Kultur

Heuer wieder Seeräuberspiel in Unterwössen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Geschichte, Brauchtum und Tradition leben – mit einem Jahr Verspätung – nach sechs Jahren mit dem traditionellen Seeräuberspiel Wössen am Faschingssamstag wieder auf. Unterwössen ist in der Hand von Seeräubern, Chinesen und fahrenden Volk des Historienspiels. 500 Mitwirkende im Triumphzug ziehen Blicke und Begeisterung von mehreren 1000 Zuschauern am Straßenrand auf sich ziehen. Weit zurück reicht die Tradition belegter Seeräuberspiele bis ins Jahr 1849. Hartnäckig hält sich die mündliche Überlieferung, von der uns auch der Ehrenvorstand im Verein „traditionelles Seeräuberspiel Wössen“ Stefan Entfellner erzählt. Als 1783 die Pfarrkirche St. Martin eingeweiht wurde, soll das Spiel ebenfalls aufgeführt worden sein. Der Marquartstein der Lehrer Ludwig Wagner wusste, dass damals ein fürstlich verbrieftes Recht bestand alle zehn Jahre den Aufzug zu veranstalten. Warum?

Ab 899 fielen die Ungarn in die bayerischen Ostmarken ein. 907 unternahm das bayerische Heer unter Markgraf Luitpold einen Gegenstoß, wurde aber bei Pressburg vernichtend geschlagen. Die bayerische Heimat war darauf wehrlos. Die ungarischen Reiterhorden verwüsteten in jährlichen Raubzügen ganz Süddeutschland. Es ist bewiesen, dass 907 die Chiemseeklöster zerstört wurden. In jenen wehrhaften Zeiten entstand im Achental ab 920 mehrere Burgen, Hohenstein, Velse, Streichen und die Rettenburg. Erst 955 wurden die Ungarn durch Otto den Großen auf dem lechfeld vernichtend geschlagen und vertrieben. Die Überlieferung erzählt, dass die Menschen im Achental um 907 durch Brandröten und Feuersäulen vom Unheil vor den Toren des Achental erfuhren. Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder, kamen das Achental hinauf. Darauf bewaffneten sich die Achentaler und verteidigten ihre Heimat erfolgreich. Die Legende hält sich, dass die Wössner mit einem erbeuteten Schiff die Ache heraufkamen und viele Gefangene mitbrachten. Das Recht, mit ihrem Aufzug alle zehn Jahre an das Fest zu erinnern, soll ein fürstliches Dankeschön für diesen Sieg sein.

Seit 2001 wird das Seeräuber Spiel wieder regelmäßig aufgeführt. Weil im letzten Jahr der Veranstaltungssaal fehlte findet es nun an diesem Samstag, 22. Februar, wieder statt. Am Samstag, 14.14 Uhr läuten die Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Martin. Kurz darauf schnalzen beim Aperschnalzen an der Hauptstraße die Passen ihre Goaßln. Dann setzt sich der Triumphzug, der oberhalb des alten Bades auf der Hauptstraße zusammengestellt ist in Bewegung. Er besteht aus zwei Zügen. Der Erste ist der Triumphzug, der den Sieg über die Ungarn feiert. Den Fahnen, dem Festkomitee und den ehrengästen folgt der Chiegau Graf die Ritter mit den Fahnenschwingern und Gefolge. Hauptattraktion ist das Seeräuberschiff, dem Reifenschwinger, Chinesen, landsknechte und Rettenburger Ritter folgen.

Im zweiten zug zeigt mit der mittelalterliches Volk und steht auch für die Winteraustreibung. Dem Impresarion Hans Michael heser  folgen Marekdenderinnen. Die Wössner Bauern führen den wilden Mann. Perchten, Zigeuner, Waldgeister und Theaterspieler sind darunter. Von den Musikkapellen Wössen und Schleching begleitet führt der Zug über die Hauptstraße bis zur Pfarrkirche biegt dort in die Alte Dorfstraße ein und führt über den Postweg die Hauptstraße hinauf bis in den Kurpark am Alten Bad. Wie zuletzt 2014 wird er dicht von Tausenden von Zuschauern umlagert.

Bereits ab 13 Uhr gibt es entlang der Zugstrecke kulinarische Köstlichkeiten und Getränke an vielen Ständen der Hauptstraße und rund um das Alte Bad. Dort im Kurpark werden nach dem Triumphzug die traditionellen Tänze, der Bogentanz der Seeräuber, der Chinesen und der Zigeuner Tanz gezeigt. Es unterhalten Feuerspeier, Gaukler und Reifenschwinger. Höhepunkt wird der Schwerter Tanz in Begleitung der Reifenschwinger sein. So nähert sich die Stimmung dem Höhepunkt des Festabends im Zigeunerlager des Alten Bades und der Achentalhalle. Von 16.30 bis 18.30 Uhr spielt dort die Musikkapelle Wössen, von 18.45 bis 20.45 Uhr die Musikkapelle Schleching. Ab 21.00 Uhr sorgt die Formation „Zündup“ für beste Stimmung bis in die Nacht.

Die schmucken Festzeichen kosten 3,50 Euro. Sie ermäßigen auch den Eintrittspreis für das Zigeunerlager auf 5 Euro, ansonsten kostet der Eintritt an der Abendkasse 7 Euro.

Bericht und Foto: Ludwig Flug

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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