Land- & Forstwirtschaft

Doislhof Erding: Staatsministerin Michaela Kaniber folgte Einladung

Die ELF lud zum Gespräch und alle kamen: gelungene Veranstaltung auf dem Doislhof in Pretzen bei Erding. Ein sichtlich begeisterter ELF Kreisvorsitzender durfte neben den Referenten Evi Brielmair (Vorsitzende Molkereigenossenschaft Erding e.G.) und Wolfgang Scholz (Vorsitzender Vereinigung Milcherzeuger Bayern – VMB) die politischen Vertreter des Landkreises Erding und als besonderen Gast die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf dem Doislhof von Andreas Fürmetz begrüßen. Betriebsleiter Andreas Fürmetz stellte den Betrieb mit seinem Hofladen als zweites Standbein vor, den er zusammen mit seiner Frau Mariella mit Begeisterung betreibt. Die mögliche Weitereinwicklung seinen Hofes bereitet ihm derzeit großes Kopfzerbrechen. Der gut gemeinte Ratschlag der Bundestagskandidatin Caroline Brielmair an ihn war: „Die unguteste Entscheidung ist diese, die man nicht trifft“. Sie wünschte dem Betrieb viel Glück bei der Findung der richtigen Entscheidung für Andreas Fürmetz und seine Familie.

ELF Bezirksvorsitzender Staudhammer schilderte die Situation in Bayern mit 10.000 Anbindehaltungs- und 4.000 Kombihaltungs-Milchviehbetriebe. Die gesellschaftliche Forderung nach mehr Tierwohl und weniger Tiere ist eine riesige Herausforderung für die bayerischen Betriebe. Eine Lösung ist nur mit höheren Produktpreisen für die Landwirte zu realisieren. Eine einheitliche Lösung in Europa ist anzustreben.

Wolfgang Scholz stellte die Arbeit und Aufgaben des VMB vor. Seiner Meinung nach steigen die Milchpreise für die Landwirte im Verhältnis zu den Kostensteigerungen durch Futtermittel etc. viel zu langsam. Die Milchauszahlungspreise waren teils unter Weltmarktniveau, was Scholz an der Macht des Lebensmitteleinzelhandels fest machte. Erfreulich für ihn sind die stabilen Preise für Biomilch. Sein Ziel ist die gleichwertige politische Anerkennung der Kombihaltung neben der Laufstallhaltung.

Die Landwirte mit den kommenden Herausforderungen nicht alleine lassen, das ist das Ziel der Agrarpolitik der Bayerischen Staatsregierung, wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kanib.er bekräftigte. Die gestiegenen Ansprüche aus der Mitte der Gesellschaft und vor allem der Verbraucher dürften nicht ausgeblendet werden. Es handele sich nicht um eine kurzfristige Stimmung, sondern um einen langfristigen Bewusstseinswandel. Schon heute müssten die Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung Abschläge im Preis hinnehmen. „Wir bekommen eindeutige Signale von Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel, dass die ganzjährige Anbindehaltung keine Zukunft habe. Da kann ich nicht still zusehen und die Milchbetriebe mit der Entwicklung alleine lassen. Das wäre nicht ehrlich, nicht weitsichtig und deshalb keine verantwortungsvolle Politik“, so die Ministerin.

Sie stellte aber auch klar, dass es keinen rechtlichen Zwang zur Umstellung gebe. Kaniber weiter: „Wir setzen auch bei der Anbindehaltung auf Freiwilligkeit und nicht auf Verbote. Wir werden in einer staatlichen Beratungsoffensive mit jedem Betrieb die individuellen Möglichkeiten ausloten. Gemeinsam eine Lösung finden ist unser Ziel. Zudem haben wir den Fördersatz für Umbauten auf das EU-rechtlich maximal Zulässige erhöht.“ Der Agrarministerin seien verschiedene praktische Hürden bei geplanten Umbauten völlig bewusst. Deshalb gebe es intensive Gespräche mit anderen Ministerien, um bau-, wasser- und immissionschutzrechtliche Fragen zu klären. „Und wir setzen uns dafür ein, die Kombinationshaltung in die Stufe 2 der Haltungskennzeichnung aufzunehmen.“

