Kirche

Am Grab von Roland Dörre – von der Vertreibung bis zum Gemeindedienst

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Nur wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag verstarb nach schwerer Krankheit Roland Dörre aus Prien-Gaishacken. Bei der Trauerfeier in der Pfarrkirche „Christkönig“ und auf dem Wildenwarter Friedhof bei musikalischer Gestaltung durch den  Wildenwarter Kirchenchor und durch Wildenwarter Bläser erinnerte Kaplan Stefan Leitenbacher an das lange Leben und gute Wirken des Verstorbenen für seine Familie sowie für die Allgemeinheit und für die Ortsvereine.

 Roland Dörre konnte   in Annaberg im Sudetenland eine unbeschwerte Kindheit verbringen und dort die Volks-, Real- und Landwirtschaftsschule besuchen. Sein Interesse galt schon früh der Natur, dem Gartenbau und der Landwirtschaft. Der Zweite Weltkrieg durchkreuzte jedoch seine Pläne, er wurde mit seinen Eltern  und   mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Horst nach Mainz vertrieben. Auf diesem Weg und auf einer riskanten Rückkehr in seine Heimat zu den dort noch verbliebenen Großeltern erlebte er schreckliche Dinge und entkam einige Male nur knapp dem Tod. Als sein Cousin Heinz beim Bein-Bauern in Prien-Arbing Knecht war, aber wegen einer gefundenen Lehrstelle diese Aufgabe beendete, da bat dieser Roland Dörre, seinen Dienst zu übernehmen. In Arbing wurde er sehr gut aufgenommen, es bildeten sich rasch Freundschaften mit gleichaltrigen Nachbarsburschen und mit Freude war er aktiver Plattler beim Atzinger Trachtenverein. Als ihm von seiner Familie in Mainz ein Lehrplatz als Maurer angeboten wurde, schlug er dies aus, weil er die Bein-Familie und den Kameraden-Kreis nicht verlassen wollte. Alsdann lernte er seine spätere Frau Burgl auf der Schreckalm am Geigelstein kennen, 1955 war dann Hochzeit.  Zwei Töchter und vier Enkelkinder, die freundliche Aufnahme in Gaishacken mit Bau eines eigenen Hauses, ein vorübergehender Arbeitsplatz bei der Firma Rinser in Kaltenbach und dann eine Anstellung als Arbeiter beim gemeindlichen Bauhof von Prien vollendeten das Lebensglück von Roland Dörre. Priens Dritter Bürgermeister Alfred Schelhas erinnerte in seinem Nachruf am offenen Grab an 22 Jahre in Priener Gemeindediensten. „Roland Dörre, der einige Jahre auch Mitglied des Personalrates war, war ob seines Fleißes und seiner Gewissenhaftigkeit bei Vorgesetzten und Kollegen gleichermaßen geschätzt. Besonders setzte er sich für die Langlaufloipe im Atzinger Bereich ein, er tat dies sogar in seiner Freizeit noch unentgeltlich“ – so Bürgermeister Schelhas. Ganze 70 Jahre gehörte Roland Dörre dem Trachtenverein „Daxenwinkler“ an. Dessen Vorstand Michael Schlosser erinnerte daran, dass Dörre sieben Jahre aktiver Plattler und fünf Jahre zweiter bzw. erster Vorplattler war. „Bei den Trachtenfesten 1963, 1967, 1972 und 1987 war er Mitglied des Festausschusses und vor zwei Jahren durfte er als Ehrenmitglied auf dem Festwagen noch dabei sein“, sagte Michael Schlosser. Wie stellvertretender Vorstand Christian Stoib vom Trachtenverein „Die lustigen Wildenwarter“ in seinem Nachruf erläutere, war Roland Dörre seit 1964 auch in Wildenwart Mitglied und auch dort half er mit, wenn es etwas zu arbeiten oder zu feiern galt. Beide Vorstände legten einen Kranz nieder, als Zeichen der Ehrerbietung senkten sich die Fahnen der beiden Trachtenvereine und der Freiwilligen Feuerwehr von Atzing.

Sterbefoto: Roland Dörre

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

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Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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