Kultur

Inseldom-Führungen auf Herrenchiemsee

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nach mehrjähriger Bausanierung öffnet die Bayerische Schlösserverwaltung den Inseldom, die ehemalige Stiftskirche der Augustiner-Chorherren auf der Herreninsel, für Besucherinnen und Besucher. Exklusive Sonderführungen an den kommenden drei Wochenenden informieren über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, das nicht nur eine Kirche, sondern zeitweise auch eine Brauerei beherbergte. Der Weg führt vom Keller bis zum Emporengeschoss.

Mehrere öffentliche Sonderführungen finden am kommenden Wochenende 23./24.10. jeweils um 10, 11, 13, 14, 15 und 16 Uhr statt. An den beiden Wochenenden in den Herbstferien (30./31.10. und 6./7.11.) sowie am Feiertag, 1.11., gibt es jeweils zwei Sonderführungen um 11 und um 14 Uhr.  Maximal zehn Teilnehmer sind erlaubt. Anmeldung bitte unter Telefon 08051 6887-900 oder per E-Mail an info.herrenchiemsee@bsv.bayern.de. Der Treffpunkt ist an der Kasse des Museums im Augustiner-Chorherrenstift. Festes Schuhwerk ist erforderlich. Die Führung kostet 5 Euro (ermäßigt 4 Euro). Es gilt Corona-bedingt die 3G-Regel.

 Der Inseldom auf der Herreninsel – ein Gebäude mit wechselvoller Geschichte

Der Inseldom war ab 1216 zugleich Dom und Sitz des neu gegründeten Bistums Chiemsee. Zwischen 1676 und 1679 wurde die Kirche im Stil des Frühbarocks umgebaut. Es entstand eine Wandpfeilerkirche mit Seitenkapellen und darüber liegenden Emporen. Die künstlerische Ausstattung muss prachtvoll gewesen sein, aber nach der Säkularisation (1803), der Profanierung der Stiftskirche (1807) und dem Erlöschen des Bistums Chiemsee (1808) gelangte die Insel in Privatbesitz. Die Ausstattung der Kirche wurde verkauft. Die neuen Eigentümer ließen den Kirchenchor abreißen und die oberen Teile der Kirchtürme abtragen. Für sie gab es keine Verwendung mehr. Der verbliebene Baukörper wurde in eine Brauerei umgewandelt und erhielt Einbauten für neue Geschosse und Räume.

Als König Ludwig II. 1873 die Herreninsel erwarb, verspürte er wenig Neigung, den Baukörper in einen Kirchenraum zurückführen zu lassen. Im Gegenteil: Trotz seiner Sympathie für die Kunst des Barocks und des Rokokos hielt er an der Umwidmung des vormaligen Kirchenraums fest. Er forcierte sogar die technische Modernisierung des Brauereibetriebs, aber die Anstrengungen reichten nicht aus, um die Brauerei dauerhaft erfolgreich betreiben zu können. Im Oktober 1914 gab die Administration des Vermögens König Ottos die Brauerei aus Rentabilitätsgründen auf. Nach dem Abverkauf von Gerätschaften und Vorprodukten (z. B. Hopfen und Malz) stand das Brauereigebäude weitgehend leer. Gelegentlich drangen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schlosshotels in das verlassene Gebäude ein und schrieben ihre privaten Botschaften an die Wand. Die „Graffiti“ sind immer noch zu sehen und Teil der Führung.

Weitere Informationen zur Schlossanlage Herrenchiemsee finden Sie unter www.herrenchiemsee.de.

Die Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee  –  Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Außenverwaltung auf der Herreninsel kümmern sich mit viel Sorgfalt und Mühe nicht nur um das Neue Schloss mit dem König Ludwig II.-Museum sondern auch um das Augustiner-Chorherrenstift (Altes Schloss) mit seinen Museen. Im Augustiner-Chorherrenstift befinden sich unter anderem das Museum „Der Weg zum Grundgesetz – Verfassungskonvent Herrenchiemsee 1948“, die „Galerie Julius Exter“ im Prälaturstock und die „Galerie Maler am Chiemsee“. 75 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rund 50 Saisonkräfte und Aushilfen arbeiten auf der Herreninsel und sorgen für ein einmaliges Schlosserlebnis sowie einen angenehmen Besuch im Schlosspark. Zu den weiteren Aufgaben gehören das Künstlerhaus Exter in Übersee sowie die Pflege und der Unterhalt von Flächen auf der Fraueninsel.

Die Bayerische Schlösserverwaltung  –  Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich Millionen Besucher aus aller Welt an.

Bericht: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

Foto: Hötzelsperger – Blick in den Inseldom auf Herrenchiemsee

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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