Kultur

Buch-Tipp: Biografie eines Überlebenden

Auschwitz, Sachsenhausen und Flossenbürg – Orte, die untrennbar mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden sind. Alexander Ebstein überlebte alle drei Konzentrationslager. Der Biograf Christoph Wilker traf sich fünf Jahre lang zweimal im Monat mit dem 2015 verstorbenen Zeitzeugen. Nach seinen Berichten erzählt Wilker nun in „Und wieder war ich gerettet“ eindrücklich von Ebsteins Jugend in Breslau, von seinem schier unfassbaren Leidensweg und dem Schrecken der Lager, aber auch von der ungebrochen positiven und lebensbejahenden Haltung eines beeindruckenden Menschen.

An einem Novembertag des Jahres 1941 klingelte es bei der jüdischen Familie Ebstein in Breslau an der Wohnungstür. Längst litten die jüdischen Einwohner der Stadt unter den vielen Repressalien, auch der Alltag des 15-jährigen Alexander, genannt Alex, war von Verboten, Entwürdigung und Schikane geprägt. An diesem Tag öffnete er zwei mit schweren Ledermänteln bekleideten Gestapo-Beamten die Tür, die nach seiner älteren Schwester Eva fragten. Unbedacht gab er ihnen die Auskunft, dass sie noch in der Arbeit sei. Zwei Stunden später kamen die Gestapo-Beamten wieder und nahmen die junge Frau, die inzwischen von ihrer Familie nach Hause geholt worden war, mit. Alex Ebstein sollte seine Schwester nie wiedersehen: Sie wurde mit einem Judentransport nach Kaunas in Litauen gebracht und dort ermordet.

Nach dem Zwangsumzug in ein „Judenhaus“, in dem sich die Familie zu dritt ein kleines Zimmer teilen musste, wurden am 5. März 1943 auch Alex und seine Eltern Adolf und Rachel Ebstein abgeholt und, in einen Viehwaggon gesperrt, nach Auschwitz transportiert. Gleich nach der Ankunft wurden die Männer von den Frauen getrennt. Alex erfuhr nur wenig später, dass seine Mutter schon kurz nach der Trennung umgebracht worden war. Anders als Rachel Ebstein stufte man Alex und seinen Vater als arbeitsfähig ein, sie mussten im Arbeitslager Auschwitz-Monowitz unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit leisten. Bald war Adolf Ebstein zu ausgezehrt für die Strapazen – am 4. Juni 1943 wurde er nach Birkenau gebracht und dort ermordet. Alex Ebstein hatte seine ganze Familie verloren.

Das Herannahen der russischen Armee führte im Januar 1945 zur Auflösung des Lagers Monowitz, die Häftlinge wurden in weiter westlich gelegene Konzentrationslager transportiert. Nach Zwischenstationen in Mauthausen und Sachsenhausen kam Alex Ebstein schließlich in das KZ Flossenbürg, wo er dank eines ebenfalls aus Breslau stammenden Kapo im „Kommando Weberei“ und nicht im gefürchteten Steinbruch arbeiten konnte. Hier, am Endpunkt seiner Tortur, fand Alex Ebstein erstmals den Kontakt zu Angehörigen der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Die Standhaftigkeit und Hilfsbereitschaft der sogenannten „Bibelforscher“ beeindruckten den jungen Mann nachhaltig, gaben ihm unerhofften Trost und Halt. Auch nach seiner Befreiung im April 1945 suchte er weiter die Begegnung und ließ sich schließlich im August desselben Jahres als Zeuge Jehovas taufen. Bald lernte Alex Ebstein seine Frau Luise kennen und gründete in München eine Familie. Bis zu seinem Tod engagierte er sich sehr in der dortigen Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Buchdaten:

  • Titel: Und wieder war ich gerettet – Wie Alex Ebstein die Konzentrationslager Auschwitz, Sachsenhausen und Flossenbürg überlebte und zu einem erfüllten Leben fand
  • ISBN: 978-3-86222-315-2
  • Autor Christoph Wilker
  • Ausstattung: Hardcover, 200 Seiten, mit über hundert Abbildungen
  • Preis: 14,90 Euro

Text und Bildrechte: Volk Verlag

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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