Sport

Sporttalent Antonia Niedermaier aus Bad Aibling

Wo sie ist, da ist vorne: Antonia Niedermaier zählt mit ihren 18 Jahren zu den größten Sport-Talenten der Region und das gleich in doppelter Hinsicht. Im Winter läuft sie der Konkurrenz im Ski-Vertical davon und im Sommer gibt es nur wenige in ihrer Altersklasse, die sich auf dem Rad mit ihr messen können. Die Ergebnisse sprechen dabei für sich: In der vergangenen Wintersaison konnte sie den U-20-Weltcup im Ski-Bergsteigen gewinnen, und auch mit dem Rennrad sammelte sie in diesem Jahr Titel um Titel. Sie wurde deutsche Juniorenmeisterin, erreichte bei den Europameisterschaften in Trient den zweiten Platz im Zeitfahren, bei der Weltmeisterschaft in Flandern wurde sie dann Dritte in der selben Disziplin.

Dass die junge Sportlerin, die in Bruckmühl wohnt und in Bad Aibling aufs Gymnasium geht, überhaupt diese Sportarten betreibt, hat sie einer Knie-OP zu „verdanken“. Sie erzählt: „Eigentlich komme ich ja vom Berglaufen. Damit habe ich als 15-Jährige angefangen. Mit 16 Jahren wurde ich beim sehr gut besetzten Hochfelln-Berglauf dann Fünfte.“ Der Startschuss für eine große Karriere als Bergläuferin? Nein. Denn im Herbst des Jahres 2019 musste sie sich einer Operation am Knie unterziehen. Die Patellasehne war betroffen und sie hatte einen Knorpelschaden.

Das wusste Thomas Bösl, Bundestrainer der DAV-Nationalmannschaft im Ski-Bergsteigen, nicht. Er war nur auf Antonias Talent im Berglaufen aufmerksam geworden, rief sie an und fragte, ob sie nicht bei der Junioren-WM mitmachen wollte. Obwohl sie zu dieser Zeit noch nicht ganz einsatzfähig war, sagte sie zu. Denn mit den Skiern die Berge hinauf gehen, das konnte sie. Schließlich begleitete sie ihren Vater schon viele Jahre auf Skitouren. Antonia Niedermaier trainierte nach ihrer Operation hart auf die kommenden Aufgaben. „Laufen ging gar nicht und eigentlich hätte ich drei Wochen Pause machen sollen. Doch nach fünf Tagen saß ich wieder auf dem Rad, mit einer speziellen Kurbel von meiner Oma“, sagt sie.

Vor der WM bestritt sie im Martelltal ihr erstes Proberennen und wurde dabei gleich Zweite. Bei der anschließenden WM in der Schweiz erreichte sie auf Anhieb Platz drei. Für Antonia Niedermaier war klar: Das ist ihr Sport. Im Ski-Bergsteigen gibt es drei Disziplinen. Vertical – das ist das klassische Rennen mit Start im Tal und Zielankunft auf dem Berg. Individual – hier zählt der Mix aus mehreren Anstiegen und Abfahrten, jeweils viermal. Und der Sprint bezieht seinen Reiz aus kurzen Anstiegen und Abfahrten mit 90 Höhenmetern, bei denen die Sieger in mehreren Ausscheidungsrennen ermittelt werden. Antonia startet wegen ihres Knies nur im Vertical. „Hochgehen ist für mich in Ordnung, doch die Belastung bei den Abfahrten sind für mich dann zu groß.“ Deshalb hat sie auch das Berglaufen aufgegeben.

Bei ihrem Pensum könnte sie das ohnehin nicht mehr unterbringen. Das Training auf ihre Radrennen und den Weltcup im Skibergsteigen erfordert volle Konzentration. Dabei befolgt sie akribisch den genau auf sie zugeschnittenen Trainingsplan ihres Coaches Dan Lorang vom BORA-Radsportteam. „Ich trainiere jeden Tag in der Woche“, sagt sie. „Bis auf Montag, das ist mein Ruhetag, da mache ich nur eine Stunde Krafttraining für meinen Rumpf. Und ich gehe mit meiner besten Freundin zum Reiten nach Willing.“ In einer normalen Woche bringt sie es auf 15 bis 20 Trainingsstunden. Dazu kommt noch die Schule – im kommenden Mai schreibt Antonia Niedermaier ihr Abi. Trotzdem nimmt sie all das gerne auf sich, denn sie hat noch große Ziele. Da steht erst einmal die kommende Weltcup-Saison im Skibergsteigen an, wo sie ihren Titel im Vertical verteidigen will. Danach startet die nächste Radsaison, wo sie als Fahrerin des RSV Götting/Bruckmühl auch wieder so weit nach oben wie möglich kommen will.

Das alles wird allerdings überstrahlt von ihrem ganz großen Ziel: Die Teilnahme an der Winterolympiade 2026 in Italien. „Da wird Ski-Bergsteigen erstmals olympisch“, berichtet sie. Dass sie daran teilnehmen wird, scheint bei ihrem Ehrgeiz schon beschlossene Sache. Und wer weiß: Vielleicht bringt sie dann ja schon Olympia-Erfahrung mit. Als Teilnehmerin der Radwettbewerbe bei den Sommerspielen 2024 in Paris …

Text: af – Fotos: Maurizio Torri

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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