Brauchtum

Bernauer Maibaum wird in Rottau bewacht

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bekommt die Gemeinde Bernau wieder einen neuen Maibaum? Noch steht der zuletzt 2019 von Trachtenvorstand Franz Praßberger gestiftete Maibaum noch. Doch der Nachfolgebaum ist bereits gefällt – und schon „gestohlen“. Wie es in Bayern landläufig der gute Brauch ist, sind Burschen aus der Nachbarschaft auf der Hut, wenn bekannt wird, dass ein Maibaum-Aufstellen ansteht. Diesmal waren Rottauer die Aufmerksamsten und Schnellstens und so ist der neue Bernauer Maibaum derzeit im Blumendorf Rottau in besten und voraussichtlich sicheren Händen. Ganz sicher ist das allerdings nicht, denn es kam schon oft vor, dass ein Maibaum-Diebesgut ein weiteres mal „gestohlen“ bzw. „entführt“ wurde.

In Bernau geht man derzeit von zwei Dingen aus: einmal, dass die jungen Männer aus Rottau unter der Leitung der Katholischen Landjugend den Baum gut über die Zeit bringen und zum Zweiten, dass es am Sonntag, 1. Mai wieder möglich sein wird, den Maibaum in Gemeinschaft und mit reiner Musikkraft in der Bernauer Dorfmitte aufzustellen. An diesem Platz bildet der Maibaum in Bernau seit 1949 ein imposantes Bild zusammen mit der Pfarrkirche „St. Laurentius“ und mit dem Traditions-Gasthof „Alter Wirt“. Wie der langjährige Schriftführer des Trachtenvereins „D´Staffestoana“ Bernau Hans Rummelsberger sich erinnert, war vorher der Maibaum beim Gasthaus „Kampenwand“ platziert. Bis in die 70er Jahre wurde der Maibaum traditionell von der Barons-Familie von Cramer-Klett aus den nahen Chiemgauer Bergen gestiftet, alsdann boten sich private Spender an. Der heurige Baum-Spender will noch bis zum Aufstellen ungenannt bleiben.

Ein Dutzend Männer und drei Bulldog holten den Maibaum nach Rottau

Gearbeitet wurde der Maibaum 2022 am Silvestertag 2021 zusammen mit dem Forstbetrieb Osterhammer und unter der Regie von Bernaus Zweiten Trachtenvorstand Andreas Winkler. Nur kurze Zeit nachdem der Baum gearbeitet und geschepst war, machten sich zwölf Rottauer Männer mit drei Traktoren auf den Weg, um den 28 Meter langen Baum in Gewahrsam zu nehmen. Richard Henken, Vorsitzender der Katholischen Landjugend Rottau und sein Vereinskamerad Stefan Sichler gaben dann ein erstes „Lebenszeichen“ in Richtung Bernau. Nachdem es bereits das dritte mal in der Bernauer Maibaum-Geschichte war und ist, dass die „Diebe“ aus Rottau kamen, war man sich schnell über das Weitere einig. Und so trafen sich je zwei Vertreter aus Rottau und vom Bernauer Trachtenverein zuerst beim Maibaum-Platz und dann beim „Alten Wirt“. Einige war sich das Quartett, dass die Rottauer gut auf den Baum aufpassen, dass der Bernauer Bauhof zum Herrichten des Baumes in das bislang unbekannte Versteck zugelassen wird und dass das Aufstellen am 1. Mai gemeinsam erfolgen soll. Für die Katholische Landjugend Rottau ist es übrigens das vierte Maibaum-Erlebnis, bislang waren sie einmal mit dem Bernauer Maibaum und zweimal mit dem Oberwössener Maibaum zu Werke.

Bürgermeisterin: „Maibaum ist Lichtblick auf dem Weg aus der Pandemie“

Für die Bernauer Trachtenvereinsvertreter Vorstand Franz Praßberger und Vorplattler Franzi Weingartner ist es eine Erleichterung, den Baum in guter Betreuung zu wissen. Franz Praßberger, der auch als Dritter Bürgermeister großen Wert auf eine gescheite Maibaum-Aktion legt, hofft auf ein schönes Fest am 1. Mai für den ganzen Verein sowie für die gesamte Gemeinde und ihre Gäste. Auch Erste Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber ist voller Hoffnung und Vorfreude wenn sie sagt: „Wir haben lange überlegt und beraten, ob wir einen Maibaum schlagen oder nicht. Aber wir haben die Hoffnung, dass wir im Mai wieder normalere Verhältnisse haben und den Baum dann auch traditionell aufstellen können. Der Maibaum ist also auch ein kleiner Lichtblick auf dem Weg aus der Pandemie.  Dass ihn die Rottauer stehlen, hatte ich fast vermutet, er lag ja praktisch für sie auf dem Präsentierteller. Aber natürlich freue ich mich aufs gemeinsame Aufstellen mit den Bernauer Trachtlern, den Rottauern und mit unserer Bernauer Musi“.

Schwierige Planungen in Bernau ohne „Kampenwand-Saal“

Der bisherige Maibaum hat spätestens bis zum 1. Mai seine Schuldigkeit getan. Wie es in Bernau üblich ist, wird er umgelegt und in Ein-Meter-Teile zerlegt und dem Grundstücksbesitzer zur Verfügung gestellt. Diese Aktion findet eher im Kleinen und ohne Musik statt. Die weiteren Vorhaben und Veranstaltungen beim Bernauer Trachtenverein für dieses Jahr sind noch nicht klar, einmal wegen Corona, aber auch, weil es derzeit keinen Saal im Gasthaus Kampenwand gibt. Geplant ist derzeit der Jahrtag am Ostermontag mit Gottesdienst und eventuell anschließender Versammlung. Ein Dorffest ist dann für das zweite Wochenende im August vorgesehen. Doch vorab konzentrieren sich die Trachtler auf den 1. Mai und hoffen, dass die Rottauer bis dahin gut auf den Baum aufpassen.

Foto: Hötzelsperger – Bei Schneegestöber am Bernauer Maibaumplatz in der Dorfmitte trafen sich von Rottauer Landjugend-Seite von links Stefan Sichler und  Richard Henken   sowie als Vertreter des GTEV Bernau  Vorplattler Franz Weingartner und Vorstand Franz Praßberger junior.

Weitere Informationen: www.bernau-am-chiemsee.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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