Kultur

Besuch bei einer Samerberg-Keramikerin

Samerberg, sagte man uns, hat 71 Ortsteile. Schilding sei nur ein ganz kleiner, dafür aber nah an der Autobahnabfahrt. Tatsächlich war sogar das Navi überflüssig. Mitten in der oberbairischen Bilderbuchlandschaft sind wir dem Gefühl gefolgt und direkt auf der Blumenwiese am Waldrand gelandet. Bevor wir zur Keramikerin Pia Keul richtig Grüss Gott sagen konnten, waren wir schon umringt von kräftigen farbenfrohen Frauen, die uns fröhlich zuwinkten.

Keramikfreunde und -sammler wissen es längst, wo wir angekommen sind: Bei Pia Keul von Werkstatt und Atelier TONART wo zweigleisig entworfen, entwickelt, gestaltet und produziert wird.  „Klar“, strahlt die Keramikerin, „sind mir meine Frauen schon sehr ans Herz gewachsen, normalerweise auch die Männer.“ Die seien gerade recht rar, „aber das will ich ändern – zur nächsten Produktionsphase kommt mal wieder eine Reihe kräftiger Kerls in den Ofen.“

Bald ein Vierteljahrhundert ist Pia Keul mit ihren „Badenden“ – mal mit Badeanzug, in jedem Fall mit Badehaube – in der Töpfer-Szene weit über Oberbayern hinaus ein Begriff. Sie sind einzigartig! Mit ihrem herzerfrischenden Auftritt haben sie bisher an zahlreichen Seeufer-Märkten die Uferzonen bevölkert. Wo immer es Schiffsverkehr gibt, winkten sie Segler und Ruderer herbei und haben die Ausflugsdampfer willkommen geheißen.

„Aber heuer wurde auch uns der Wind aus den Segeln genommen“, sagt Pia Keul, was die europäische Keramik-Szene betrifft. „Wir sind zuversichtlich, dass wir 2022 wieder Töpfermarkt-Auftritte haben.“  In diesem Sommer hat Pia Keul ihren Freundinnen mit den geblümten Schwimmanzügen und frechen Bademoden in ihrer Sommerwiese idyllische Plätzchen eingeräumt, wie die Fotos zeigen. Sie sitzen am kleinen Weiher, wippen auf der Schaukel und genießen den Bergblick in die Chiemgauer Alpen.

Wie entstehen diese so menschlich wirkenden Wesen?

„Ja, mit Ideenreichtum und Liebe zum keramischen Handwerk. Aber drauf gekommen bin ich durch den Impuls von einer Zeitung“, erzählt sie von der Begegnung mit einer Figur, „die mich sofort angesprochen hat.“ Pia fing an, so eine Frau zu „schöpfen“ und war glücklich, „weil sie mir auf Anhieb gelungen ist.“ Heute arbeitet sie mehrdimensional: der Kopf wird gedreht, Hände und Füße modelliert und alles für die Einzelteile von unten nach oben aufgebaut.

Der zweite Bereich in der Keramik-Werkstatt Keul ist dem Geschirr gewidmet. Die Gebrauchskeramik wird traditionell auf der Töpferscheibe gedreht. Nach einer mehrtägigen Trocknungs- und Bearbeitungsphase wird sie in einem ersten Brand geschrüht, also verhärtet. Erst danach wird die Keramik glasiert. Das formal schlichte und zeitlose Geschirr ist durch eine breite Farbpalette miteinander kombinierbar. Alle Glasuren sind nach eigenen Rezepturen entwickelt. Sie sind lebensmittelecht und spülmaschinenfest. 

Traditioneller Handwerk

Pia liebt traditionelles Handwerk, das sie 1989 mit einer dreijährigen Lehre zur Keramikerin in der Töpferei von Dr. Gerhard Pletzer in Grafing lernte. Danach arbeitete sie als Gesellin in verschiedenen Werkstätten, unter anderem bei Elisabeth Fink in Garchensolden. Schließlich absolvierte sie 1996 die Meisterprüfung im Keramikhandwerk an der Gewerblichen Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart. Seit 1998 führt sie ihre Keramikwerkstatt TONART am Samerberg und arbeitet an der Drehscheibe, als auch figürlich.

Pia freut sich über Besuche nach Vereinbarung. „Außerdem stellt sie regelmäßig auf renommierten Töpfer- und Kunsthandwerkermärkten im deutschsprachigen Raum aus.

Bericht und Bilder: Beate Bentele (Pressebüro Ammersee)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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