Leitartikel

Brandlbergalm ist wieder bewirtschaftet

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Brandlbergalm im Spitzsteingebiet auf einer Höhe von 1.225 Metern ist wieder bewirtschaftet. Nach dem „Jahrhundertwinter 2018/19“ konnte auf Grund erheblicher Lawinenschäden am Weidezaun und der Erschließung zwei Almsommer kein Vieh mehr aufgetrieben werden. Nach der Reparatur der Wegeschäden ist die Alm in diesem Jahr wieder bewirtschaftet. Zwei junge Almerinnen,  Monika  aus Vogtareuth im Landkreis Rosenheim und Veronika aus Ufering bei Teisendorf im Landkreis Berchtesgadener Land hüten und behüten jetzt die Brandlbergalm.

 Bei einem Marsch zur Brandlbergalm zusammen mit dem Frasdorfer Heimatforscher und Almkenner Rupert Wörndl erinnert dieser daran, dass die Brandlbergalm im Jahr 1932 wie der Großteil der vormals Cramer-Klett´schen Besitzes an den Staat verkauft wurde. Seither handelt es sich um eine Pachtalm der Bayerischen Staatsforsten. Viele Jahre ab 1956 war die Lederer-Familie von Hendenham (Gemeinde Frasdorf) Pächter und viele Jahre war für diese Therese Stoib („Goashacker-Resl“) als Sennerin auf der Alm. Rupert Wörndl hat sie mehrmals besucht: „Die Resl war 15 Jahre auf der Brandlbergalm, sie liebte das ihr anvertraute Vieh, sie hielt den Stall so sauber wie ihre Küche und sie war allseits beliebt“.

 Für die neue Pächter-Familie Höglmüller-Schillmeier aus Marquartstein ist die Brandlbergalm eine interessante und nützliche Aufgabe zugleich, ihr persönliches Anliegen ist es, einen Beitrag zum langfristigen Erhalt der insbesondere auch hinsichtlich ihrer Flora einzigartigen Almflächen zu leisten. Acht Tiere mit Mutterkuh-Haltung (Pinzgauer Rasse) haben neun Hektar Lichtweide und heuer noch reichlich Futter, so dass wohl bis Ende September Almbetrieb herrscht. Die Sennerinnen Monika und Veronika versorgen vorbeikommende Wanderer, die auf dem Weg zum Spitzstein oder ins Klausengebiet sind, mit almüblichen, regionalen Brotzeiten und mit Getränken. Für Monika, die vom Direktvermarkterhof „Beim Seehuber“  nahe dem Hofstätter See stammt und die Konditorin und Gärtnerin gelernt hat,  ist es der zweite Almsommer. „Im Vorjahr war ich kurze Zeit auf einer Alm in der Nähe vom Sylvensteinspeicher, dort machte ich mit 30 Stück Jungvieh die ersten Erfahrungen“ – so die Almerin. Für Veronika ist es der vierte Almsommer, sie sammelt nicht nur Kontakte und Erfahrungen mit den Kühen und Kälbern, sondern auch mit den ihnen anvertrauten Geißen und Hühnern.  Nach ihrer Hauptaufgabe, dem Schauen nach dem und dem Zählen vom Almvieh und dem Ausbessern von Zäunen gehören derzeit Schwammerlsuchen, das Geißen-Melken (zweimal täglich für die Käseherstellung – die Molke bekommen im übrigen die Hühner für noch besserer Eier) sowie das Eier-Abtragen zum festen Tagesablauf. Die zwischenzeitliche Versorgung der Alm nach einer Erst-Ausstattung zum Almsommerbeginn durch einen Hubschrauber kann mittels eines Quad-Fahrzeuges erfolgen. „Wir sind angenehm überrascht, wieviele Leute bei uns vorbeikommen und sich noch an die vorherige Sennerin Resl erinnern, auch bei nicht so gutem Wetter tauchen immer wieder Leute auf“ – so die jungen Sennerinnen, die sich besonders über Besucher mit musikalischen Talenten und Instrumenten freuen.

 Zur Geschichte der Brandlbergalm

 Im Rahmen der Chronik-Erstellung für die Gemeinde Aschau i. Chiemgau hat Rupert Wörndl im Jahr 2008 für die Brandlbergalm folgende geschichtliche Daten festgehalten: Der Kaser (die Almhütte) steht auf 1225 m; die Weidefläche reicht bis 1400 m hinauf. Der Almname leitet sich von dem dazugehörenden Brandlberg ab, was auf Brandrodung hindeutet. Bereits 1489 erscheint die Alm in einer Urkunde. 1541 wird die Alm in der Almordnung für die Ebbser Bauern als ”Präntelperg” erwähnt. Damals durften ausschließlich Kufsteiner Gerichtsuntertanen auftreiben. Ein Teil der Almfläche lag damals auch auf Tiroler Gebiet. Das ist der heute aufgeforstete obere Bereich des Einhanges zum Trockenbachtal. Er war – im Gegensatz zu Bayern – bei der Grundentlastung in das Eigentum der Bauern übergegangen, die ihn 1890 an die k. k. Forstverwaltung (heutige Österreichische Bundesforste) zur Aufforstung verkauft haben. Ab dieser Zeit wurde die Brandlbergalm nicht mehr befahren. Die beiden Kaser, die ganz oben auf der Schneid standen und deren Grundmauern heute noch gut zu erkennen sind, waren überflüssig geworden. Erst 1920 wurde für den jetzt rein bayerischen Teil wieder ein Pächter gefunden, der Meister von Innerwald. Da die alten Kaser verfallen waren, baute dieser an geschützterer Stelle weiter unten eine neue, die heute noch bestehende Almhütte.

 Fotos:  Hötzelsperger –  Eindrücke vom Besuch auf der Brandlbergalm mit Rupert Wörndl aus Frasdorf – u.a. Monika und Vroni, Almerinnen

 Repro: Lederervater Andreas Lengauer (gest. 1981) im Jahr 1978 vor seiner Brandlbergalm

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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