Tourismus

Erinnerung 1898: Eröffnung der Bahnstrecke Dorfen – Velden an der Vils

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Weihnachten 1898 – Eröffnung der Bahnstrecke Dorfen-Velden am 24.12.1898, also zu Heiligabend vor 122 Jahren  -Die Taufkirchener Eisenbahn- und Modellbaufreunde baut den historischen Strecke möglichst vorbildgerecht nach – ein Beitrag von Hans Kronseder

Es war der 24. Dezember 1898 als der offizielle Betrieb der Lokalbahn Dorfen – Velden von der der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn in Kenntnis von Seiner Königlichen Hoheit den Prinz-Regenten eröffnet wurde. Zwei Tage vorher waren schon Sonderfahrten mit Eröffnungsfeierlichkeiten in den Orten längs der Lokalbahnlinie durchgeführt worden. Das Ganze begann aber schon viele Jahre früher, 1865 hätte der Markt  Velden einen Bahnhof an der geplanten Eisenbahnlinie München – Passau über das Vils und Rottal gehabt. Die zu nahe parallele Führung an die schon 1871 eröffnete Strecke München – Simbach und die Abneigung der niederbayrischen Abgeordneten brachte das Projekt zum Scheitern. Der Markt Velden bemerkte schnell, dass ohne einen Bahnanschluß eine Existenzfrage bestand. Im Juni 1891 stellte sie deshalb den Antrag auf eine Eisenbahnlinie von Erding über Taufkirchen, Velden nach Vilsbiburg. Heutige B388. Dieses wurde aber aufgrund der gleichen Gründe wie 1865 abgelehnt.

Die Bürger von Velden ließen aber nicht locker und reichten im gleichen Jahr einen Antrag auf eine Lokalbahnlinie von Velden über Grüntegernbach nach Dorfen ein. Dies gefiel natürlich dem Hofmarkt Taufkirchen nicht besonders. Deshalb wurden zwei Linienführungen projektiert, die 12,3km lange Strecke über Grüntegernbach, Wasentegernbach und die 20 km lange über Taufkirchen. Dann hielt auch noch das kgl. Bezirksamt Erding eine Strecke nur von Dorfen bis Taufkirchen für ausreichend  und hatte Bedenken, dass eine Weiterführung sich wirtschaftlich nicht lohnen würde. Diese Streitereien gingen bis zum Herbst 1892 über mehrere Interessensvertreter und kgl. Kammern. Mittlerweile hatte auch der Markt Dorfen Bedenken, dass mit einem Bahnhof in Grüntegernbach eine Konkurrenz für Dorfen entsteht, auch Algasing wollte jetzt einen Bahnhof und somit wären verwirrende Linien entstanden. Die Festlegung der Linienführung, Genehmigungen, Trassenplanung und Zahlungsfestlegung dauerten bis 1897. Nun konnte endlich der Bau beginnen, mit den Bahnhöfen und Haltepunkten: Dorfen Markt, Algasing, Babing (Drf), Taufkirchen, Ratzing, Moosen, Babing (Vils), Velden. Bis  Sommer 1968 wurde dann ein Lokalbahnbetrieb, zunächst mit kleinen Dampfzügen und ab 1953 mit motorisierten Schienenbussen, durchgeführt. Ein wesentlicher Bestandteil des Betriebes war die Abfuhr von Gütern aus der Holz- und Landwirtschaft. Zuerst mit an die Personenzüge angehängte Güterwagen, später dann mit kleinen Güterzügen. Nach Erdölfunden im Vilstal in den siebziger Jahren konnte sich der Güterverkehr bis 1993 retten. Der Personenverkehr wurde schon am 26. Mai 1968 eingestellt. Die Strecke wurde im Sommer 1995 dann abgebaut. Was ist von der Lokalbahn geblieben? Die Trasse wurde zum beliebten Radelweg,  Denkmäler vom Historischen Verein Dorfen und die Bahnanlage in Velden, deren Gebäude noch weitgehend intakt sind. Um die wunderbare landschaftliche Lokalbahn in Erinnerung zu behalten hat sich der Eisenbahn und Modellbahnverein Taufkirchen eV entschlossen, nun in seiner letztes Jahr aufwendig renovierten Vereinsunterkunft einen kleinen Ausschnitt der Lokalbahn Dorfen – Velden in Maßstab 1 zu 87 wieder auferstehen zu lassen. Bahnhof Velden und Taufkirchen werden, soweit es möglich ist, wieder in Miniatur entstehen. Mit modernster Technik, 3 D Drucker, Lasercutter  und Drehbank werden und wurden markante Details hergestellt. Der Lokalbahnbahn-Abschnitt ist ein Teil der großen Modellbahnanlage. Auf dem Abschnitt können die kleinen Lokalbahnzüge per Hand von den Vereinsmitgliedern oder per Computertechnik gesteuert werden. Die mit dem marktüblichen 2 und 3 Leiter System ausgerüstete Vereinsanlage wurde nach zweijähriger Planungsphase rasch nach Ausbau der Räumlichkeit begonnen. Somit konnte Anfang 2020 ein erster Tag der offenen Tür stattfinden. Leider hat auch uns Corona erwischt und einen Weiterbau weitgehendst lahmgelegt. Nur kleinere Arbeiten konnten im Homeoffice und in den Pausen durchgeführt werden. Auch finanziell durch den Ausfall von Veranstaltungen haben die Modellbaufreunde daran zu knabbern. Wer selber eine Modellbahn hat,  kennt die Kosten dafür.  “Wir sind aber voller Hoffnung, dass es bald wieder weitergeht und wir unser Projekt weiterführen und ausstellen können. Sehr würden wir uns über finanzielle Unterstützung oder noch mehr über weitere Interessierte Mitglieder freuen. Unsere ca. 1500 Bücher umfassende Bibliothek zum Thema Eisenbahn und Technik ist vielleicht für den einen oder anderen interessant. Oder es hat jemand sein Kinderhobby wiederentdeckt und möchte bei uns mitmachen und weitere Erfahrungen machen” – so die Eisenbahnfreunde von Taufkirchen.

Bildtexte: -Auf der Bahnlinie Dorfen-Velden  Foto: H. Zugschwert“

-Zu den Ausstellungen der Taufkirchener Eisenbahn- und Modellbahn-Freunde kommen immer viele Interessierte

-Für die jeweiligen Zugmodelle gibt es reale Vorbilder

-Nicht nur für die Buben sondern vor allem für die Männer war die zweitägige Modellbahnschau im Taufkirchener Bürgersaal hoch interessant

-Zudem gab es neben den Lokomotiven, eine Reihe interessanter Züge, Waggons und Gleislandschaften anzuschauen

Bericht und  Fotos: Hans Kronseder

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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