Gastronomie

Pächterwechsel bei Rimstinger Bäckerei  Schmidmaier, vormals Brandl

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am Samstag, 23. Januar geht in der Gemeinde Rimsting eine 17jährige Bäckerei- und Cafe-Ära zu Ende. Martin Schmidmaier (63), der 27 Jahre als Bäcker bei der Bäckerei Brandl in Diensten war und der seit Juni 2004 diesen Betrieb zusammen mit seiner Frau Marlene (62)  geführt hatte, geht  in den Ruhestand und gibt das Unternehmen an Bäcker Maximilian Rupp (32) und dessen Schwester Stephanie (40) weiter. Die aus Rimsting stammenden Geschwister Rupp sind dann neue Pächter im Hause von Maria Brandl. Nach Umbauten in der Backstube ist die Wiedereröffnung am Montag, 1. März geplant.

Die Bäckerei selbst kann auf eine lange und besondere Geschichte zurückblicken. Begonnen hatte diese im Jahr 1570 als die Bäckerei im sogenannten „Backhäusl“ außerhalb des Ortes entstand, an den heutigen Platz kam sie im Jahr 1830. Einhundert Jahre später, genau 1933 kauften die Großeltern von Simon und Maria Brandl die Bäckerei von Isidor und Maria Rieger. Diese wiederum waren die Großeltern von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI und seinem Bruder Georg Ratzinger. Maria Rieger heiratete 1920 den Gendarm Joseph Ratzinger und sie arbeitete bis zu ihrer Hochzeit in der Bäckerei. Mit den Brüdern Joseph und Georg Ratzinger, die in Rimsting ihre Nach-Primiz feierten, waren und sind die Familien Brandl und Schmidmaier sowie die Gemeinde Rimsting bis heute in Verbindung, unter anderem durch die vom Rimstinger Johann Nußbaum verfassten „Papst-Bücher“.

„Rezepte, Sortiment und Stammkunden sollen bleiben“

Wenn sich jetzt ein Pächterwechsel ergibt, soll Vieles bleiben wie es war und ist. Der Verkaufsladen mit Cafe soll ebenso bleiben wie Rezepte der Backstube, das Sortiment von Brot- und Backwaren, die Auswahl an Kuchen und Dinge des täglichen Bedarfs. „Warum sollten wir was ändern, wenn Waren und Personal doch so viele Jahre von den Rimstingern, Leuten aus den Nachbarsgemeinden und sogar Rosenheimern, die extra hierher kamen, gelobt und geschätzt wurden“, so Maximilian Rupp. Gerne erinnert sich Martin Schmidmaier, der mehrmals Lehrlinge ausbildete (einmal sogar mit besonders großem Erfolg als Maria Hofmayer als Innungsbeste abschloss) an Ereignisse mit den Brüdern Georg und Joseph Ratzinger. hierzu weiß er: „Einmal waren die Ratzinger-Brüder zu  Besuch zu Besuch auf der Ratzingerhöhe und anlässlich der Enthüllung der Rimstinger Erinnerungstafel war Georg Ratzinger von der Familie Brandl zum Mittagessen eingeladen“. Ergänzend erzählt Marlene Schmidmaier: „Einmal und zwar am 13. Januar 2010 waren wir selbst in Rom, bei einer Audienz konnten wir Papst Benedikt XVI persönlich sprechen. Bei dem zwei Minuten währenden Gespräch freute  sich der Papst über den Fortbestand der Bäckerei und er bat uns, die Rimstinger herzlichst zu grüßen. Und einmal überbrachte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bei seinem Vatikan-Besuch  Joseph Ratzinger einen Präsentkorb aus der Rimstinger Bäckerei“.

In ihrem Rückblick denkt das scheidende Bäckerei-Pächter-Ehepaar Schmidmaier an gar viele Erlebnisse wie zum Beispiel an ihre Eröffnung am 1. Juni 2004 als überaus viele Besucher bewirtet wurden, an die traditionellen Faschingskranzl am Faschingsdienstag, an die monatlichen Seniorennachmittage sowie an die Apfelkuchentage im Oktober. Gerne erinnern sie sich an viele    liebgewonnene Einheimische und Gäste, natürlich bedauern sie es, dass das Abschiednehmen in die Corona-Zeit fällt. „Auch wenn wir durch den Verkauf noch Kontakt hatten und haben, das Verweilen von Stammgästen zum Kaffee, zum Frühstück oder wegen unserer Dampfnudeln am Donnerstag fehlt uns doch sehr“. Auf die Frage, was Martin und Marlene Schmidmaier nach ihrem Berufsende vorhaben, antworteten sie: „Vorerst wollen wir nur einmal ausspannen, nicht mehr gar so früh aufstehen und vor allem freuen wir uns, dass wir mehr Zeit haben werden für unsere Enkelkinder sowie für Haus, Garten und Alltag“.

Wiedereröffnung am 1. März

Bäcker Maximilian Rupp, der mit seiner Schwester Stephanie (Ausbildung im Einzelhandel und als Kaufmannsfrau) die Pacht übernimmt, weiß, was auf ihn zukommt. Seit 16 Jahren ist er bereits bei der Familie Schmidmaier in der Backstube tätig, diese soll auch weiterhin sein Arbeitsplatz bleiben. „Stephanie und ich hoffen, dass sich bis zur Wiedereröffnung am 1. März die Corona-Auflagen wieder zugunsten des Cafes gelockert haben; wir sowie unsere Angestellten im Laden und in der Backstube freuen uns jedenfalls, in bewährter Art für bisherige und neue Kunden da zu sein“ – so Maximilian Rupp und seine Schwester Stephanie.  Dass für das Haus und die Kunden ein so nahtloser und harmonischer Übergang möglich ist, freut auch Maria Brandl als Besitzerin und Verpächterin. Sie war selbst 20 Jahre als verantwortliche Geschäftsfrau und nach der Verpachtung an das Ehepaar Schmidmaier noch weitere 10 Jahre in der Bäckerei und im Cafe tätig. „Den jungen Leuten wünsche ich einen guten Start in diesen schwierigen Zeiten und dass uns die vielen Stammkunden auch weiterhin die Treue halten“ – so Maria Brandl.

Bis zum Samstag, 23. Januar hat die Bäckerei Schmidmaier noch offen, dienstags bis freitags von 6.30 Uhr bis 17 Uhr und samstags von 6.30 Uhr bis 12 Uhr. Sonntag und Montag sind Ruhetage. Die neuen Öffnungszeiten ab 1. März sind Montag bis Freitag von 6.30 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 6.30 Uhr bis 12 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ist geschlossen.

Fotos/Repros: Hötzelsperger – 1. Pächterwechsel in Rimstinger Bäckerei: v.l. Stephanie und Maximilian Rupp machen weiter, Marlene und Martin Schmidmaier gehen in den Ruhestand. 2. Stephanie und Maxilian Rupp sind die neuen Pächter in der Bäckerei Schmidmaier, vormals Brandl. 3. Erinnerungen an Papst emer. Joseph Ratzinger und seinen Bruder Georg Ratzinger. 4. Von links: Ehepaar Schmidmaier, Besitzerin Maria Brandl sowie Maximilian und Stephanie Rupp.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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