Leitartikel

100 Jahre alt: Schule in Umrathshausen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eine interessante Schul-Geschichte gibt es für den Frasdorfer Gemeindeteil Umrathshausen, der 1978 im Rahmen der Gebietsreform nach Frasdorf kam. Genau vor 100 Jahren wurde der schon lange vorher bestehende Wunsch der Bevölkerung von Umrathshausen und Nachbarorte erfüllt und die damals selbstständige Gemeinde bekam ihre eigene Schule. Wie es dazu kam und was alles bemerkenswert war bis die Schule 48 Jahre nach der Gründung wieder geschlossen wurde, das hat Rupert Wörndl  im Archiv der Gemeinde Frasdorf festgehalten.

 In alten Dokumenten und Fotos sind die Verhältnisse von damals festgehalten, unter anderem heißt es:Obwohl man sich gerade am Neubau des Frasdorfer Schulhauses beteiligt hatte (es war 1900 fertig gestellt worden), waren die Umrathshausener mit den Schulverhältnissen nicht zufrieden. Der Weg nach Frasdorf war weit, einige mussten auch nach Aschau. So versuchte man unter Bürgermeister Georg Pichl ab 1908 vehement, eine dorfeigene Schule zu bekommen. Es gab Verhandlungen mit der Gemeinde Frasdorf und dem Bezirksamt Rosenheim, die aber keine Lösung brachten“. Frasdorf hatte – wie es weiter heißt –  durch den eigenen Schulhausneubau eine Menge Schulden und war auf die Zuzahlungen der Gemeinde Umrathshausen angewiesen. Ausserdem blockierten die Höhenberger, die lieber nach Aschau zur Schule gingen, die weiteren Bemühungen. Dann kam der Krieg und der Wunsch nach eigener Schule erforderte Geduld. Erst am 1. Februar 1921 bekamen die Umrathshausener die lang ersehnte eigene Schule. Zunächst musste der Schulbetrieb für die 49 Kinder noch in einem umgebauten Behelfsraum im Wörndl`schen Gasthaus stattfinden, „da der Schulhausausbau z. Zt. wegen der herrschenden Baustoffnot nicht sofort möglich war“, wie es in den Akten heißt. Mit dem Bau wurde im März 1922 begonnen; gegen Jahresende war er abgeschlossen. Die Maurerarbeiten führte die Firma Gasteiger aus Aschau aus, die Zimmerer- und Schreinerarbeiten die Firma Stocker aus Prien. Das Schulhaus hatte im Erdgeschoß einen Lehrsaal und im Obergeschoß eine Lehrerwohnung, dazu einen schönen Garten. Die Kosten, die ursprünglich auf 434 000 Mark angesetzt waren, hatten im September 1922 bereits 750 000 Mark erreicht. Das Bezirksamt genehmigte einen Zuschuss von 60 000 Mark. Auch beim „Spar- und Darlehenskassenverein Umrathshausen“ wurde ein Kredit aufgenommen.

Die Schule Umrathshausen war die meiste Zeit als einklassige Schule geführt worden, das bedeutete, alle sieben und später alle acht Klassen wurden in dem einzigen Raum zur gleichen Zeit unterrichtet. 1945 war die Kinderzahl durch die Zuweisung zahlreicher Heimatvertriebener derart gestiegen, dass man für einige Zeit eine zweite Klasse einrichten musste. Die Lehrerin Thea Metzler unterrichtete die Schülerjahrgänge 1 – 4, Oberlehrer Rupert Schwaiger 5 – 8. Nachdem nur ein Schulsaal vorhanden war, wurden die beiden Klassen abwechselnd vor- bzw. nachmittags unterrichtet. Von Mai bis September 1945 fiel der Unterricht ganz aus. Als das Schulhaus zeitweise mit Flüchtlingen belegt war, wich man in die Wohnstube des Riederbauern aus. Ab September 1955 wurde die zweite Lehrerstelle wieder gestrichen, nachdem die Schülerzahlen wieder auf 43 Kinder zurückgegangen waren.

Nach 48 Jahren: Ende für die Schule Umrathshausen

Die Schule Umrathshausen blieb bis 1967 selbständig, dann wurde sie dem Schulverband Wildenwart-Hittenkirchen-Umrathshausen eingegliedert. In Umrathshausen waren nur noch die Klassen 2 – 4. Dieser Verband bestand allerdings nur bis 1969 – das Ende der Umrathshausener Schule nach 48 Jahren. Jetzt wurden die Umrathshausener Grundschüler wieder, wie zu alten Zeiten, der Volksschule Frasdorf zugewiesen. Die Hauptschüler kamen nach Aschau bzw. Prien. Sie wurden nun allerdings mit dem Schulbus befördert. Das Umrathshausener Schulhaus gehört heute der Gemeinde Frasdorf und ist vermietet. Der erste Lehrer in Umrathshausen war Rupert Schwaiger (* 1892 + 1958), der zuvor einige Zeit Hilfslehrer in Frasdorf gewesen war. Er hatte eine Tochter von Oberlehrer Eugen Angerer aus Frasdorf geheiratet. Er unterrichtete bis 1957 an der Umrathshausener Schule und verstarb bereits ein Jahr nach seiner Pensionierung. Anlässlich der Feier seiner 30jährigen Tätigkeit an der Schule hatte ihm die Gemeinde 1951 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Auf ihn folgte als Lehrer Adolf Veit (geb. 1923). Nach Auflösung der Schule war er als Fortbildungsleiter für Junglehrer tätig. Er starb bereits 1973 mit 50 Jahren. In Umrathshausen war er auch im Gemeindeleben unglaublich aktiv gewesen: Gemeinderat, Schützenmeister, Vorsitzender des Wasserversorgungsverbandes, Mitglied bei Feuerwehr und Veteranen.

Fotos/Repros:

  • Lehrer Adolf Veit von 1957 bis 1969 (Sammlung Dr. Peter Veit)
  • Klassenfoto mit Lehrer Rupert Schwaiger 1921
  • Ansicht des ehemaligen Schulhauses heute
  • Plan des Schulhauses 1921

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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