Gastronomie

Die Priener Hütte – ein besonderes Haus am Geigelstein

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein Haus zu haben, es mit Leben erfüllen und es gastfreundlich zu pflegen, das ist eine dauerhafte Aufgabe. Eine Herausforderung der besonderen Art ist dies für die über 3.000 Mitglieder zählende Sektion Prien des Deutschen Alpenvereins (DAV) mit der ihr gehörenden Priener Hütte auf dem Geigelstein im Chiemgau. Dabei ist die Lage  auf 1.410 Metern Bergeshöhe inmitten des Naturschutzgebietes Geigelstein nur eine von mehreren Besonderheiten – wie ein Gespräch mit Hüttenreferent Herbert Aß aus Prien erzählt.

Erbaut wurde die Priener Hütte in den Jahren 1925 und 1926 von der DAV-Sektion Prien, diese konnte vor drei Jahren ihren 125. Geburtstag feiern. Bei der Feier auf dem Geigelstein mit Verleihung des Umweltgütesiegels wurde die Priener Hütte als Herz und Juwel der Sektion bezeichnet, sie ist Anlaufstelle sowie Erholungs- und Begegnungsstätte gleichermaßen. Das Umweltgütesiegel des Deutschen Alpenvereins wurde im Beisein der Vertreter der Bergsteigerdörfer Schleching und Aschau-Sachrang von Hanspeter Mair von der DAV-Bundesgeschäftsstelle in München verliehen, unter anderem mit den Worten: „Ihr habt Euch um das Naturschutzgebiet Geigelstein verdient gemacht, Ihr hattet dabei viel Mut und Ihr habt die Politik überzeugt. Zudem habt Ihr auf der Priener Hütte für ein umweltgerechtes Trinkwasser, für eine saubere Abwasserentsorgung und für eine energetische Wende gesorgt“.

Das ganze Jahr über hat die Priener Hütte offen, im Winter ist dies natürlich den aktuellen Witterungs-Gegebenheiten angepasst. „Um das Haus fortwährend mit einem guten Geist zu führen, brauchen wir natürlich gutes Personal und da haben wir mit der Pächterin Monika Becht an der Spitze seit sechs Jahren höchstes Glück“ – mit diesen Worten lobt DAV-Hüttenreferent Herbert Ass die Chefin von insgesamt acht fest angestellten Personen, die im Bedarfsfalle noch von weiteren Aushilfskräften verstärkt werden. Weiters sagt Ass: „Die Priener Hütte mit Blockheizkraftwerk und Photovoltaik-Anlage sowie mit viel Technik in Küche und Haus braucht gute Kenntnisse, die Monika kennt sich überall aus und kann sich viel selbst helfen“. Dem Lob über die tüchtige Wirtin folgt noch eine weitere Besonderheit. Herbert Ass, der lange Jahre zweiter Sektions-Vorsitzender war hat sich als die Suche nach einem Hüttenwart aktuell war für diesen Posten zur Verfügung gestellt. Seit drei Jahren ist er für einen guten Zustand des Gebäudes verantwortlich, im Vorjahr konnten die hohen Brandschutz-Auflagen abgeschlossen werden. „Der Brandschutz auf dem Geigelstein hat uns eine Viertel-Million Euro gekostet, die Finanzierung haben wir hingekriegt. Überhaupt bewegen wir uns von Maßnahme zu Maßnahme, aber immer so, dass erst begonnen wird, wenn die Finanzierung in Abstimmung mit unserem Schatzmeister gesichert ist“ – so Herbert Ass, der als nächste Aktivität die Renovierung der Wetter- und Außenfassade ins Auge fasst. Oft bekommt die DAV-Sektion bzw. die Priener Hütte überraschend Unterstützung aus den Mitgliederreihen oder von Außen, so erinnert sich Aß an den schneereichen Winter vor zwei Jahren als die Sektions-Mitglieder gerade mühsam mit dem Abschaufeln des Daches beschäftigt waren mit den Worten: „Da kam plötzlich ein Bundeswehr-Trupp, der ausbildungsmäßig mit einem Fußmarsch unterwegs war und im Nu war das Dach von der schweren Schneelast befreit“.

Zusammenarbeit mit Wirtin und Vorstandschaft ist mustergültig

Als mustergültig bezeichnet der Hüttenreferent seine Zusammenarbeit mit der Wirtin, dem Küchen- und Service-Personal und mit der gesamten Sektions-Vorstandschaft. Seine Arbeit verrichtet der 73-jährige ehrenamtlich, den Weg zur Priener Hütte kennt er fast schon Stein für Stein auswendig wie seine Westentasche. Als sich bei der aktuellen Corona-Krise nach neun Wochen der Schließung für die Priener Hütte wieder eine schrittweise Öffnung abzeichnete, da legte Herbert Aß gleich Hand an, um zusammen mit weiteren Helfern für das Sektionsstüberl und für die Schlafräume farbenfrohe Trennwände zu erstellen. Ab 30. Mai können nämlich wieder Touristen die Zimmer und Lager beziehen (eine Reservierung ist im übrigen nur über die Internetseite www.huetten-holiday.de möglich). Auf folgende Besonderheit weist Herbert Aß noch abschließend hin: „Bei einem Haus mit vielen Räumen und Platz für insgesamt 150 Sitzplätzen (davon 100 im Freien) und für 50 Schlafplätze werden natürlich immer wieder Handwerker gebraucht, aber diese sind nicht leicht zu finden. Grund hierfür sind die weite Anfahrt mit Schranken-Regelung und der sich daraus ergebende Zeit-Aufwand. Aber trotzdem finden sich immer wieder Firmen und Personen, denen die Arbeit auf dem Berg und das Wohl der Priener Hütte ein wichtiges Anliegen ist“. So gesehen kann die Priener Hütte, die vor fast 100 Jahren erbaut sowie in den Jahren 1960-1963 und von 1974-1977 erweitert wurde, auch in schwierigen Corona-Zeiten einer optimistischen Zukunft entgegensehen.

Nähere Informationen zur Priener Hütte gibt es auf deren Internet-Seite unter www.prienerhuette.de, paer email über post@prienerhuette.de sowie telefonisch unter 08057-428.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Priener Hütte – jetzt u.a. mit Corona-Trennwänden in Gast- und Schlafräumen.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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