgabe konnte Stephan Erler keinen positiven Effekt abgewinnen. Die CO-2-Bilanz wird bei einer Einschränkung des Flugverkehrs nicht wesentlich besser. Fliegen soll schließlich für alle da sein und nicht nur für diejenigen mit dicker Brieftasche, so Erler.

Am Ende der Podiumsdiskussion resümierte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, dass es der Mühe Wert war, den BER fertigzustellen und ihn somit endlich an den Start zu bringen. Der neue Hauptstadt-Flughafen ist sowohl ein Segen für die Wirtschaft als auch für den Tourismus. Gerade Berlin hat heute einen hohen Anteil an Tourismus, mehr als Frankfurt und München. Hoffen wir auf einen erträglichen Reisesommer 2021, so Herr Lütke Daldrup.

Der bisherige Flughafen Berlin-Tegel wird nach Abschluss des Umzuges nach Schönefeld stillgelegt.  Am 8. November 2020 sagen wir „Danke, Tegel!“, zuvor heißt es am 31. Oktober 2020 „BER ist Ready for Take-off“.

Gruppenfoto v. l. n. r.: Norbert Kunz, Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Stephan Erler, Peter Neumann, Paolo Masaracchia

Bericht und Fotos: Helmut Amberger, Freier Mitarbeiter der Samerberger Nachrichten

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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