Die Tierhaltung und besonders die Milchviehhaltung sei die tragende Säule der bayerischen Landwirtschaft. „Deshalb ist unser Ziel, möglichst keinen Betrieb auf dem Weg aus der Anbindehaltung zu verlieren. Fakt ist aber: Wer langfristig in der Milchviehhaltung bleiben will, sollte auf einen Laufstall umstellen. Ohne die Akzeptanz der Gesellschaft in Sachen Tierwohl würden wir einen massiven Strukturbruch in der bayerischen Milchviehhaltung erleben. Das wollen wir verhindern“, sagte Kaniber.

Molkereigenossenschafts-Vorsitzende Evi Brielmair lobte die lösungsorientierte Herangehensweise Kanibers ans Thema Anbindehaltung. Ihrer Meinung nach wurde es bisher von der Politik versäumt, echte Lösungen für die Anbindehaltungsbetriebe zu finden. Die Milch der Molkereigenossenschaft Erding wird an das Milchwerk Jäger in Haag/Obb. vermarktet.

Landrat Martin Bayerstorfer dankte Ministerin Kaniber für ihren Einsatz für der Standort Erding bei der Landwirtschaftsschule. Aktuell liegen bereits 25 Anmeldungen für das neue Semester vor. Die Entscheidung für den Zukunftsstandort Erding war also absolut richtig. Er sah die Regionalmarke ´echt erding´ als Erfolgsmodell und die Möglichkeit für viele Landwirte im Landkreis Erding, um neue Wege in der Direktvermarktung zu finden. „Wer Zukunft als Gegenwind empfindet, marschiert in die verkehrte Richtung“, so seine Aussage. Sehr ärgerlich ist für ihn die Peta-Anzeige von elf Anbindehaltern in der Region. Er zitierte aus einem Schreiben vom zuständigen Minister Glauber an ihn, in dem er den angezeigten Milchviehhaltern mögliche Tierschutzverstöße unterstellte und eine klare Anweisung von umfassenden Kontrollen durch das Veterinäramt gab. Für ihn ist es ein absolutes Unding, dass sich der Umweltminister gegen landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis stellt.

Für der Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Lenz ist der kulturelle Wert der Landwirtschaft sehr wichtig und sollte erhalten werden. Das große Ziel ist die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung. Für die Tierhalter vor Ort ist dabei die langfristige Planungssicherheit sehr wichtig.

Michael Hamburger, stellvertretender ELF Kreis- und Bezirksvorsitzender freute sich als Organisator der Veranstaltung über die kurzfristige Zusage der Ministerin zur gemeinsamen Veranstaltung des ELF Bezirksverbandes Oberbayern mit dem ELF Kreisverband Erding, die mit ihrem Besuch die Wichtigkeit des Themas unterstrich. „Besonders im Landkreis Erding ist die Milchviehhaltung ein zentrales Thema für die zahlreichen Milchbauern in der Region. Etwa die Hälfte der Betriebe halten ihre Kühe noch in Anbindehaltung und müssen in den nächsten Jahren für ihren Betrieb passgenaue Lösungen finden“, so der Erdinger BBV Vize-Kreisobmann Hamburger.

Bericht: Michael Hamburger

Foto: Hans Kornseder – v.l.n.r.: Rupert Staudhammer, Familie Fürmetz (Doislhof), Wolfgang Scholz, Caroline Brielmair, Evi Brielmair, Michaela Kaniber, Josef Lohmaier, Martin Bayerstorfer, Michael Hamburger, Dr. Andreas Lenz, Ulrike Scharf

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Samerberger Nachrichten

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!