Landwirtschaft

Jagdversammlung in Aschau

„In den letzten 200 Jahren gab es keinen Biber in Bayern – er hat in dieser Zeit niemand gefehlt, wir haben ihn im Priental zu keinem Zeitpunkt vermisst“, so Jagdpächter Rasso Freiherr von Cramer-Klett bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Aschau im Gasthaus zur Klause in Bach. Der Biber sorgt bei Waldbauern und Jägern überall für großen Ärger. Im Landschaftsschutzgebiet am Bärnsee werden dem Biber – nach Meinung von Jagdvorsteher Peter Fischer -schützenswerte Blumen und Pflanzen geopfert. Dabei ist der Biber in seinem Bestand schon lange nicht mehr bedroht. Die Grundstückseigner werden durch die untere Naturschutzbehörde dadurch in ihren Rechten eingeschränkt. Eine Regulierung des Bestandes mit Augenmaß wäre schon seit einigen Jahren überfällig. Baron von Cramer-Klett merkte an, dass jedes Jahr in Bayern 5000 bis 7000 Biber geschossen werden, im Norden des Rosenheimer Landkreises wurde der Bestand durch gezielte Entnahmen ebenfalls schon dezimiert. Lediglich am Bärnsee in der Gemeinde Aschau sollte so etwas nicht möglich sein? Hier werde von der Behörde offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Sein Vorschlag, im Bereich der Prien ein Biberbiotop zu errichten und dazu auch entsprechendes Gelände zur Verfügung zu stellen, sei von der Naturschutzbehörde sofort so weit ausgeweitet worden, dass er sein Angebot gleich wieder zurückgezogen habe.

Bei den turnusmäßig anstehenden Neuwahlen unter der Leitung der dritten Bürgermeisterin Monika Schmid blieb alles beim Alten. In den kommenden Jahren werden Peter Fischer, Scheich zu Engerndorf und Max Neumüller, Lackner zu Niederaschau die Jagdgenossenschaft Aschau führen. Sie werden unterstützt von Kassier Peter Anner, Michl zu Koy und Schriftführer Heinz Scheck, Kreuzer zu Bucha. Das Gremium wird vervollständigt durch die beiden Beisitzer Lorenz Scheck, Bauer zu Hub und Ludwig Moosmüller, Schaffler zu Göttersberg. Die Kasse prüfen Sepp Thaurer, Kay zu Göttersberg und Peter Reiter, Daurer von Haindorf. Die beiden langjährigen Kassenprüferinnen Hilde Gunkel und Paula Eder gingen in den Ruhestand.

In seiner Rückschau erklärte Jagdvorsteher Fischer, dass die Aschauer Waldbauern auch in diesem Jahr keinen Grund zur Klage wegen übermäßiger Verbissschäden hatten. „Wir bedanken uns bei unseren Jägern für ein respektvolles und unaufgeregtes Miteinander“. Im vergangenen Jahr seien von den Jagdgenossen keine Verbissschäden angezeigt worden; entscheidend sei für die Bauern nicht so sehr die Erfüllung des Abschussplanes auf Punkt und Komma, sondern wie es in den Wäldern tatsächlich aussehe. Die Zahl der Wildunfälle war leicht rückläufig. Er dankte den Aschauer Jägern für die gute Zusammenarbeit und das große Verständnis für die Sorgen der heimischen Waldbauern; das sei beileibe nicht in allen Jagdrevieren der Region selbstverständlich

„Der letzte Winter war sehr streng, rund zwei Drittel aller Rehe sind wegen Hunger und Kälte in den Wäldern eingegangen, alleine 14 Gämsen wurden in den höheren Lagen tot aufgefunden, eine Vielzahl wurde gar nicht gefunden, Jährlinge und Alttiere konnten in diesem Sommer nicht beobachtet werden, sie sind im Winter alle verendet. Trotz dieser horrenden Verluste soll der Abschuss – nach Weisung der Behörden – erhöht werden, um die Verbissschäden zu minimieren. Diese Maßnahme verstehe wer wolle!“. Jagdpächter Rasso Freiherr von Cramer-Klett dankte Jagdvorsteher Peter Fischer und der gesamten Vorstandschaft für das bisherige vertrauensvolle Miteinander. „In den vergangenen Jahren waren wir immer der Musterhegering, was die Verbissschäden anging, voriges Jahr waren wir noch „knapp in Ordnung“ und heuer soll der Verbiss viel zu hoch sein – und das bei stark gesunkenen Wildbeständen? Hier stimmt bei der Begutachtung etwas nicht. Wir leben hier im Priental immer noch auf der Insel der Seligen, was die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Waldbauern betrifft. Zwischen den Waldbauern und den Jägern hat es in den letzten Jahren keine ernsthaften Verstimmungen gegeben; wenn wir – wie bisher – miteinander reden, haben wir auch in den nächsten Jahren ein gutes Auskommen“. Wenn ein Landwirt in seinem Wald intensive Schäden bemerke, dann solle er das sofort an die Jagdpächter weitergeben. Diese würden dann mit geeigneten Maßnahmen gegen den Verbiss einschreiten.

Bericht und Foto: Heinrich Rehberg – So fleißig und trotzdem mag ihn keiner – der Biber vom Bärnsee

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

1 Kommentar

  • Die Zahl der bayernweiten Abschüssen von 5000 – 7000 Bibern pro Jahr ist frei erfunden. Richtig ist, dass 2018 etwa 1900 Biber entnommen wurden, viele davon durch Lebendfang.
    Auf die rücksichtslose Ausrottung des Bibers im 19. Jahrhundert muss wirklich niemand stolz sein. Der letzte bayerische Biber wurde übrigens 1867 im benachbarten Rupertiwinkel erschossen.
    Es gibt sehr viele Menschen in unserer Region, die den Biber lange vermisst haben und sich riesig darüber freuen, wie der Nager die Natur gestaltet und neue Wildnisse schafft. Und Gott sei Dank hat nicht die elitäre Jagdgenossenschaft Aschau über die Wiederansiedlung des Bibers zu bestimmen, sondern die zuständigen Naturschutzbehörden.

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