Brauchtum Leitartikel

Trachtler-Persönlichkeit Otto Dufter zu Grabe getragen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Otto Dufter, Du warst ein Echter! Du warst ein Mann mit Grundsätzen und von diesen waren die Liebe zur Familie, zur Tracht und zur Heimat die größten“ – mit diesen Worten würdigte Pfarrer Martin Strasser vom Pfarrverband Oberes Achental in der mit weit über 800 Personen gefüllten Pfarrkirche St. Martin von Unterwössen das erfüllte Leben von Otto Dufter senior, das nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren zu Ende ging. Mit dem Tod von Otto Dufter verliert Bayern eine hoch angesehene Trachtler-Persönlichkeit, was auch die Trauerkränze von  Herzog Franz in Bayern aus dem Haus Wittelsbach, von Ministerpräsident Dr. Markus Söder und vom Gauverband der Trachtler in Nordamerika bezeugten.

Über 50 Fahnenabordnungen und Standarten aus den Reihen der Gauverbände und Bezirke in Bayern, von allen 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes und von den Unterwössener Ortsvereinen füllten die Kirche in außergewöhnlicher Weise als zu Musik und Gesang von Musikkapelle und Kirchenchor unter der Leitung von Wolfgang Kurfer angesichts des Sarges im Altarraum mit dem festlichen Trauergottesdienst begonnen wurde. Pfarrer Strasser, der das Requiem zusammen mit Kaplan Adrian Zessin hielt, erinnerte in seinem Nachruf daran, dass Otto Dufter in Oberwössen zur Welt kam, mit zwei Jahren mit seiner Familie nach Unterwössen zog,  mit zehn Jahren seinen Vater im Krieg verlor, so dass er schon ganz früh in seiner Familie Verantwortung übernehmen musste und dass er mit 14 Jahren eine Zimmererlehre bei der Firma Gasteiger in Unterwössen begann. Im Oktober 1964 heiratete Otto Dufter seine Frau Hilde, ein schwerer Schicksalschlag war für sie einen Tag nach der Geburt der Tod von Sohn Ferdinand. In guter Erinnerung –so der Pfarrer- sei noch die festliche Goldene Hochzeit von Otto und Hilde Dufter vor fünf Jahren. Ein besonderer Dank des Geistlichen galt dem Verstorbenen, weil dieser zusammen mit dem damaligen Orts- und Volksmusikpfarrer Franz Niegel die Liturgie der Fußwaschung am Gründonnerstag einführte und bei dieser 50 Jahre lang selbst dabei war, erst heuer musste er aus gesundheitlichen Gründen diesen Ehrenauftrag in den Reihen der 12 Apostel an seinen Sohn Otto weitergeben. Der Gottesdienst mit Blasmusik, Chorgesang und Weisen des Chiemseewinkl-Dreigesangs endete mit zwei Strophen der Bayernhymne, dessen Text auf Wunsch von Otto Dufter senior in der Urfassung gesungen wurde („Heimaterde Vaterland“ anstatt „Deutsche Erde Vaterland“).

Nachrufe von Gemeinde, Tachtlern und Familie

In der Kirche erinnerten in ihren Nachrufen Weggefährten von Otto Dufter an dessen reiches Lebenswerk. Für die Gemeinde Unterwössen dankte Erster Bürgermeister Ludwig Entfellner, selbst einige Jahre Nachfolger von Otto Dufter als Unterwössener und Chiemgauer Trachtenvorstand, an einen Mitarbeiter, der von 1973 bis 1999 stets kollegialer, fleißiger und absolut zuverlässiger Mitarbeiter im gemeindlichen Bauhof war und der seinen Heimatort immer mit offenen Augen betrachtete und auch noch nach seiner Pensionierung mitgestaltete. „Otto Dufter war aber mehr als ein Mitarbeiter, er war aktiver Fußballer, er war begeisterter Skifahrer, er war Gründungsmitglied vom Sportverein, er war im Pfarrgemeinderat aktiv, er war beim Krieger- und Soldatenverein, er war Gründungs- und Fördermitglied bei den Gebirgsschützen und er war ein ganz besonderer Anhänger unserer Blasmusik. Letztlich war er ein stolzer Wössner!“, so der Bürgermeister, der noch daran erinnerte, dass mit Dufters Mithilfe und zum Teil unter seiner Federführung 1972 der erste Maibaum aufgestellt wurde, dass 1976 das erste gemeinsame Dorffest gefeiert wurde, dass er nach der Wiedergründung der Theatergruppe gleich Hauptrollen übernahm, dass er mit seiner Frau Hilde als Tänzer bei der Neugründung der Historischen Gruppe mitmachte und dass er 1991 wegweisend über die Gemeindegrenzen hinweg im Festzelt einen Volksmusikabend organisierte.

