Brauchtum

Theater Hittenkirchen: Lachmuskeln ausser Kontrolle

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Brite Ray Cooney ist Garant für absurde Komik. Seine 1990 entstandene Farce „Außer Kontrolle“ bringt die Hittenkirchner „Theaterer“ so richtig in Fahrt und damit auch das Publikum. Das wiederum tut seine Begeisterung im voll besetzten Trachtenheim mit lang anhaltendem Beifall kund. „Außer Kontrolle“ ist eine Komödie in bester englischer Tradition, ein perfekt konstruiertes Verwirr- und Verwicklungsspiel. Die Theaterspieler machten daraus bereits bei der Premiere etwas vom Feinsten, angepasst in Sprache und Ort an hiesige Gegebenheiten. Das Rennen von einer Notlüge zur nächsten funktionierte bei den Akteuren perfekt. Das Publikum kam dabei streckenweise regelrecht aus dem Lachen nicht mehr heraus. Das Stück erzählt die Geschichte von Staatsminister Richard Müller (Eugen Unterstrasser), der in allerlei Verwicklungen gerät. Gelegenheit macht Liebe, denkt sich dieser und verabredet anstelle einer Sitzung im Münchner Landtag ein stimmungsvolles Tête-a-tête im Hotel „Vier Jahreszeiten“ mit Jeanette Neuberger (Theresa Pfaffinger), der Sekretärin vom Finanzminister. Eine Leiche (Georg Wöhrer), eingeklemmt im Fenster seiner Hotelsuite, vermasselt dem Politiker das Schäferstündchen mit der spärlich bekleideten Sekretärin. Da kommt er im wahrsten Sinne des Wortes ins Schwitzen. Die Leiche muss weg und zwar ohne Aufsehen – das ist dem Machtmenschen sofort klar. Doch in dem Bemühen, jeglichen Skandal von seiner sauberen Weste fernzuhalten, verstrickt er sich und seinen herbei gerufenen Sekretär Georg Pfeiffer (Franz Wörndl) in ein undurchdringliches Gespinst aus Lug und Betrug. Die beiden Hauptdarsteller Eugen Unterstrasser und Franz Wörndl laufen auf der Bühne zum größten Vergnügen des Publikums zur Hochform auf. Ihr von Anfang an flottes Spieltempo wird im Verlauf des Stückes noch rasanter. Je grotesker sich die Geschichte entwickelt, umso besser verstehen sich die beiden. Unterstrasser – mal als resoluter, mal nahe am Nervenzusammenbruch stehender Managertyp – ist die Rolle wie auf den Leib geschneidert. Wörndl als tollpatschiger und irgendwie mit allem überforderter Sekretär Pfeiffer, der sich vom Muttersöhnchen zum heißblütigen Liebhaber wandelt, ist die absolut perfekte Besetzung. Doch auch die weiteren Darsteller werden ihren Rollen mehr als gerecht. Theresa Pfaffinger beispielsweise, die als Fast-Ehebrecherin leicht bekleidet mit viel Charme von einem Versteck zum anderen flüchtet, oder Lorenz Böglmüller als schlitzohriger Zimmerkellner, der als Einziger immer Herr der Situation bleibt und gegen ein Trinkgeld alles möglich macht. Irrwitzig auch Michael Schnaiter als gehörnter Ehemann Ronnie mit einem „kleinen Problem“, das ihn zu einer Heulsuse werden lässt. Überzeugend spielen auch Andreas Hähnchen als Hoteldirektor, der scheinbar langsam den Überblick über sein Hotel verliert, und Anna-Maria Paar als elegante Politikergattin, die einem Seitensprung ebenfalls nicht abgeneigt ist. Sehenswert auch Lisa Forstner als resolute Schwester Gisela und nicht zuletzt Georg Wöhrer, der als Leiche an seinem Mantel im Schrank aufgehängt wird.

Was dieses Laienensemble so besonders macht, ist die Spielfreude, gepaart mit viel Sinn für Gemeinschaft. Bei sich stetig steigerndem Tempo, faszinierendem Timing, originellen Effekten, witzigen Running-Gags und einer Situationskomik mit erotischer Doppeldeutigkeit gerät schön langsam alles „Außer Kontrolle“, einschließlich dem immer lauter lachenden Publikum – und führt zu einem ganz überraschenden Ende. Nach dem letzten Vorhang wollte der Beifall nicht enden. Ein höchst vergnüglicher Theaterabend, über den man noch lachte, als man das Trachtenheim schon längst verlassen hatte.

Die Hittenkirchner „Theaterer“ führen das Stück zwar noch fünf weitere Male auf, für die es nur noch wenige Restkarten gibt. Infos hierzu unter Tel. 08051/ 1568 oder direkt im Mühlenladen der Kumpfmühle bei Prien.

Bericht und Bilder – Georg Leidel

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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