Kirche

Pfarrer Josef Steindlmüller aus Olching zu Kardinal Reinhard Marx

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Immer wieder gerne zurück in seine Priener Heimatpfarrei „Mariä Himmelfahrt“ kommt Pfarrer Josef Steindlmüller vom Pfarrverband Esting-Olching. In Prien und im nahen St. Salvator, wo seine Familie zu Hause ist, schaut er wann immer es geht, gerne vorbei. Zuletzt spendete er für eine befreundete Familie das Sakrament der Taufe. An der Priener Pfarrkirche äußerte er sich zur aktuellen Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx. Dieser trat am Freitag vor die Presse und gab bekannt, dass er Papst Franziskus darum bat, das Bischofs-Amt abgeben zu dürfen. Der Kardinal will damit ein Zeichen setzen für Eingeständnis und Umkehr in der Katholischen Kirche.

Frage:   Was war Dein erster Gedanke, als die Nachricht bei Dir ankam: Sorge? Respekt? ……..?

Am Freitagvormittag hatte ich ein Taufgespräch, als mir ein Spezl eine SMS schickte, in der drinstand: Kardinal Marx tritt zurück. Nach dem Taufgespräch habe ich mich gleich an den Computer gesetzt und die Email von Generalvikar                              Christoph Klingan gelesen, die vom Rücktrittsgesuch und den Beweggründen handelte. Ich war erstmal richtig „geflasht“, wie man auf Neubayerisch sagen würde. Und ich muss sagen, ich bin immer noch ein wenig am Sortieren meiner Gedanken.  Am Nachmittag habe ich dann die Pressekonferenz angeschaut und habe dabei den Kardinal als sehr authentisch und nachdenklich erlebt und man merkte ihm an, dass er einen langen inneren Weg zu dieser Entscheidung hinter sich hat.

Frage:  In welchen Tätigkeiten und Aufgaben hattest Du mit dem Kardinal bislang zu tun und wie hast Du ihn schätzen gelernt? Bzw. wie würdest Du ihn charakterisieren?

Kardinal Marx hat mich zum Diakon und Priester geweiht. Das ist eine Verbindung, die immer bleiben wird. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er uns Weihekandidaten am Vorabend der Priesterweihe in der Freisinger Marienkapelle den Psalm 16 ausgelegt hat. Am Donnerstag kommt der Psalm 16 im Nachtgebet der Priester. Da muss ich immer dran denken, was der Kardinal uns damals auf den Weg gegeben hat. Als ich im Jahr 2012 in der „Berufungspastoral“ eine Stelle antrat (die Stelle, die nun in neuer Form Klaus Hofstetter antreten wird), zeigte sich schnell, dass Kardinal Marx und ich in diesem Bereich unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen hatten. U.a. deswegen endete meine Zeit in der Berufungspastoral wieder nach relativ kurzer Zeit. Nichts desto trotz habe ich ihn immer geschätzt und respektiert gerade auch aufgrund seines Arbeitspensums, das er zu leisten imstande ist. Als Pfarradministrator hatte ich abgesehen von ein paar flüchtigen Treffen keinen Kontakt mehr zu ihm. Allerdings hat er mir zum Tod meines Vaters im Jahr 2016 handschriftlich kondoliert, was mir sehr gut getan hat.

Frage: Nach längerem Nachdenken: ist die Entscheidung überraschend oder nachvollziehbar?

Nachvollziehbar ist sie auf jeden Fall, gerade auch im Blick auf die Opfer des sexuellen Missbrauchs, die sich dankbar zeigen, dass ein hoher Repräsentant der Kirche Verantwortung übernimmt. Auf der anderen Seite hat es heute im Stundengebet in einem Satz des hl. Bonifatius geheißen: „Wir dürfen das Schiff in den Stürmen nicht verlassen, wir müssen es lenken.“ Was letzten Endes richtig ist, wird die Geschichte zeigen.

Frage: Was erhoffst Du Dir von der Entscheidung des Papstes?

Dass sie Klarheit schafft (unabhängig in welche Richtung sie geht), wieder Stabilität in unser Erzbistum bringt und auch dem Kardinal eine Perspektive eröffnet. 

Frage: Welche weiteren Gedanken kommen in Dir auf?

Sehr beeindruckend fand ich, dass er seine Entscheidung auch im Gebet reflektiert hat und somit einen geistlichen Weg gegangen ist. Es war, denke ich, eine durchdachte Entscheidung.
Ein wenig irritiert hat mich die Aussage, dass die deutsche Kirche an einem „toten Punkt“ sei. Für das „System Kirche“ mag das zutreffen, aber Kirche ist mehr als ein System: sie ist trotz allem der mystische Leib Christi. Und solange es in der Kirche Menschen gibt, die redlich ihren Glauben leben wollen, solange in ihr Kinder getauft werden, Jugendliche gefirmt werden und die hl. Messe gefeiert wird, lebt die Kirche, weil Christus in ihr lebt. Das kann auch das marodeste System nicht kaputt machen. Für mich ist dieser Gedanke deswegen wichtig, damit man trotz dem Schlimmen und Schweren, das uns derzeit bedrängt, nicht auch den Wert von „Kirche-Sein“ übersieht.

Auf jeden Fall wünsche ich Kardinal Marx alles Gute und Gottes Segen und werde ihn (unabhängig wie die Sache ausgeht) auch weiterhin im Gebet begleiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Hötzelsperger – Pfarrer Josef Steindlmüller vor der Priener Pfarrkirche “Mariä Himmelfahrt”

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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