Gauvorstand Miche Huber vom Chiemgau-Alpenverband hielt in seinem Nachruf fest, dass Otto Dufter wie kein Zweiter sich um die Trachtensache verdient gemacht hat, 31 Jahre seines Wirkens haben den Gauverband nachhaltig geprägt. Otto Dufter war sechs Jahre Beisitzer, zwei Jahre zweiter Kassier, drei Jahre zweiter Gauvorplattler und 20 Jahre Erster Gauvorstand. 1998 wurde er in Frasdorf zum Ehrenvorsitzenden ernannt, was die allerhöchste Auszeichnung im Chiemgauer Trachtenverbund ist, des weiteren erhielt er 1984 das neu geschaffene Gauverdienstzeichen in Gold. „Im gleichen Jahr wurde beim Gaufest in Bernau, dem heurigen Ort des Gaufestes, die Gaustandarte geweiht, für die sich Otto Dufter als Gauvorstand eingesetzt hatte“, so Miche Huber, der Otto Dufter als Lenker mit der eigenen Hand am Ruder und als Vordenker bezeichnete. „Otto war mit seiner Frau Hilde Trachtler 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und das im ganzen Jahr“ – mit diesen Worten begann Landesvorsitzender Max Bertl den trachtlerischen Lebensweg von Otto Dufter zu beschreiben. Nachdem dieser mit zehn Jahren das Schuplattleln erlernte und dieses auch bei Auslandsaufenthalten in Paris und Amerika der weiten Welt zeigte übernahm er in seiner Heimatgemeinde und in seinem Chiemgau führende Verantwortung und schon bald wurde man bayernweit auf seine Fähigkeiten und Bereitschaften aufmerksam. 17 Jahre war Otto Dufter Vorsitzender bei den Vereinigten Bayerischen Trachtenverbänden und beim Bayerischen Trachtenverband, der mit seiner Entschluss- und Tatkraft im Jahr 2002 durch den Zusammenschluss mit dem Landesverband bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine entstand. Zwei Jahre später machte sich Otto Dufter daran, für den Bayerischen Trachtenverband eine Heimstätte zu schaffen. Mit viel Aufwand und Fingerspitzengefühlt – so Max Bertl – ist es ihm und seiner Frau gelungen, Unterstützer, Helfer und großzügige Spender zu finden und er sagte weiter: „Ottos Selbstbewußtsein, seine Offenheit und sein starker Wille öffneten ihm die Türen zu den Ministerien, in die Staatskanzlei, bei der Diözese und zu den Bezirken, das dabei genossene große Ansehen übertrug sich auch auf den Trachtenverband“. Die hohe Wertschätzung von Otto Dufter zeigte sich auch in vielen Auszeichnungen, unter anderem erhielt er: 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2003 den Bayerischen Verdienstorden, 2003 die Goldene Medaille des Bundes der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände, 2005 die Bezirksmedaille in Gold vom Bezirk Oberbayern, 2008 die Medaille Pro Meritis Scientiae Litterarum vom Bayerischen Kultusministerium, 2011 die Lehrer-Vogl-Medaille in Gold vom Bayerischen Trachtenverband, 2011 die Ehrenmitgliedschaft beim Deutschen Trachtenverband, 2012 die Ehrenmitgliedschaft beim Landesverband Schleswig-Holstein, 2014 den Konstitutionstaler von der Bayerischen Einigung und 2014 die Karl-Grübel-Medaille in Silber vom Deutschen Trachtenverband. „Ein persönlicher Höhepunkt für den tiefgläubigen Otto Dufter war 2008 die Trachtler-Stern-Wallfahrt nach Altötting  125 Jahre nach der Gründung des ersten bayerischen Trachtenvereins“ – ergänzte Max Bertl.

„Eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist, hinterlässt Otto Dufter in unserem Trachtenverein D´Achentaler Unterwössen“ – mit diesen Worten begann Reinhard Kurz-Hörterer die Reihe der Verdienste von Otto Dufter senior, dessen Sohn Otto derzeit Erster Vorstand ist. In den 30 Jahren, in denen Otto Dufter senior Erster Vorstand war fielen unter anderem das 75jährige und 85jährige Gründungsfest (mit Fahnenweihe), das 3. Treffen der Historischen Trachten von Oberbayern in Unterwössen, das 100jährige Gründungsfest sowie freundschaftliche Verbindungen zu Trachtenvereinen in Geisenhausen, Fischen im Allgäu und Kröv an der Mosel. Ebenso wie beim Bayerischen und Chiemgauer Trachtenverband wurde Otto Dufter auch in Unterwössen Ehrenvorsitzender, insgesamt 59 Jahre war er ständiges Mitglied im Vereinsausschuss. Seit 1986 und damit seit der Gründung war Otto Dufter Mitglied beim örtlichen Gartenbauverein. Dessen Erster Vorsitzender Hermann Minisini dankte dafür mit herzlichen Worten. Dass Otto Dufter nicht nur für seine Frau Hilde und seine drei Kinder Otto, Annette und Christa ein starkes Oberhaupt für die Familie war, sondern auch für seine Enkelkinder Sophie, Moritz, Amelie, Theresa und Anna, das sagte Enkelin Theresa mit einem liebevollen Beitrag: „Unser Opa war nicht nur ein Ober-Trachtler im grünen Trachtengewand, er hat uns Vieles für das Leben gelernt, er hat uns getratzt und gemocht, er war der allerbeste Opa und ein wunderbares Vorbild“.

Der Aussegnung in der Kirche folgte ein schier endloser Kirchenzug aus dem Friedhof und wieder in diesen zurück, Bläser- und Alphornweisen erklangen, die Fahnen und Standarten senkten sich gemeinschaftlich zur Ehre des Verstorbenen und die vielen Trauernden verabschiedeten sich mit vielen Gedanken und Erinnerungen von einer bayernweiten Persönlichkeit. Rund 400 Gäste kamen abschließend zum Trauer-Mahl in den von der Gemeinde Unterwössen noch kurzfristig hergerichteten Bürgerhaus im ehemaligen Hallenbad zusammen.

Ehren-Trauergäste  anl. Beerdigung von Otto Dufter in Unterwössen

Fahnenabordnungen und Vertreter aus allen 22 Trachtenverbänden und zusätzlich auch Fahnenabordnungen der Oberländer Trachtenvereinigung und des Gauverbandes Mittelfranken.

  • Florian Besold von der Bayerischen Einigung und  Bayerischen Volksstiftung
  • Ehrenpräsident Herbert   Ullmann, Fritz   Hagendorf  und Vizepräsident  Günter Lippitz vom Bund der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände
  • Vizepräsident Herbert Kolb vom Tiroler Landestrachtenverband mit Landesfahne und Abordnung
  • Karl-Heinz Knoll und Hartmut Tanski vom Festring München
  • Udo Rieger,  Architekt vom Trachtenkulturzentrum Holzhausen
  • Martin Haberfellner (Landeshauptmann), Karl Steininger (Ehren-Landeshauptmann) und Günther Reichelt (Schatzmeister) vom Bund der Bayerischen Gebirgsschützen
  • Prof. Dr. Franz-Christoph Zeitler vom Förderverein Trachtenkulturzentrum Holzhausen
  • Gottfried Rohrer, Ehrenvorsitzender vom Südwestdeutschen Gauverband
  • Bayernbund Ehrenvorsitzender Adolf Dinglreiter
  • Gunter Dlabal,  Vizepräsident vom Deutschen Trachtenverband
  • Andreas Horber, Geschäftsführer vom Bayerischen Blasmusikverband  mit Standarte des Bayerischen Ministerpräsidenten
  • Ehrenmitglieder Konrad Vogel,  Adi Müller und Walter Weinzierl vom BTV
  • Christian Kühn, neuer Präsident des Bayerischen Sportschützenbundes
  • Landrat Georg Grabner vom Berchtesgadener Land und Alt-Landrat Hermann Steinmaßl von Traunstein

Das alte „Wössner – Lied“

Auszug auf dem Sterbebild von Otto Dufter und gesungen von Liesi Huber und ihrer Tochter am offenen Grab

I woaß a Tal so wunderliab
Wann i dro denk, werd´s Äugerl triab,
und fragst, wos für a Tal i moan,
do drinnen liegts beim Geiglstoa.
Am Achberg bei der Gscheurerwand,
mei Wessn is mei Hoamatland…

Und wenn i nimmer roasn
Und klopft der Tod am Stüberl o,
dann bringt´s mei Leih nach Wessen nei,
im Wessner Friedhof mecht i sei,
wo´s Vogei singt so hell und laut,
wo´s Kreuz vom Hochgern obaschaut…

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Eindrücke von den Trauerfeierlichkeiten für Otto Dufter senior in der Kirche und auf dem Friedhof in Unterwössen im Chiemgau

Fotos:  Rainer Nitzsche /Sterbefoto

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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