Tourismus

Erinnerung: Eröffnung 1914 der Bahnlinie Rosenheim-Frasdorf

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Nach zwei Dezennien (=Jahrzehnten) langer Bemühungen und einer mehrjährigen Bauperiode ist die Bahn Rosenheim-Frasdorf , die das Gebiet des Samerberges, der Hochriß und der Aschauer Gegend dem Verkehr näher bringt, vollendet, so dass der Betrieb heute Samstag eröffnet werden konnte. Die Probefahrt der Bahnbehörden hat am Dienstag dieser Woche stattgefunden, am Mittwoch schloss sich die offizielle Festfahrt für die Behörden der Stadt und des Bezirks Rosenheim, für die Gemeindevertretungen, für die gewerblichen Korparationen, für das Eisenbahnkomité u.f.w. an.“ – so beginnt ein Artikel der Chiemau-Zeitung und der Geschichtsschreiberei des Königlichen Amtsgerichts Prien am 8. Mai 1914 zur Eröffnung der Bahnlinie Rosenheim-Frasdorf. Vor 50 Jahren wurde diese Verkehrs-Angebot wieder aus dem Verkehr genommen: ein Rückblick.

Wie im Bericht der Chiemgau-Zeitung weiter zu lesen ist, wohnten rund 300 geladene Gäste der Premierenfahrt bei, mit viel Blumenschmuck und mit der Stadtkapelle Rosenheim als Begleitung. Nach viel Jubel bei der Abfahrt um halb Zehn Uhr ging es bei leichtem Regen über die Haltestationen Landl, Rohrdorf und Achenmühle nach Frasdorf, dazu schreibt der Chronist: „Ganz Frasdorf war auf den Beinen, das ganze Dorf prangte im Festesschmuck. Gegen 11 Uhr lief der Zug ein, Bürgermeister Mayr, der gesamte Gemeindeausschuss, die Geistlichkeit, der Krieger- und Veteranenverein, der Kranken-Unterstützungs-Verein, die Feuerwehr, die Schuljugend und die Frasdorfer Musikapelle hießen den Zug willkommen. Vor dem Bahnhofsgebäude harrten fünf Ehrenjungfrauen der Gäste. Frl. Maria Angerer von Frasdorf, eine Tochter des Hauptlehrers Angerer, der sich um das ganze Arrangement der Festfeier in Frasdorf besonders verdient machte, sprach einen schwungvollen Willkommensgruß und dann setzte sich der schier endlose Zug unter den Klängen der Rosenheimer Stadtkapelle und der Frasdorfer Kapelle zum Gasthause Debarde (heute: Gasthof „Hochries“) allwo die eigentliche Feier sich abwickelte“.  Wie es weiter heißt, waren etwa 230 Teilnehmer bei der Feier im Saal, der mit Tannengrün reichlich geziert war und das Mahl war mit zahlreichen Reden und heiteren Trinksprüchen gewürzt. Zu den Ehrengästen gehörten unter anderem die Direktionsräte Lauböck und Reiß als Vertreter der Bahnverwaltung, Oberinspektor Fahrenholz, Assessor Berg, Verwalter Enklin, Regierungsrat Bezirksamtmann Baur, kgl. Hofrat Bürgermeister Wüst und Rechtsrat Kützinger, Gemeindebevollmächtigter-Vorstand Finsterwalder, Baron von Crailsheim von Amerang sowie Forstrat Jäger als Vertreter des Freiherrn von Cramer-Klett. Zu den vielen Reden heißt es weiter: „Die erste Rede schloss mit einem begeistert angenommenen Königshoch. Bürgermeister Mayr gab in einer späteren Rede noch bekannt, dass der Gemeindeausschuss und die Gemeindeversammlung den einstimmigen Beschluss gefasst haben, Herrn Bezirksamtmann Baur (entspricht heute dem Landrat) für seine vielen Verdienste zum Ehrenbürger der Gemeinde Frasdorf zu ernennen. Zum Festmahl spielten die Frasdorfer Musikanten und es sang die Liedertafel Frasdorf. Nach der vorzüglichen Bewirtung ging es mit den Vereinen, ihren Fahnen und Musik wieder zurück zum Bahnhof, mit Tücherschwenken und krachenden Böllern wurde der Zug in Frasdorf verabschiedet, dazu ist festgehalten: „Die gleichen Vorgänge wiederholten sich auf allen Zwischenstationen, auf denen sich große Menschenmengen eingefunden hatten. Die Rückfahrt war herrlich, da die Sonne ihr Gold über Thäler und Höhen ergoß. Der Tag der Eröffnung der Bahn Rosenheim-Frasdorf mit seiner harmonischen Feier wird Allen unvergeßlich bleiben“.

Auch die Schulkinder aller an der Bahn gelegenen Orte hatten einen Festtag, für sie wurde ein Sonderzug freigestellt. 330 Schulkinder wurden in Rosenheim auf Kosten der Stadt in der Bahnhofs-Restauration bewirtet. Abschließend des Berichtes in der Chiemgau-Zeitung heißt es: „Ob wir Priener Nutzen oder Schaden von der Bahn haben, überlassen wir der Zukunft“  –  das ist ein Hinweis darauf, dass die Gemeinde Prien im Bau der Bahn nach Frasdorf eine Konkurrenz zur Strecke Prien – Aschau sah (nachdem Theodor von Cramer-Klett   im Jahr 1875 Schloss Hohenaschau und die zugehörigen Ländereien des Prientales gekauft hatte, finanzierte er den Bau einer Vizinalbahn nach Aschau vor. Die Eröffnung erfolgte am 18. August 1878). Heute sind diese Sorgen längst verflogen, die Bahnlinie von Rosenheim nach Frasdorf wurde vor 50 Jahren eingestellt, der Bahnhof Frasdorf aufgelöst (hierüber berichten wir noch gesondert).

Bericht/Repro/s: Hötzelsperger – Eindrücke von der Einweihung des Bahnhofs Frasdorf im Jahr 1914 – Aufgelöst wurde er vor 50 Jahren. Foto hö:  Bürgermeister Daniel Mair (li.) und Rupert Wörndl im Archiv der Gemeinde, dort gibt es auch einen Bausatz zum ehemaligen Frasdorfer Bahnhof.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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