Gastronomie & Wirtschaft

Starkes Bier und starke Sprüche bei Priener Blaskapelle

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ganz im Zeichen der heurigen Priener Jubiläumsfestwochen von Feuerwehr und Blaskapelle Prien, die vom 23. Mai bis 3. Juni im Festzelt an der Bernauer Straße gefeiert werden, stand das traditionelle Starkbierfest der Priener Musikanten im voll besetzten König-Ludwig-Saal. Um dieses besondere Fest zu einem Erfolg werden zu lassen, bat Bruder Johannes (Dreikorn) in seiner fast einstündigen Fastenpredigt als Schluss-Tipp die Priener um ein starkes WIR-Gefühl.

„Familie, Ehre, Treue, Vaterland  – das waren die Tugenden vor 100 Jahren, heute pflegen wir Wohlstand, Freiheit, Unabhängigkeit sowie Kommunikation und Datenschutz“ – mit diesem Vergleich begann Johannes Dreikorn seine Ansprache an alle Priener, gleich ob Ehrenbürger, Bürgerbegehrenschreiber oder Steuerflüchtige. Beim Datenschutz ging er zuerst auf den griechischen Philosophen Sokrates ein als er diesen mit den Worten zitierte: „Wenn Du etwas weitersagen willst, dann siebe es erst dreimal durch das Wahre, das Gute und das Notwendige“. In die Gegenwart und in den König-Ludwig-Saal blickend sagte er darauf: „Wer schon einmal bei Rosi Hell in der Whats-App-Gruppe war, der weiß, was Datenschutz ist“ – und er ließ daraufhin die Krüge hochheben zum Zeichen dafür, dass alle Besucher mit der Erhebung ihrer Daten einverstanden sind. Natürlich kam die Gemeindepolitik nicht zu kurz. Bürgermeister Jürgen Seifert, dessen Ein-Mann-Show in der Bürgerversammlung entweder zum Heimgang oder zum Wachkoma veranlasste, forderte er auf, das Bauvorhaben Eglwieser nicht so lange auf sich warten zu lassen wie den Berliner Flughafen oder den englischen Brexit. „Ein Haus für die Musik in Prien, wieso haben wir das noch nicht angesichts der räumlichen Engpässe in der Musikschule und bei der Blaskapelle?“ – diese Frage verband Bruder Johannes gleich mit dem Vorschlag, das ehemalige Chiemsee-Center dafür zu nutzen. Die Erwartungen sollten aber nicht zu hoch geschraubt werden, denn für das Haus der Musik gab es den gleichen vom gesamten Publikum angestimmten Refrain „Des war immer schon so, des muss so sein“ (frei nach dem Priener Gemeinderat Peter Fischer) wie für das Priener Verkehrs- und Radwege-Konzept, für den zweiten Bahnhofs-Aufzug und für den Bahnhofs-Vorplatz. Die Verhandlungen mit der Bahn waren ein weiteres Thema, denn Bürgermeister Jürgen Seifert war deswegen schon einmal umsonst („Nicht gratis, sondern vergeblich!“) von Prien nach Berlin gereist. Obwohl es im König-Ludwig-Saal den Besuchern ob der guten Bewirtung der Gastronomie-Familie Heinrichsberger gut ging, hatte der Fastenprediger auch hier ein Haar in seiner Fastensuppe gefunden und er sagte: „Prien gibt es seit 860 Jahren, den Kursaal seit 55 Jahren und seit 20 Jahren hat diesen die Gemeinde Prien, doch das Konzept der Erneuerung von Lampen und Waschbecken ist von vorvorgestern, da wäre es gescheiter in ein langfristiges Festzelt mit Wiesenbesitzer Peter Thaurer zu investieren, dann hätte die Priener Jungbauernschaft im nächsten Jahr auch gleich eine Bleibe bei ihrem Jubiläum“. Noch viele weitere Priener Themen, viele aufgrund von anonymen und zugleich doch bekannten Informanten zeigte Bruder Johannes auf, dazu gehörten die „Texas- und Nevada-Kreisel“ beim Moar z´Bruck und bei der Bahnunterführung („Plant Prien eine weitere Partnerschaft mit Texas?“), das Ziel „Lebenswerteste Seegemeinde im Alpenraum zu werden“ („Was mit der schönsten Geröllhalde im Alpenraum erreicht werden könnte!“) sowie das Baumsterben, das sich von Priener Straßen bis nach Aschau fortentwickelt hat. „Kein Baumsterben, vielmehr das Gegenteil, einen erstmaligen April-Baum in Bernau, das ist deutschlandweit einmalig“ – nach diesem Seitenhieb auf die Nachbargemeinde widmete sich Johannes Dreikorn wieder der Priener Kommunalpolitik. „Für die Bürgermeisterwahlen bieten sich –was man so hört- neben Jürgen Seifert auch noch Michi Anner junior, Klaus Löhmann und Klaus Stöttner an, doch das ist noch nicht amtlich. Amtlich ist hingegen, dass die Bernauer Straße für die kommenden Festzüge risikoärmer wird und dass in der Kampenwandstraße mehr Advokaten als Arbeiter zu tun haben“. Im Beisein der Vertreter aller Priener Kirchengemeinden bat Bruder Johannes die Kirche weiter im Dorf, die Pfarrer bei den Schäflein und die Wirtshäuser bei den Kirchen zu halten. Lobend erwähnte er die Neuwahl des jungen Priener Feuerwehrkameraden Samuel Witt zum neuen Kommandanten und Nachfolger von Stefan Pfliegl, kritisch bezeichnete er hingegen, dass die in ganz Bayern gültige Ehrenamtskarte überall, bloß nicht im Prienavera gilt. Anekdoten von Ausflügen der Priener Blaskapelle, unter anderem nach Hasselbach in Hessen, als mangels Schlüssel der Brauch des „Fensterln“ geübt werden musste und zur Grünen Woche nach Berlin, als Vorstand Stefan Hackberg samt Instrumentenraum-Schlüssel verschlief, rundeten die viel beklatschte Predigt ab. Das Starkbierfest selbst wurde noch bereichert durch Blasmusik von der Jugendblaskapelle unter der Leitung von Regina Stephan (in Vertretung von Josef Steiner) und von der Blaskapelle selbst mit Dirigentin Regina Huber (für den erkrankten Stefan Fußeder). Zum kulinarischen Wohl gehörte unter anderem das Fastenbier vom Hofbräuhaus Traunstein, dessen erstes Faß Bürgermesiter Jürgen Seifert mit einem vorsichtigen und drei kräftigen Schlägen bei minimalem Gerstensaft-Verlust im Beisein von Brauerei-Vertreter Richard Hundhammer anzapfte (Über Ehrungen durch Bezirksvorsitzenden Leonhard Eisner und über die Vorstellung der Festschriften und Festzeichen für die Priener Festwochen berichten wir noch gesondert).

Foto/s: Hötzelsperger – Eindrücke vom Starkbierfest der Priener Blaskapelle mit Fastenprediger Bruder Johannes (Dreikorn).

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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