Die Hauptlast der häuslichen Pflege liegt auf den Schultern der pflegenden Angehörigen. Laut AOK-Pflege-Report 2020 kümmern sich pflegende Angehörige im Durchschnitt 43 Stunden pro Woche um ihre Angehörigen. Dabei sind sie oft mit einer Situation konfrontiert, die für sie neu ist, sie überfordert und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Mehr Unterstützung und Entlastung seien notwendig, um den größten Pflegedienst Deutschlands auch weiterhin am Laufen zu halten. Da waren sich Barbara Stamm, Landtagspräsidentin a. D. und Vorsitzende des Landesverbandes Bayern der Lebenshilfe, Kornelia Schmid, Vorsitzende des Vereins Pflegende Angehörige, Lisbeth Haas, pflegende Angehörige und Thomas Oeben, Vorsitzender deinNachbar e. V. bei der Pressekonferenz im PresseClub München einig.

Sich frühzeitig Hilfe suchen, damit Vertrauen zwischen Helfer und Hilfebedürftigen aufgebaut werden kann sei wichtig, so Lisbeth Haas, die seit 5 Jahren ihren an Demenz erkrankten Mann zu Hause pflegt. Nur dann könne man auch im Notfall darauf zurückgreifen und sich selbst auch einmal eine kleine Auszeit gönnen. Kornelia Schmid, die sich seit Jahren mit ihrem Verein Pflegende Angehörige, für die pflegenden Angehörigen einsetzt, kann dem nur zustimmen. „Nur wenn es den Pflegenden gut geht, geht es auch den Pflegebedürftigen gut!“ Wie wichtig das ist, zeigen die Zahlen der aktuellen Pflegesituation, die Thomas Oeben zu Beginn des Pressegesprächs vorstellte. „Wenn ein pflegender Angehöriger sich im Durchschnitt 43 Stunden um seine Angehörigen kümmert und dabei noch im Arbeitsleben ist, so verrichtet er die Arbeit von mindestens zwei Vollzeitstellen!“ Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, sei offensichtlich, so Oeben. Viele pflegende Angehörige seien bereits so am Ende ihrer Kräfte, dass sie die Tätigkeit am liebsten hinschmeißen möchten, was eine Katastrophe für die Pflege bedeute, die massiv unter dem Fachkräftemangel zu leiden habe.

Auch Barbara Stamm, die sich seit fast 20 Jahren als Vorsitzende des Lebenshilfe-Landesverbandes Bayern für die Anliegen und Interessen von Menschen mit Behinderungen und deren Familien ein- setzt, fordert mehr Unterstützung für die pflegenden Angehörigen. „Wir müssen Menschen, die andere pflegen und versorgen, fördern, betreuen und dauerhaft unterstützen.” Das gelte auch für die pflegenden Angehörigen.  Um die bestehende Versorgungslücke zu schließen, setzt Thomas Oeben auf eine stringente Arbeitsteilung. „Pflegefachkräfte sollen sich nur auf die Leistungen fokussieren, die Fachkräften vorbehalten sind. Alle anderen Leistungen können durchaus von Laienhelfern erbracht werden.“ Ein Schritt in diese Richtung ist vor 5 Jahre getan worden. deinNachbar e. V. entlastet mit seinen geschulten ehrenamtlichen Alltagsbegleitern pflegende Angehörige und berät und begleitet sie während der gesamten Pflegesituation mit darauf spezialisierten, angestellten Pflegefachkräften. Auch Lisbeth Haas, nimmt diese Unterstützung in Anspruch, ohne die sie die Pflege ihres Mannes nicht durchhalten würde, sagt sie.

Damit die benötigte Hilfe durch geeignete Ehrenamtliche schnell verfügbar ist, hat der Verein die aufwändige Helfersuche und die Koordination digitalisiert. Wenn Sie Menschen durch Fachkräfte aus dem Pflegebereich auf Ihre Aufgaben vorbereiten und betreuen und sie nur für die Tätigkeiten, die sie gerne ausüben, zu den Zeiten, in denen Sie auch verfügbar sind und nur für Einsätze, die in Ihrem Wunschgebiet liegen ansprechen, so sind sehr viele bereit sich für hilfebedürftige Menschen zu engagieren und pflegende Angehörige zu entlasten.

Über deinNachbar e. V.

deinNachbar e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der als soziales Unterstützungsnetzwerk hilfebedürftige Senior*innen und mit geschulten ehrenamtlichen Helfern im Alltag unterstützt, um ihnen so einen Verbleib im eigenen häuslichen Umfeld zu ermöglichen. Pflegende Angehörige werden entlastet und bekommen den notwendigen Freiraum für die eigene Regeneration. Professionelle Mitarbeiter aus dem Pflegebereich beraten pflegende Angehörige, schulen die ehrenamtlichen Helfer*innen und koordinieren die Aktivitäten des Vereins. Durch die Kombination von modernem Ehrenamt und digitalisiertem Management, stellt deinNachbar e. V. schnell und unbürokratisch die Versorgung vieler Hilfebedürftiger sicher. Als soziale Begegnungsstätte für Helfer*innen, Hilfebedürftige und pflegende Angehörige organisiert der Verein regelmäßig Fortbildungen, Vorträge und Veranstaltungen. Weitere Informationen und das aktuelle Veranstaltungsprogramm unter www.deinnachbar.de.

Text: deinNachbar e. V.

Fotos: Egon Lippert (www.lippert-egon.de)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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