Leitartikel

Priener Besuch bei Kunstmaler Franz Feistl im Priental

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Einfang bei Aschau im Priental ist ein Weiler, an dem es sich gut und zurückgezogen leben lässt. Es ist aber auch ein Ort für künstlerisches Schaffen, was sich zeigt, wenn man den Kunstmaler Franz Josef Feistl in seinem Atelier besucht. Gemeinsam mit dem Priener Maler im Ruhestand Paul Panzer gewährte uns der 68jährige Künstler einen Einblick in seine ganz und gar unterschiedlichen Aktivitäten und in seine bisherigen Lebenserfahrungen.

 Aufgewachsen bei seinen Großeltern in Pfraundorf begann für Franz Feistl das Berufsleben mit einer Lehre als Installateur und Heizungsbauer. Wegen Krankheit aber musste die körperlich schwere Arbeit niedergelegt werden und es begann eine neue Phase als Dekorateur und Schauwerbegestalter bei der Firma Adlmaier in Rosenheim, in einer angenehmen familiären Betriebsatmosphäre. Durch Leihgaben von Bauernmöbeln für die Trachtendekoration, bekam er die erste Berührung mit bäuerlicher Malerei. Nach der Lehre begann er ein Restaurierungsvolontariat bei einem Bildhauer in München. Ornamentbildhauerei, Fassmalerei und Vergolden waren der Schwerpunkt neben bäuerlicher Malerei. Nach anfänglich kleinen Werkstätten in  Stephanskirchen und Vogtareuth begann die schöne „ Priener Zeit“.

Dazu Franz Feistl: „ Im Priener Ortsteil Gries bewohnten wir das alte Bauernhaus der „Ameiserin“. Die Grieser waren sehr gemütlich und hatten uns warmherzig  aufgenommen “. Er wäre sehr gerne in Prien geblieben, denn in seiner Werkstatt trafen sich die Grieser, Priener und Künstler zu geselligen Stunden. Zu den Grieser Freunden gehörten unter anderen der Uhren- Spezialist Karl Aß, der Maler Sepp Schedlbauer, der Glaser Sepp Stöttner, der Kurdirektor Peter Donauer und auch Bürgermeister Lenz Kollmannsberger schaute gerne vorbei. Schön waren auch die  Begegnungen, Gespräche und Inspirationen mit dem Grieser Kunstmaler Bartholomäus Wappmannsberger, der bis ins hohe Alter malte und ein ganz feiner und bescheidener Mensch war – so Franz Feistl, der sich 1981 neu orientierte, als ihm die „Guggenburg“ in Grassau angeboten wurde.

Das neue Zuhause: Anstatt ins Freilichtmuseum ins Priental

Das Haus „Guggenburg“ stand unter Denkmalschutz und war eigentlich für ein Freilichtmuseum vorgesehen. Da aber dort der gleiche Bautyp schon vorhanden war, entschloss man sich, daß erhaltungswürdige Haus doch in der Region zu behalten. Und da Franz Feistl für eine Neuaufstellung in Prien keinen Platz und in der Gemeinde Aschau in Einfang für das aus dem Jahr 1580 stammende Haus doch einen Platz fand, wurde  die Familie Feistl mit letztendlich 3 Kindern im Priental sesshaft. In der Priener Werkstatt wurden in den 70er Jahren viel bäuerliches Mobiliar und Altarbau betrieben. Ein alter Freund, der Josef Edlbergmeier aus Rott am Inn fertigte damals große aufwendig geschnitzte Möbel für die Handwerksmesse, die dann bei Feistl pollimentvergoldet, marmoriert und gefasst wurden. Nach dieser Zeit der bäuerlichen Antiquitäten- Euphorie bekam Franz Feistl durch verschiedene neue Kontakte Aufträge für Malereien für Theater, Salons, Wandmalereien und Hallenbäder. „ Da war ich dann von Rügen bis zum Gardasee unterwegs, eine erlebnisreiche Zeit“.

Akademien und Ausstellungen

Letztlich ergaben sich immer wieder neue Techniken, Ausstellungen und dann auch Kurse. Seine bisherigen Ausstellungen führten ihn unter anderen gerade mit Jagd- Motiven- nach München ins Bayerische Jagdmuseum und Bad Winsheim, aber in erster Linie blieb er mit seinen Werken im Priental von Sachrang bis Prien (Heimatmuseum). Seit 1998 ist Franz Feistl Dozent an der Sommerakademie in Aschau, weitere Kurse gab und gibt er in der Kunstakademie in Kolbermoor und in der Kunstakademie LA CUNA DEL ARTE. Farben, Holz und Metall sind bei dem universellen Künstler stets in guten Händen, was ihn zu der zufriedenstellenden Zwischen- Lebens- Bilanz anregt, die da lautet: „Mit allem, was man bearbeitet kann man Schönes schaffen und ob der Vielfalt an Möglichkeiten wird es nie langweilig“- sagt dies, legt den Malerpinsel aus der Hand und nimmt das Bildhauereisen in diese, um einer von Paul Panzer mitgebrachten und restaurierungsbedürftigen Jesus-Figur die Finger zu ersetzen.

Fotos: Hötzelsperger- 1. Besuch bei Kunst-  und Kulissenmaler Franz Feistl in seinem Atelier in Aschau – Einfang zusammen mit seinem Maler- Freund Paul Panzer aus Prien.

  1. Weitere Impressionen vom Atelierbesuch.

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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