Brauchtum

120 Jahre Trachtenverein „Daxenwinkler“ Atzing – Die Vereinsgeschichte

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit 120 Jahren gibt es in Atzing in der Gemeinde Prien a. Chiemsee (einen Trachtenverein. 1897 waren es 25 Männer, die sich mit dem Gründungsvorstand Christoph Wöhrer trafen und sich den Namen „Oberbayerischer Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Wildenwart“ gaben. Gleich mit der Gründung wurde der Verein in den Gauverband I aufgenommen. Ein Jahr nach der Gründung wurden die Vereinsaufgaben erweitert und im Sinne der Unterstützung von Bedürftigen hieß der Verein fortan „Oberbayerischer Gebirgs-Tracht-Erhaltungs- und Krankenunterstützungsverein Wildenwart“. Das Jahr 1903 hatte zwei Besonderheiten. Einmal wurde das 13. Gautrachtenfest vom Gauverband I ausgerichtet und dann spalteten sich aufgrund von Streitereien einige Vereinsmitglieder ab und gründeten den Verein „Die lustigen Wildenwarter“. Heute pflegen die „lustigen“ Wildenwarter und die nicht minder „lustigen“ Atzinger Trachtler und Vereine ein gutes und freundschaftliches Mit- und Nebeneinander. Wiederum ein Jahr später wurde vom Atzinger Trachtenverein die erste Fahne geweiht, die Weihe erfolgte in Salzburg, da die heimatlichen Seelsorger der neu entstandenen Trachtenbewegung noch nicht so wohlwollend gegenüberstanden wie dies seit Jahrzehnten und heute der Fall ist. Als Pate stellte sich bei der Fahnenweihe der Trachtenverein Staudach zur Verfügung. 1932 wechselte der Trachtenverein Atzing vom Gauverband I zum kleineren Chiemgau-Alpenverband, der 1926 gegründet worden ist. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Brauchtums-Freuden wieder zunahmen wird Johann Rinser aus Kaltenbach Erster Vorstand. Rinser ist zugleich Zweiter Gauvorstand beim Gauverband I und so entschließen sich die Atzinger, sich wieder diesem Gauverband anzuschließen. 1947 veranstalten die Atzinger zur Aufbesserung der Vereinskasse erstmals eine Versteigerungsfeier, die bis heute um den Heilig-Drei-König-Tag stattfindet. 1948 wird die erste Kindergruppe zusammengestellt, der Nachwuchs ist seither das wichtigste Fundament des Vereins. 1950 beschließt die Herbstversammlung, alljährlich im Oktober zusammen mit dem Trachtenverein Wildenwart und mit der Blaskapelle Wildenwart einen Gedenkjahrtag für die gefallenen, vermißten und verstorbenen Trachtenkameraden in der Pfarrkirche Wildenwart und am Kriegerdenkmal in Prutdorf abzuhalten. Als 1957 in Greimharting ein neuer Trachtenverein gegründet wurde, waren auch viele Atzinger Mitglieder aus dieser Nachbarschaft dabei, viele von Ihnen gehörten dann zwei Vereinen an. 1958 verlassen die Atzinger Trachtler wieder den Gauverband I und kehren wieder zurück zum Chiemgau-Alpenverband. Das erste Waldfest im Buchenwald von Munzing wird 1961 angesetzt, seither sind diese Waldfeste der jährliche Veranstaltungs-Höhepunkt für die Atzinger und ihre Gäste. Eine neue Vereinsfahne wird 1963 geweiht, Fähnrich war Balthasar Obermaier, Fahnenmutter Sophie Stocker (Herbergsmutter vom Wirt in Atzing) und Fahnenbraut Annemarie Schlosser (Anni Enzinger). Bei diesem Fest erscheint erstmals der Vereinsname „Daxenwinkel“ (aber immer noch mit dem Zusatz „Wildenwart-Stamm“). 1967 wird das 70jährige Gründungsfest mit dem 31. Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes mit Vorstand Hans Summerer an der Vereinsspitze gefeiert. Hans Summerer („Spitz“) wird nach 23jähriger Vorstandstätigkeit 1970 zum Ehrenvorstand ernannt, ihm folgt Paul Schlosser, der 14 Jahre dieses Amt bekleidet. Als 1978 im Zuge der Gebietsreform Atzing von der vorherigen Gemeinde Wildenwart zum Markt Prien a. Chiemsee kommt, werden die Atzinger Trachtler von der Priener Kurverwaltung zu Bayerischen Heimatabenden im Großen Kursaal eingeladen. Viele Jahre waren diese Heimatabende ein Erfolg, seit einigen Jahren werden sie allerdings wegen nachlassender Besucherzahlen nicht mehr durchgeführt. 1979 begann zusammen mit der Blaskapelle Prien der jährliche Besuch in der Kinderheilstätte von Aschau i. Chiemgau. Diese Besuche waren für die Patienten, aber auch für die Dirndl und Buam des Vereins immer ein nachhaltiges Erlebnis. Im Jahr 1980 werden die Atzinger Goaßlschnalzer gegründet, diese Gruppe ist seither ein guter und  fester Bestandteil des Vereins. 1984 wird die neue Vereinsfahne gründlich Instand gesetzt und 1986 nehmen erstmals die Atzinger Röckefrauen mit ihrem Festgewand am „Weißen Sonntag“ in der Wallfahrtskirche von St. Salvator zu Ehren Gottes und zur Freude der dortigen Kreuztracht-Gemeinschaft teil. Als 1987 der Atzinger Trachtenverein mit der Ausrichtung des 51. Gaufestes vom Chiemgau-Alpenverbandes beauftragt worden ist, hatte der Verein großes Wetterpech. Es regnete während der gesamten Festwoche, der Gottesdienst wurde im Festzelt abgehalten und nahe dem Festzelt entstand aufgrund der ergiebigen Regenfälle ein „Fest-See“. Zum 95jährigen Gründungsfest durfte der GTEV Atzing 1992 erstmals das Gaudirndldrahn im Festzelt in Arbing ausrichten. 1993 wird mit dem Bau des Vereinsstadels begonnen, dieser wird 1994 eingeweiht und dient seither der Unterbringung des vorher auf verschiedene Plätze verteilten Inventars. 1995 wird die Gründerfahne aufwendig restauriert, so dass auch diese in einem guten Zustand ist und zu ganz besonderen Anlässen noch getragen werden kann. 1997 wird das 100jährige Vereinsjubiläum mit einer Festwoche ausgiebig gefeiert. Im Jahr 2005 wird nach langen Planungen mit dem Bau des Vereinshauses zusammen mit der örtlichen Feuerwehr begonnen, der Spatenstich war am 14. Mai, die festliche Eröffnung war dann im Jahr 2007. Die Hauptverantwortung beim Vereinshausbau lag in besten Händen beim damaligen Vorstand Albert Rauch und bei Bauleiter Michael Schlosser senior. In diesem Jahr wurde auch zusammen mit dem Veteranenverein Wildenwart das 110jährige Bestehen des Vereins mit einer Festwoche gefeiert. Die Vergabe des nunmehr anstehenden 81. Gautrachtenfestes vom Chiemgau-Alpenverband erfolgte 2015 bei der Herbstversammlung des Verbandes in Übersee. Seither sind der gesamte Festausschuss mit Festleiter Michael Schlosser junior an der Spitze um eine sorgfältige Vorbereitung bemüht. Mit Freude erwarten die Atzinger Trachtler nunmehr ihre Gäste, also: „Auf geht´s nach Atzing“.

Fotos: Aus der Atzinger Vereinsgeschichte – entnommen der Festschrift (erhältlich in Prien, Bachham und Prutdorf sowie bei den Festzelt-Veranstaltungen)

Nähere Informationen:  www.gaufest.bayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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