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90 Jahre Kriegerdenkmal Wildenwart: Rückblick

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit genau 90 Jahren steht das Wildenwarter Kriegerdenkmal im Herzen der alten Gemeinde von Wildenwart in Prutdorf, auf halbem Weg zwischen Hendenham im Süden und Siggenham im Norden – am 17. Mai 1928 wurde es eingeweiht.

Bei der Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges wurden überall in der Region Gedenkstätten errichtet, um an die vielen jungen Männer zu erinnern, die nach dem Ende des Krieges 1918 nicht mehr nach Hause gekommen waren und für die Angehörigen einen Ort der Trauer und des Gedenkens zu haben. Nachdem viele Gemeinden im Umkreis bereits Kriegerdenkmäler errichtet hatten und zur Einweihung dieser Gedenkstätten einluden, wurde 1926 der Bau eines Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auch in der Gemeinde Wildenwart aktuell: Der Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart wurde unter der Leitung des Vorsitzenden Josef Schweiger mit einem erweiterten Vereinsausschuss – dem auch Bürgermeister Wallner und Hauptlehrer Drexl angehörten – „federführend in der Denkmalsangelegenheit“. Seit Juni 1926 hatte dieser Ausschuss ganz klare Vorstellungen: als Kriegerdenkmal sollte eine Kriegergedächtniskapelle errichtet werden; in dieser sollten Gedenkplatten oder ein Wandgemälde an die Gefallenen des Weltkrieges erinnern. Seit 1927 stand für den Bau auch ein Grundstück in der Mitte der Gemeinde Wildenwart zur Verfügung: der Lippnbauer Kaspar Bauer in Prutdorf stellte das Wiesendreieck zwischen Vogl und Lipp kostenlos als Bauplatz zur Verfügung. Die Kosten für das Denkmal wurden durch den Ausschuss mit 2000 Mark veranschlagt, die Maurer- und Zimmererarbeiten sollten durch die Vereinsmitglieder erfolgen. Das notwendige Geld sollte durch eine Sammlung bei den Mitgliedern und in der Gemeinde beschafft werden. Man einigte sich nach mehreren Besprechungen schließlich darauf, im Innenraum ein Bild malen zu lassen, der Plan, alle 36 Gefallenen mit Fotografien zu verewigen, ließ sich aus Kostengründen nicht verwirklichen.

Das Vereinsleben mit Jahrtag, Christbaumfeier und Jahresball, alles war 1927 auf das große Ereignis der Denkmalsweihe ausgerichtet, das für den Mai 1928 vorgesehen war. Am 17. Mai 1928 war es dann soweit: Zahlreiche Vereine fanden sich, trotz des strömenden Regens ein, allen voraus der Veteranen- und Kriegerverein aus Prien mit eigener Musik und Tambourkorps. In drei Zügen marschierten die Veteranenvereine und die Kriegsteilnehmer aus der Umgebung zum Denkmal, das von Pfarrer Rupp aus Prien den kirchlichen Segen erhielt. Hauptlehrer Drexl hielt die Festansprache und danach erfolgte die förmliche Übergabe der geweihten Kriegergedächtniskapelle durch den ersten Vorstand des Veteranenvereins Josef Schweiger an die Gemeinde Wildenwart. Bürgermeister Wallner versprach – in Anwesenheit von Kronprinz Rupprecht von Bayern und der Wildenwarter Prinzessinnen – das Denkmal für die Gemeinde allzeit in treuer Pflege und Obhut zu halten. Trotz des strömenden Regens erfolgte noch ein Vorbeimarsch an Kronprinz Rupprecht im Parademarsch und danach rückten alle Festteilnehmer zum geselligen Teil in die Stammquartiere in den drei Wirtschaften von Wildenwart, Prutdorf und Atzing ab. Zeitgenössische Bilder von diesem Ereignis liegen dem Veteranenverein nicht vor. Bei der Generalversammlung beschloss der Wildenwarter Veteranenverein den Jahrtag künftig stets am Kriegerdenkmal abzuhalten und siehe da, genau 97 Mark waren bei der Kassenprüfung nach dem Bau noch übrig, die dem Denkmalsfond zugeführt wurden.

Bericht und Foto: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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