Mit einem vielseitigen Veranstaltungsreigen und einer neuen Festbroschüre feiert die Hochfelln-Seilbahn in den kommenden Wochen bis September ihr 50-jähriges Bestehen. Dank der technischen Aufstiegshilfe mit zwei Stationen auf die „Aussichtsterrasse des Chiemgaus“ lässt sich der Gipfel des 1.674 Meter hohen Hochfellns in rund 15 Minuten erreichen.

Nicht zuletzt die Seilbahn machte den Hochfelln als Hausberg der Chiemgauer zu einem auch überregional gefragten Ausflugsziel und Austragungsort hochkarätiger Sport- und Brauchtumveranstaltungen. Wer heute mühelos schwebend die rund 1.000 Höhenmeter bis zum Gipfel überwindet, der denkt nicht unbedingt an die Schwierigkeiten und technischen Meisterleistungen bis zur offiziellen Eröffnung der Seilbahn am 24. Januar 1971. Mit der Beförderung des Elefanten Radschah vom Zirkus Brumbach als erstem Fahrgast demonstrierten die Seilbahnbetreiber Sicherheit und sorgten zugleich für einen Paukenschlag in Europas Medienwelt.

Zahlreiche prominente Gäste machten seitdem auf den Hochfelln Station. Bis heute wird darüber gerätselt, wie es dem Schweizer „Magier“ Uri Geller gelungen ist, die Seilbahn während der Bergfahrt auf geheimnisvolle Weise anzuhalten.  Für Aufsehen sorgte ebenso eine Hühnerversteigerung mit Schauspielern und dem Ruhpoldinger Starkoch Max Inzinger auf dem Gipfel. Als einer der prominentesten kirchlichen und politischen Würdenträger bestaunte der ehemalige britische Premierminister Sir Edward Heath am 11. August 1999 vom Hochfellnhaus aus die totale Sonnenfinsternis.

In der im Frühherbst erscheinenden neuen Jubiläumsbroschüre erinnert der Hochfelln-Kenner und Journalist Hans Helmberger aus Traunstein im Gespräch mit zahlreichen Zeitzeugen an Anekdoten und Geschichten rund um Bau und Betrieb der Seilbahn. Als echtes „Urgestein“ erzählt der ehemalige Schneepflug- und Pistenraupenfahrer Sepp Steiner von zum Teil lebensgefährlichen Lawinensprengungen und der Pistenpräparierung im Steilgelände. Christian Krammer erinnert sich als Bereitschaftsleiter der Bergwacht, wie der Seilbahnbau das Einsatzgeschehen verändert hat und erzählt auch von der dramatischen Rettung dreier verirrter junger Snowboarder. Nicht zuletzt kommen auch die Bergener Bürgermeister zu Wort, nachdem die Hochfelln-Seilbahn-GmbH und Co. KG 1983 nach Konkurs und Interims-Geschäftsführung wieder in Gemeindebesitz übergegangen ist.

Der Humor kommt im Buch ebenfalls nicht zu kurz: Etwa, wenn Helmberger in seinen Gesprächsnotizen auf die originelle Idee von drei Bergener Skilehrern eingeht, die mit der Bitte um Schneefall auf Langlaufskiern zu einer Wallfahrt nach Altötting aufgebrochen sind – mit zweifelhaftem Erfolg. Oder wenn von US-Soldaten die Rede ist, die sich während des Heimaturlaubs vom Vietnamkrieg auf Skiern mit mörderischem Tempo die Kohlstatt-Abfahrt hinabgestürzt haben.

Dank der Seilbahn war und ist der Hochfelln auch als Naturschneeparadies, Sportarena und Treffpunkt großer Brauchtumsveranstaltungen nach wie vor gefragt: Erinnert sei an die zuschauerträchtigen Trickski-Veranstaltungen der 1980er Jahre, die vor allem bei jungen Leuten gefragten Waterslide-Wettbewerbe mit Verkleidung oder das hochkarätige Starterfeld beim international renommierten Hochfelln-Berglauf, der seit 1974 veranstaltet wird. Auch als Startplatz für Gleitschirmflieger, für Workshops mit „Jodel-Papst“ Josef Ecker oder beim legendären Fellnerfest zum Patrozinium der Taborkapelle am 6. August bietet die Seilbahn komfortable Aufstiegshilfe.

Mehrfache Planungsänderungen in schwierigstem Gelände, Schneechaos, Lieferengpässe bei Stahl und Lawinengutachten sowie die Verdoppelung der geplanten Kosten auf 12,5 Millionen Mark machten die dreijährigen Bauarbeiten für die Seilbahn von 1968 bis 1971 zu einer technischen Pioniertat.  Damals noch ohne Hubschrauber. Nur dank zahlreicher Kleinaktionäre – vor allem aus der Bergener und Chiemgauer Bevölkerung – erhielt das Jahrhundertprojekt anfangs überhaupt den Zuschlag für eine Finanzierung durch die Banken. Die 50-jährige Erfolgsgeschichte der Hochfelln-Seilbahn feiert die Gemeinde Bergen zusammen mit der Bevölkerung ab Sonntag, 20. Juni mit zahlreichen Veranstaltungen bis 19. September.

Kasten / Großes Veranstaltungsprogramm zum 50. Jubiläum

Mit einem großen Veranstaltungsprogramm an der Mittelstation feiert die Gemeinde Bergen das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen der Hochfelln-Seilbahn. Den Auftakt macht am Sonntag, 20. Juni um 20.30 Uhr das Open-Air-Kino „Alpen Film Festival“. In fünf Kurz-Dokus werden Geschichten über Berge und Bergmenschen erzählt. Restkartenkontingente gibt es für drei Konzerte mit der STS Coverband „Auf a Wort“ am 2. Juli um 19.30 Uhr und mit der Guten-A-Band „Big Band“ am 8. und 9. Juli um jeweils 19.30 Uhr. Zünftig wird es am 25. Juli um 12 Uhr beim musikalischen Mittagstisch mit der Blaskapelle Bergen in der Panoramagaststätte. Weiter geht es dort am 1. August um 19.30 Uhr mit der Kapelle „So und So“, die Wiener Klassik mit Blechbläserchanson verschmelzen. Eine kostenlose Fahrt mit der Seilbahn gibt es vom 2. bis 6. August für Schüler mit einem Einser im Zeugnis. Eine fetzige 70er-Jahre-Party mit Modenschau und Musik sowie Freifahrt für Verkleidete sorgt am 21. August um 15 Uhr für gute Laune. Den Schlußhöhepunkt setzt am 19. September um 16 Uhr ein Solo-Konzert mit Werner Schmidbauer und Ausweichmöglichkeit bei Regen im Festsaal in Bergen. Karten gibt es bei www.ticketscharf.de.

Bericht und Bilder: Tourist-Information Bergen

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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