Leitartikel

Debatte: Landkreis Rosenheim ist kein Energieversorger

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein Resolutionsantrag zur aktiven Energiewende im Landkreis Rosenheim wurde vom Rosenheimer Kreistag mehrheitlich abgelehnt. Ziel des Antrags der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen war es, den Landkreis Rosenheim bis zum Jahr 2032 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen.
Begründet wurde die Ablehnung, dass der Landkreis selbst nicht als Energieversorger agiert. Die Energieerzeugung und –versorgung, ob elektrisch oder thermisch, ist ein Wirtschaftsprozess. Dieser findet über die regionalen Grenzen hinweg statt und liegt nicht im Einflussbereich des Landkreises. „Als Verwaltung haben wir keine Regelungsmöglichkeiten“, sagte Landrat Otto Lederer. Darüber hinaus wird die konkret definierte Zielvorgabe, den Landkreis Rosenheim bis zum Jahr 2032 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen, als nicht umsetzbar angesehen. „Bei dem Ziel, dem Gelingen der Energiewende, sind wir uns alle einig. Um den bestmöglichen Weg dorthin, werden wir weiterhin diskutieren“, meinte der Landrat. Martina Thalmayr von der antragstellenden Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte zuvor die Bedeutsamkeit eines klaren Bekenntnisses für die Energiewende betont: „Wir haben einfach keine Zeit mehr und eine Vorbildfunktion für alle Bürgerinnen und Bürger“.
Der Landkreis Rosenheim unterstützt die Energiewende im Rahmen seiner Möglichkeiten bereits seit vielen Jahren. Beispiele dafür sind die Begleitung einer Wasserstoff-Initiative als Antriebsalternative für Fahrzeuge oder die Mitveranstaltung des „Rosenheimer Klimafrühlings“. Mit der Initiative „Energiezukunft Rosenheim“ wurde schon vor zehn Jahren ein Netzwerk aus regionalen Akteurinnen und Akteuren gegründet. Ziel der Initiative ist die nachhaltige Nutzung von Energie im Landkreis und in der Stadt Rosenheim.
Zahlreiche Projekte, um die Potenziale der erneuerbaren Energien im Landkreis zu stärken, sind bereits etabliert. Dazu gehören beispielsweise die Förderung des Anbaus der Durchwachsenen Silphie als Energieplanze und Maisalternative, die Belegung von Dachflächen kreiseigener Liegenschaften mit Photovoltaik-Anlagen, die teilweise Umstellung des Fuhrparks des Landratsamtes auf Elektroautos oder den Online-Service „Soldardachkataster“ zur Potenzialermittlung von Aufdach-PV-Anlagen. Sehr nachgefragt ist auch das Angebot der Energieberatung durch unabhängige Energieberaterinnen und –berater, dass über die Wirtschaftsförderstelle des Landratsamtes organisiert wird. Um die vielfältigen Aktivitäten in der Energie- und Klimaschutzpolitik zu koordinieren, soll künftig ein neues Steuerungs- und Qualitätsmanagement eingeführt werden – der European Energy Award. Durch den European Energy Award sollen künftig die Handlungsfelder und Umsetzungsmöglichkeiten genauer definiert werden. Als erster Schritt ist die Erstellung einer CO2-Bilanz für den Landkreis Rosenheim geplant. Der Bericht soll Angaben zu den relevanten Emissionen der Landkreisverwaltung enthalten. Mit diesen vielfältigen Maßnahmen kommt der Landkreis seiner Vorbildfunktion im Hinblick auf die Klimaneutralität nach.

Bericht: Landratsamt Rosenheim

Foto: Thomas Jeck –  Windräder im Hochtaunus/Gemeinde Weilrod

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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