Leitartikel

Maria Lichtmeß – mit Wetterregeln

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Lichtmess – Mariä Reinigung – Darstellung des Herrn – Bis ins Jahr 1912 war dieses Fest ein offizieller (staatlicher) Festtag (Feiertag) im Königreich Bayern – Das Marienfest war früher unter dem Namen „Mariä Reinigung“ (lat. „Purificatio Mariae“) bekannt. Die ka­tholische Kirche beging seit dem Mittelalter diesen Tag als Gedächtnistag der Reinigung Marias und der „Dar­stellung Jesu im Tempel“ nach biblischem Zeitmaß am 40. Tag nach der Geburt, wie es der Evangelist Lukas erzählt: „Und als die Zeit der Reinigung nach dem Gesetz Mose um war, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen“. Damit erfüllte man die Vorschrift, nach der erstgeborene Bu­ben am 40. Tag ihres Lebens Gott anvertraut werden sollten. Eine Frau galt zu der Zeit 40 Tage nach der Entbindung von einem Sohn als unrein (bei einem Mädchen wären es 80 Tage gewesen). Der Erstgeborene galt in dieser Zeit als Eigentum Gottes. Nach den 40 Tagen musste eine Mutter ihr Kind in den Tempel bringen, „darstellen“, und durch ein Opfer auslösen.

Auch hierzulande musste eine Frau bis ins 19. Jahrhundert hinein nach der Entbindung zur „Reinigung“ vor der Kirche erscheinen. Vorher durfte sie das Haus nicht verlassen, ihr erster Gang sollte der zur Kirche sein.  Dabei durfte sie zuerst nur die Vorhalle des Gotteshauses betreten, bis sie vom Pfarrer gesegnet und damit quasi von der ärgsten Unreinheit befreit war. Erst dann betrat sie die Kirche, spendete Wachs oder Geld und war dann als gereinigt wieder zum Gottesdienst zugelassen. Erst seit der Liturgiereform im Jahre 1969 nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird der Tag wieder als „Herrenfest“, also mit Bezug auf Jesus, gefeiert. Somit lautet jetzt der offizielle Name „Darstellung des Herrn“ (lat. „Praesentatio Jesu in Templo“). Schon im 7. Jahrhundert hielt man an diesem Tag Lichterprozessionen ab. Die Kerzen, mit denen die Gläubigen das Kommen Jesus in die Welt nun symbolisch begleiteten, wurden eigens zu diesem Fest geweiht. Der Brauch der Kerzensegnung führte im Westen dazu, dass das Fest als „Maria Lichtmess“ bekannt wurde. Bis heute ist die Lichtsymbolik in dem Fest enthalten und in den Gottesdiensten werden alle Kerzen, die in der Kirche für das Jahr benötigt werden, gesegnet. Mancherorts bringen auch Gläubige ihre eigenen Kerzen mit und lassen sie segnen. Die Art der Kerzen war vielfältig: Es gab weiße Kerzen für den Taufgang, die Erstkommunion oder die Letzte Ölung, dazu Aufsteckkerzen, Opferkerzen, schwarze Kerzen (die man bei uns „Wedakerzn“ nannte), weiße (oder auch bunt geschmückte) Wachsstöcke für Engelämter und den Frauendreißiger, die aber auch von jungen Burschen der „Angebeteten“ als Geschenk überreicht wurden. Früher endete mit diesem Tag der weihnachtliche Festkreis, heute wird er bereits mit dem Fest der „Heiligen drei Könige“ (6. Januar) beendet.

Zum Lichtmesstag gehört eigentlich auch der sich am folgenden Tag anschließende Gedenktag des hl. Blasius, an dessen Festtag (heute manchmal bereits schon am Lichtmesstag) in der römisch-ka­tholischen Kirche der Blasiussegen gespendet wird, der eng mit dem Lichterbrauch zusammenhängt, denn der Geistliche spricht diesen Segen über zwei ge­kreuzt gehaltenen, brennenden Kerzen. Auch in der Wirtschaft hatte „Lichtmess“ seine Bedeutung: Die Stallarbeit konnte bereits ohne zusätzliches Licht erledigt werden und auch den   Handwerkern genügte das Tageslicht. Zur Feier des Tages gaben viele   Meister ihren Gesellen und Lehrlingen den Nachmittag frei. Das Wirtschaftsjahr in der Landwirtschaft endete an diesem Tag, was den Mägden und Knechten (Dienstboten) ihren Jahreslohn in Geld und Naturalien sowie einige freie Tage brachte und den Wechsel des Arbeitgebers und der Arbeitsstelle ermöglichte. Die Zeit bis Agatha (5. Februar) war eine Art von vertraglich gesichertem Nichtstun, das man die „Schlenklweil“ (Schlenkltage) nannte. Um Lichtmess begannen auch die Vorbereitungen der bäuerlichen Bevölkerung auf die im Frühjahr anstehende Feldarbeit. Hoffnung auf den Frühling macht auch, dass die Tage nun deutlich länger hell bleiben.

