Corona-Krise

Schwierige Zeiten für den Blasmusik-Nachwuchs in Wildenwart

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Musik verbindet gewöhnlich, doch Corona trennt seit einem Jahr die musikalischen Aktivitäten“ –  mit diesem Satz fasst Eva-Maria Gruber als Leiterin der Jugendblaskapelle Wildenwart die aktuelle Situation zusammen, wenn es um die Frage geht, wie es wohl weitergeht in diesen Corona-Zeiten mit dem blasmusikalischen Nachwuchs. Die Hände in den Schoss legen und Jammern, das ist für sie jedenfalls keine Lösung, aber einfach ist die Zeit des Lockdowns gewiss auch nicht.

„Natürlich habe ich Kontakt zu meinen Schülerinnen und Schülern, einmal durch verschiedene whats-app-Gruppen und durch individuellen Online-Einzel-Unterricht, aber der sehnlichste Wunsch aller wäre, dass wir wieder zu einem normalen Proben-Betrieb zusammenkommen können. Das erst vor wenigen Jahren vom Förderverein der Wildenwarter Blasmusik mit viel Eigenleistungen erbaute Musikantenheim bei de Wildenwarter Schule ist richtig verwaist“ – mit diesen Betrachtungen weist die ryhthmisch-musikalische Erzieherin und freiberufliche Musiklehrerin auf einen Zustand hin, der auf Dauer keineswegs zufriedenstellt. Bitter klingt ihr Satz: „Seit März vorigen Jahres hatten wir keine einzige gemeinsame Probe!“. Dies gilt auch für die ihr anvertrauten Schulklassen. Eva-Maria Gruber hat vor einigen Jahren von ihrem Vorgänger Wolfgang Kink die Aufgabe übernommen, in der Frasdorfer Grundschule die musikalische Ausbildung zu fördern. Jeweils zehn bis fünfzehn Dirndl und Buam waren zuletzt in der Blockflötengruppe der Zweiten Klasse, in der Anfängerbläsergruppe der Dritten Klasse und in der Fortgeschrittenen Bläsergruppe der Vierten Klasse. Vorausgegangen war all die Jahre zuvor ein Schnupperkurs in den Ferien, dabei konnten sich die Kinder an den verschiedenen Instrumenten versuchen und probieren, was ihnen am besten taugt. „Aber auch der Schnupperkurs fiel aus“ – so die seit vier Jahren als Leiterin der Jugendblaskapelle tätige Pädagogin. Allein 35 Dirndl und Buam aus den Gemeindebereichen Prien und Frasdorf gehören der Jugendkapelle an, weitere 40 sind in der vor ein paar Jahren neu gegründeten Zwergerlkapelle. „Aufgrund der Tatsache, dass wir ins zweite Jahr ohne Proben gehen, kommt es auch zu keinen Nachrückungen von den Schulklassen in die Zwergerl- und Jugendkapelle und ebenso wenig von dort hinüber zur Erwachsenen-Kapelle. Wenn wir wieder normal zusammenkommen können, dann müssen wir erst einmal wieder eine Bestandsaufnahme machen, wer in welcher Alterskategorie wieder mitmachen möchte“ – so Eva-Maria Gruber, die versucht, die aktuellen Informationen des Gesundheitsamtes und des Musikbundes Ober- und Niederbayern so gut wie möglich an die jungen Musikantinnen und Musikanten weiterzugeben. Der seit fast einem Jahr praktizierte Online-Unterricht klappt zwar, aber kann – so die Musiklehrerin- gerade bei Kindern die persönliche Anwesenheit nicht ersetzen. Etwas Abwechslung gab es zuletzt als auf Vermittlung des Kreisjugendringes Rosenheim drei Zwergerl-Musikanten für einen Radiosender ein kleines Online-Konzert geben durften. Wenn es wieder nach Corona richtig losgeht, dann hat die Musiklehrerin schon einen Stufenplan, dazu erklärt sie: „Zuerst schauen wir, wer kommt wieder. Dann fragen wir die Kinder, was sie gerne machen wollen. Und dann, wenn wir in den verschiedenen Altersgruppen wieder voll besetzt sind, proben wir wieder fleißig und schauen um Auftrittsmöglichkeiten. Darauf freuen wir uns am meisten“.

Auch Musik-Vorstand Helmut Rosenwink von der Blaskapelle Wildenwart und Dirigent Sebastian Graf warten sehnsüchtig, dass es wieder mit aktiver und gemeinsamer Blasmusik in Wildenwart losgeht. Es fehlt derzeit nicht nur das persönliche und regelmäßige Zusammenkommen, sondern es fehlen auch die Einnahmen für den Unterhalt des Musikantenheimes.   Unterstützung erfahren Erwachsenen-, Jugend- und Zwergerlkapelle seit 18 Jahren vom Wildenwarter Musikförderverein durch dessen Vorstand Jakob Steiner. Doch auch dessen Aktivitäten insbesondere zur Instrumentenbeschaffung sind wegen Corona sehr eingeschränkt.

Fotos: Hötzelsperger – Eva-Maria Gruber mit der Jugendkapelle Wildenwart vor den Corona-Einschränkungen – Eva-Maria Gruber beim Heim-Unterricht  – Derzeit verwaistes Musikantenheim von Wildenwart

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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