Brauchtum

Das Theater mit dem Theater in Grainbach auf dem Samerberg

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit gut 110 Jahren gibt es auf dem Samerberg Theateraufführungen, besonders viel Theaterblut in ihren Adern haben die Mitglieder der Theatergruppe vom Grainbacher Trachtenverein Hochries-Samerberg.  Doch seit einem guten Jahr ist es aus mit der Theaterspielerei, Corona hat die Vorhänge und Saal-Eingangstüren vom Gasthof Maurer geschlossen. Was bleibt sind Erinnerungen und die Hoffnung, dass sich schon bald wieder Aufführungen vorbereiten lassen.

Anfangs, um die vorletzte Jahrhundertwende, wurden in Grainbach vor allem Einakter zur Weihnachtszeit oder bei Christbaumversteigerungen gespielt. Später kamen dann Dreiakter dazu. Einen regen Aufschwung nahm das Theaterspiel nach dem Zweiten Weltkrieg. So lässt sich in der Chronik des Vereins (120 Jahre von 1896 bis 2016 – erhältlich bei der Vorstandschaft) ein Eintrag finden, demzufolge im Jahr 1948 beim Stück „Der Gankerl von Berchtesgaden“ rund 500 Besucher gezählt werden konnten. Dieser Erfolg beflügelte und es folgte im darauffolgenden Jahr das Stück „Jennerweins Ende“ mit Zusatzaufführungen sogar in Frasdorf, Aschau und München. In den fünfziger Jahren wurde es wieder etwas stiller um das Theater. Dieser Zeit schlossen sich wieder wackere Auftritte, aber auch Schicksalsschläge an. Der Neubau der Bühne im Jahr 1986 sorgte erneut für einen Aufschwung und noch mehr florierte der Zuspruch ab 1992 als Peter Wiesholzer („Käser-Peter“) die Theaterleitung für dann 25 Jahre übernahm. Fünf Stücke (u.a. „Der Aufschwung“, die „Meereskrise“ oder „Die Energieblende“) schrieb Wiesholzer als Regisseur und Hauptdarsteller selbst. Ihm folgte für zwei Jahre Georg Brandmaier als Theaterleiter, zuletzt war Robert Dörper um eine Stückauswahl bemüht –wegen Corona jedoch bislang vergeblich. Trachtenvorstand Peter Sattlberger hofft natürlich, dass sich der Theatervorhang bald wieder öffnet, wenn er sagt: „Bei Standard-Stückl sind rund 20 Leute vor, auf und hinter der Bühne ehrenamtlich tätig, bei größeren Stücken sind es bis zu 40 Frauen und Männer – ihnen und uns wünschen wir, dass die Theaterfreude über die theaterfreien Zeiten hinaus anhält“.

Ein Theater ist es auch mit der Sprach-Verhunzung

Ein Fiasko ist es seit dem Ausbruch vom Corona-Virus mit der bairischen Sprache, weltweit beherrschen Begriffe in Zusammenhang mit dieser Pandemie die Medien, Nachrichten und Schlagzeilen: Hotspots überall, Homeoffice, Homeschooling, Homeworking, Lock- und Shutdown, „to go“, „drive in“, Superspreader oder online-meeting – das ist nur eine kleine Auswahl von Wörtern, die  intensiv auf dem Samerberg zum Nachdenken angeregt haben. „Ein Theater ist es, dass wir fast nur noch englische Begriffe hören, so als ab man bei uns dafür keine deutsche oder bairische Bezeichnung mehr finden könnte“ – so Landwirt Konrad Estermann, der als langjähriger Theaterspieler beim Trachtenverein Hochries-Samerberg in Grainbach wegen Corona auf Theaterstück-Studien und gar Auftritte verzichten muss.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von den Theateraufführungen beim Trachtenverein Hochries-Samerbert, u.a. Peter Wiesholzer, der 40 Jahre mitspielte und 25 Jahre Theaterleiter war.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

1 Kommentar

  • Lieber Herr Hötzelsperger,

    ich muß Ihnen voll beipflichten, dass die unsägliche Corona-Pandemie einen Rattenschwanz an Sprachverhunzungen nach sich zieht. Natürlich müssen es unbedingt Anglizismen sein , für die es problemlos auch deutsche oder bairische Ausdrücke gäbe. Wer ist dafür verantwortlich ?
    Ich verorte die Urheber in den öffentlich – rechtlichen Medien, die ja für die Meinungsbildung der meisten Bundesbürger zuständig ist. Kaum ein Versuch diese fragwürdige Tendenz an den Pranger zu stellen (außer G. Grünwald, Nuhr usw.) Alles wird akzeptiert und nachgeplappert.
    Aber auch deutsche Begriffe werden derzeit inflationär zur Schau getragen und sollen den intellektuellen Status des Sprechers dokumentieren : ” Nachhaltigkeit” und “zeitnah” ! Alles Begriffe, die man vor wenigen Jahren fast gar nicht kannte und die man ebenso mit gleichwertigen Begriffen wie “umweltfreundlich” oder “bald” ersetzen könnte .
    Man muß meines Erachtens viel mehr Druck auf diese Sprachverhunzer aufbauen und ihnen vor Augen führen wohin diese Enwicklung letzten Endes führen wird.

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