Eine anschauliche Regel beschreibt, wie die Tage nach der Wintersonnwende am 22. Dezember länger werden:

„Weihnachten um an Mückenschritt,

Silvester um an Hahnentritt,

Dreikönig um an Hirschensprung,

Lichtmess um ein’ ganze Stund.“

Die zahlreichen Wetterregeln, die zum Fest Mariä Lichtmess bekannt sind, handeln auch von der Vorfreude auf das Frühjahr:

An Lichtmess fängt der Bauersmann

neu mit des Jahres Arbeit an.

 Lichtmess trüb,

ist dem Bauern lieb.

Lichtmess im Klee –

Ostern im Schnee.

Scheint am Lichtmesstag die Sonne klar,

gibt’s Spätfrost, aber ein fruchtbares Jahr.

 Wenn‘s an Lichtmess stürmt und schneit,

ist der Frühling nicht mehr weit;

ist es aber klar und hell,

kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

 

Ist‘s an Lichtmess hell und rein,

wird ein langer Winter sein;

wenn es aber stürmt und schneit,

ist der Frühling nicht mehr weit.

 

Ist‘s an Lichtmess licht,

geht der Winter nicht.

 

Gibt‘s an Lichtmess Sonnenschein,

wird‘s ein spätes Frühjahr sein.

 

Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß,

gibt‘s noch sehr viel Schnee und Eis.

 

Lichtmess hell,

gerbt dem Bauern das Fell.

 

Lichtmess Sonnenschein

bringt viel Schnee herein.

 

Scheint die Sonne zu Lichtmess heiß,

kommt noch recht viel Schnee und Eis.

 

Schnee an Lichtmess,

Regen im Frühjahr.

 

Weiße Lichtmess –

grüne Ostern.

 

Lichtmess hell und klar,

später Frühling, aber ein gutes Jahr.

 

Wenn der Nebel zu Lichtmess fallt,

wird‘s gewöhnlich sehr lange kalt.

 

Um Lichtmess Lerchengesang

macht um den Lenz nicht bang.

 

Geht Maria Lichtmess im Schnee,

tragt der Herrgott sein Kreuz übern Klee;

frier‘n aber unterm Kreuz die Frau’n,

trocknet‘s zu Lichtmess die Windeln am Zaun.

 

Scheint an Lichtmess die Sonne klar,

gibt‘s Spätfrost und wenig Wild dieses Jahr.

 

Um Lichtmess sieht der Bauer

lieber den Wolf im Schafstall als die Sonne.

 

So lange die Lerche vor Lichtmess singt,

so lange sie nachher weder singt noch schwingt.

 

 Sieht der Dachs seinen Schatten in der Licht­messwoch‘,

geht er noch einmal ins Loch.

 

Gibt‘s an Lichtmess Sonnenschein,

dauert der Winter bis in den Mai hinein.

 

Lichtmess Sonnenschein –

dann wird’s noch sechs Wochen Winter sein.

 

Segnet man die Kerzen im Schnee,

weiht man die Palmen im Klee.

 

Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoch‘,

bleibt er noch gut vier Wochen im Loch.

 

Wenn‘s zu Lichtmess stürmt und tobt,

der Bauer sich das Wetter lobt.

 

Maria Lichtmess Sonnenschein,

geht der Fuchs wieder in die Höhle hinein.

 

Ist‘s an Lichtmess kalt,

kommt der Frühling bald.

 

Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche,

geht er auf vier Wochen wieder zu Loche.

 

Ab Lichtmess kannst du das Spinnen vergessen

und bei Tage zu Nacht schon essen.

 

Das Brauchtum, das sich zu diesem Tag entwickelt hatte, ist in der heutigen schnelllebigen Zeit völlig untergegangen, denn die Dienstboten sind verschwunden und durch Maschinen ersetzt.

 

Text und Bilder: Sepp Roßmeisl  (eingesandt von Regina Pfeffer, Bayerischer Waldgau)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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