Ukraine-Hilfe

Ukrainer Priester berichten in Prien aus erster Hand

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Wie stark die Solidarität zwischen dem Chiemgau und der Ukraine einerseits und der Hilfswille des Chiemgauer Helferkreises für die Erzdiözese Ternopil im Westen der Ukraine andererseits ist, zeigte sich bei einem Informationsabend im Chiemseesaal in Prien gleich an mehreren Beispielen. Einmal dadurch, dass die Priester Volodymyr Firman und Roman Dutschak eigens für einen Vortrag aus erster Hand kamen und dann auch an ein paar praktischen Beobachtungen. So bekam die Vereinsvorsitzende Katharina Schmid aus Höhenmoos kurz vor Vortragsbeginn einen Anruf, dass für die nächste Lieferung unbedingt Bügeleisen benötigt werden. Sogleich fragte Schmid beim Priener Geschäft Langl telefonisch an und zehn Minuten später kam sie wieder in den Chiemseesaal zurück – mit einem Freudenstrahlen und mit einer großen Schachtel voller sofort gelieferter Bügeleisen.

Die Stadt Ternopil hat 130.000, die Region etwa 250.000 Einwohner. Vier Wochen nach Kriegsbeginn werden dort rund 250.000 Flüchtlinge, vorwiegend Kinder, Frauen und ältere Leute versorgt. Sie entkamen den Schrecken des Krieges, die den Besuchern mittels von Filmen und Fotos vor Augen geführt wurden. Ehe Priester Firman seine Heimat und derzeitige Not vorstellte, hießen Priens Bürgermeister Andreas Friedrich und Rohrdorfs Alt-Bürgermeister Fritz Tischner (als Zweiter Vorsitzender des Helferkreises für die Diözese Ternopil-Ukraine e.V) die Zuhörer willkommen. „Wenn man selbst – wie ich im Jahr 2016 – einmal vor Ort war, dann weiß man um die Herzlichkeit der Bevölkerung von Ternopil. Und wenn man dann die Namen von bombadierten Orten und Städten hört, die man auf seiner Reise selbst kennengelernt hat, dann bekommt der Krieg ein Gesicht und berührt uns auf zusätzliche Weise“, so der Priener Bürgermeister, der als Helferkreis-Mitglied die bisher acht durchgeführten Hilfslieferungen ab dem Priener Feuerwehrhaus aktiv unterstützt. Für Fritz Tischner, der bereits sechsmal die Region Ternopil mit dem Priesterseminar besucht hat, erinnerte daran, dass es bereits seit 25 Jahren eine Freundschaftsverbindung zwischen dem Chiemgau und der West-Ukraine gibt. Erfreut zeigte er sich, dass an diesem Priener Informationsabend mit Pfarrer Augustin Atamanyuk vom Pfarrverband St. Jakob in Dachau, mit Pfarrer Robert Baumgartner aus Rohrdorf, mit dem Evangelischem Geistlichen Harald Höschler aus Bruckmühl und mit dem derzeitigem Münchner Priesterstudenten Ivan Vynnyk weitere Seelsorger zugegen waren.

Pfarrer Firman seit 1996 mehrmals im Jahr im Chiemgau zu Besuch

Pfarrer Firman, der den Chiemgau seit 1996 kennt, würdigte in seinem Vortrag das schnelle und umfangreiche Engagement des Helferkreises, dazu sagte er: „Bereits am ersten Tag als Russland die Ukraine überfiel, da rief Kathi Schmid an und sagte ihre Unterstützung zu. Heute können wir mitteilen, dass wir in Ternopil vier Verteilerzentren, unter anderem in der Kathedrale und im Priesterseminar eingerichtet haben. Dazu gibt es zweimal in der Woche einen Basar, so dass wir gewährleisten können, dass die gespendeten Lebensmittel und Waren an die richtigen Leute kommen. Viele Waren werden bei uns vorsortiert und dann in das Kriegsgebiet gebracht“. Zum Krieg selbst erklärte der Priester: „Mehrmals am Tag gibt es Bombenalarm, nachts erhellt der Himmel, die Kinder bekommen Schlafstörungen und die Ängste wachsen von Tag zu Tag. Wenn ein Luftangriff angekündigt wird, müssen die Leute Gas und Strom abschalten und sich mit dem Notwendigsten in Sicherheit bringen“. Zum Abschluss sagt Priester Firman: „Die Realität ist eine schwere Prüfung für unser Volk, Viele haben kein Zuhause mehr und wollen in die West-Ukraine kommen, wir versuchen, ihnen Unterkunft, Kleidung, Medikamente und Nahrung zu geben und wir sind uns sicher, dass der Herr durch jene wirkt, die Hungrigen zu essen geben“. Als nächste Aufgaben bezeichnete er das Säen für Sonnenblumen und Raps sowie durch Stroh-Pellets Unabhängigkeit von russischem Gas zu erlangen. Der Film über die Erntearbeiten auf den 1.200 Hektar fruchtbarem Getreideboden der Region Ternopil endete mit dem Schriftzug „Gott mit uns – Ukraine siegt!“.

Weitere Unterstützungen erforderlich

Beim Ukraine-Vortrag war auch die 87-jährige Martha Schmid aus Riedering, sie war als Helferkreis-Mitglied bereits 9 mal in der Ukraine, einmal sogar ganz alleine. Seit vielen Jahren hat sie eine Patenschaft mit dem ehemaligen Studenten und nunmehrigen Priester Zeno. Die Bilder des Krieges und des unermesslichen Leides sind für sie schwer zu verstehen, zumal die Grausamkeiten lauter Unschuldige trifft. Weitere und aktuelle Informationen zum Helferkreis für die Diözese Ternopil-Ukraine e.V. mit Sitz auf Frauenchiemsee gibt es im Internet unter www.helferkreis-ternopil.de. Das Spendenkonto lautet: Sparkasse Rosenheim, IBAN: DE44 7115 0000 0000 0535 38, SWIFT-BIC: BYLADM1ROS. Wie Kathi Schmid informierte, werden weitere Hilfstransporte zusammengestellt, die Sammlung der Waren erfolgt beim Priener Feuerwehrhaus. Vorrangig aber – so die Vorsitzende – benötigen wir Geldspenden, weil dann gezielt eingekauft und geholfen werden kann.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke  vom Ukraine-Informationsabend in Prien

  1. Von links: Priester Augustin Atamanyuk (Dachau, vormaliger Priesterstudent in Ternopil), Priester Volodymyr Firman, Pater Roman Dutchak, Priens Gemeinderat und Partnerschaftsreferent Johannes Dreikorn, Bürgermeister Andreas Friedrich.
  2. Nach dem Vortrag von links: Priester Roman Dutchak, Marianne Lüddeckens von BR-Sternstunden, Fritz Tischner, Kathi Schmid, Bürgermeister Andreas Friedrich, Priester Volodymyr Firman und Priester Augustin Atamanyuk.
  3. Vortrag Priester Firman

Weitere Informationen: www.helferkreis-ternopil.de

 

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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