Ein neues Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ lud Bürgerinnen und Bürger zu einem respektvollem Austausch über Sorgen, Hoffnung und Demokratie ein. Unter dem Titel „Zukunft ohne Angst? Wie geht es dir mit Blick auf die Zukunft?“ trafen sich Bürgerinnen und Bürger im Rathaussaal. Veranstaltet wurde die Begegnung vom Mehrgenerationenhaus (MGH) Freilassing, getragen von Startklar Soziale Arbeit Oberbayern, in Kooperation mit der Volkshochschule Rupertiwinkel, der Stadt Freilassing und dem Verein „Mehr Demokratie“ aus München.
MGH-Leiterin Karin Niedermeyer begrüßte die Gäste und stellte das Haus als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Engagements vor. Seit mehr als elf Jahren leitet sie die Einrichtung, die Teil eines Bundesprogramms des Familienministeriums ist. In Freilassing organisiert das Mehrgenerationenhaus zahlreiche Angebote – von Lesepatinnen und Hausaufgabenbetreuung über Ämterlotsen bis hin zum Bürgertreff mit klimafreundlichem Mittagessen, sowie einem monatlichen Senioren-Café.
Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre sei das Thema Demokratie gewesen, erklärte Niedermeyer. Der Dialogabend solle dafür einen neuen Raum eröffnen. „Wir wollen einen Moment schaffen, in dem Menschen aus dem Alltag heraustreten, innehalten und einander wirklich zuhören können“, sagte sie. Gerade in Zeiten schnell geführter und oft lauter Diskussionen sei es wichtig, unterschiedliche Perspektiven respektvoll nebeneinander stehen zu lassen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Sparkassenstiftung Berchtesgadener Land, vertreten durch Theresia Petram, die einen Scheck über 1.500 Euro überreichte. Auch Bürgermeister Markus Hiebl sowie die Leiterin der VHS Rupertiwinkel, Dr. Helga Huber, nahmen teil.
Das Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ wurde vom Verein „Mehr Demokratie“ entwickelt, der vor über 30 Jahren in Bayern gegründet wurde und heute bundesweit mehr als 11.000 Mitglieder zählt. Moderatorinnen des Abends waren Kristina Henry und Barbara Leider aus München. Sie erklärten den Teilnehmenden das besondere Prinzip: In kleinen Gruppen spricht jede Person nacheinander vier Minuten über eine persönliche Frage zum Thema, ohne unterbrochen zu werden. Die anderen hören lediglich zu, ohne zu kommentieren oder zu bewerten.
Die Gruppen wurden spielerisch per Los mit farbigen Süßigkeiten zusammengestellt. In drei Gesprächsrunden durfte jede Person sowohl sprechen als auch zuhören. Thema war die persönliche Frage: „Wie geht es mir mit Blick auf die Zukunft?“ Dabei sollten die Teilnehmenden ausschließlich von eigenen Erfahrungen und Gefühlen berichten. Zwischenfragen oder Diskussionen waren bewusst ausgeschlossen. Ziel war es, echtes Zuhören zu üben und die eigenen Reaktionen beim Zuhören wahrzunehmen. Am Ende wurden die Eindrücke gemeinsam ausgewertet. Viele Teilnehmende berichteten zwar von Sorgen angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen, gleichzeitig überwog jedoch ein Gefühl der Zuversicht. Entscheidend sei die innere Haltung im Umgang mit Ängsten. Mehrere Teilnehmer beschrieben zudem, wie entspannend es gewesen sei, nicht sofort auf Aussagen reagieren zu müssen.
Inhaltlich dominierte eine Haltung der Dankbarkeit. Viele äußerten, dass sie sich der bestehenden Probleme bewusst seien – auch vor Ort in Freilassing –, gleichzeitig aber überzeugt seien, dass sich Lösungen finden lassen. Jeder könne im Kleinen dazu beitragen. Ein Teilnehmer formulierte es so: „Ich glaube an das Unerwartete, und daran, dass etwas Neues entstehen kann.“ Zum Abschluss dankte Bürgermeister Markus Hiebl den Organisatoren und Moderatorinnen. Demokratie lebe von Beteiligung, betonte er, und ermutigte die Anwesenden: „Tue Gutes und sprich darüber.“ Zugleich ging es um „Teilhabe und Teilgabe“ – und davon, gemeinsam für demokratische Grundwerte einzustehen.Wer Ideen für weitere Themen hat, konnte sie auf einer Stelltafel am Ausgang notieren. Die Dialogreihe soll fortgesetzt werden. Ziel bleibt, Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander sprechen – und vor allem einander zuhören.
Die nächsten Dialogformate zu „Sprechen und Zuhören“ finden statt am 14. April 2026 zum Thema „Klimawandel“ und am 11. Mai 2026 zum Thema „Krieg und Frieden“, jeweils um 18 Uhr im Rathaussaal.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
5951: Referentin Kristina Henry von Mehr Demokratie e.V. München sammelt inhaltliche Rückmeldungen zu dem neuen Dialogformat..
5942: Auch Bürgermeister Markus Hiebl (von links), Dr. Helga Huber und Sina Messinger (rechts) von der Bildungseinrichtung “Free Place” nahmen teil.






