Brauchtum

Trachtler-Trauer-Meldung: Adi Köberle

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein Trachtler durch und durch, der in vielfältiger Weise sowohl im Gauverband I als auch im Chiemgau-Alpenverband daheim und bekannt war, war Adolf Köberle aus Fridolfing. Er verstarb im Alter von 82 Jahren nur wenige Jahre nach seiner Frau Antonie. Adolf Köberle wuchs bei seinem Erziehungsvater in Rottau-Adersberg auf, kam 1964 mit seiner aus Übersee stammenden Frau nach Fridolfing-Götzing und erfreute sich über fünf Buben, die alle das trachtlerische Familienglück vervollständigten.

Von Anfang an und mit seiner ganzen Familie widmete der Adi sein Leben der Trachtensache. Bis zu 18 Buam waren zeitweise bei ihm zu Hause zu Plattlerproben. Das Platteln erlernte er selbst im Chiemgau beim Trachtenverein „D´Gederer“ Rottau. Aktiv war er dort von 1954 bis 1964, unter anderem war er ein paar Jahre in Rottau auch Vorplattler und Fahnenbegleiter. Weggefährten vom Gauverband I erinnern sich noch daran, dass die Familie Köberle auf einer eigenen Bühne vor ihrem Haus mit der „Götzinger Plattlergruppe“ private Heimatabende in den 60er Jahren zur Förderung des Fremdenverkehrs anboten. Zu dieser Zeit ruhte das Vereinsleben beim Trachtenverein „D´Salzachtaler“ Fridolfing. Anfang der 70er Jahre kam es dann durch Ersten Vorstand Christian Grösch und die Familie Köberle zur Wiedergründung. Adi Köberle war dann von 1973 bis 1988 abwechselnd Zweiter Vorstand, Vorplattler und Jugendleiter, 1993 wurde er zum Ehrenmitglied und fünf Jahre später zum Ehrenvorstand ernannt. Der Gauverband I ehrte ihn 2004 mit dem Goldenen Gauehrenzeichen.

Adi Köberle, Trachtlervorbild in Rottau, Fridlofing und in Traunstein

Mit dieser Auszeichnung wurde der weit über den Ortsverein hinaus aktive Einsatz für die Trachtensache von Adi Köberle gewürdigt. Adi war nämlich nicht nur wie schon erwähnt in Rottau im Chiemgau fleißiger Trachtenträger mit Chiemgauer Auszeichnungen (Gaunadel 1995 und Ehrenmitglied in Rottau 2004), er war auch seit 1985 Mitglied beim Trachtenverein „Trauntaler“ Traunstein, auch dort war er bei vielen Veranstaltungen zugegen und er erhielt die Silberne Treue-Nadel. Darüber hinaus war er einige Jahrzehnte bei Vereinen und Gebieten als sachkundiger Preisrichter tätig, in Fridolfing organisierte er zur Förderung des Volksmusik-Nachwuchses insgesamt 25 Sänger- und Musikanten-Hoagascht und auf ungezählten Trachtenmärkten und Gaufesten war der gelernte Säger und Holzknecht mit seiner Edelweiß-Schnitz-Kunst vertreten. Mit dieser schaffte er es sogar bis zur Internationalen Grünen Woche nach Berlin. Für Max Bertl, Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes, hat die bayerische Trachtenbewegung mit dem Tod von Adi Köberle ein stilles Vorbild verloren. „Trotz seiner vielen Aktivitäten in den Vereinen und als Oberhaupt einer großen Familie fand er noch Zeit, sich mit seinen später erlernten Fähigkeiten als Sticker für das von ihm stets geförderte Trachtenkulturzentrum Holzhausen einzubringen. So stammten von ihm Vorhänge, Kissen und Tischdecken und auch bei den ersten Adventsmärkten war Adi Köberle mit seiner Frau Antonie mit einem Stand präsent“ – so Max Bertl in seinem Nachruf.

Coronabedingt mussten die Familie und die Trachtenvereine im engsten Kreise Abschied von einem lieben Kameraden nehmen. Lediglich Martin Stief durfte ihm auf seiner Ziach ein Abschiedsstück widmen, vier Fridolfinger Vereinskameraden trugen ihn zum Grab und die Vereinsfahnen der Trachtenvereine von Fridolfing, Rottau und Traunstein waren in der Kirche zugegen.

Fotos: Hötzelsperger – 1. Adi Köberle in seiner Tracht bei Trachtenmärkten mit seinen Edelweiß-Schnitzereien – 2. Sterbefoto: Adi Köberle

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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