Land- & Forstwirtschaft

Wechsel bei Staatsforsten in Ruhpolding

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am Dienstagmorgen nahm der Forstbetrieb Ruhpolding in einer Feierstunde Abschied von seinem bisherigen Betriebsleiter Joachim Keßler. Zugleich führte er den Nachfolger Sebastian Klinghardt offiziell in sein Amt ein. Zahlreiche Honoratioren waren der Einladung gefolgt. Das und die Zahl der Gäste im vollen Saal des Gasthofes zur Post sprachen für die hohe Wertschätzung die Keßler und der Betrieb genießen.

Neben Martin Neumeyer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten aus Regensburg, nahmen der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser, Bürgermeister Justus Pfeiffer und seine Kollegen aus den Nachbargemeinden, Vertreter der Ämter, Verbände und Forstbetriebe sowie zahlreiche Mitarbeiter teil. Neumeyer stellte die Dimension des Forstbetriebs Ruhpolding heraus. Mit rund 36.000 Hektar sei er einer der größten der Bayerischen Staatsforsten, erklärte er. Das Gebiet reiche vom Chiemgau bis zur österreichischen Grenze. 80 Mitarbeiter seien beschäftigt, darunter aktuell elf Auszubildende – Forstwirte und Berufsjäger. 700 Kilometer gepflegte Rad-, Wander- und Reitwege durchzögen die Flächen. “Wo andere Urlaub machen, arbeiten die Bayerischen Staatsforsten”, sagte Neumeyer. Neumeyer stellte die Lebenswege von Keßler und Klinghardt gegenüber und fand immer wieder Parallelen. Das Begann bei der identischen außergewöhnlich guten Abschlussnote nach dem Studium bis hin zu Positionen wie im Forstbetrieb Wasserburg, die beiden nacheinander durchliefen.

Joachim Keßler, Jahrgang 1973, geboren in Regensburg, hatte im Juli 2022 die Leitung des Forstbetriebs übernommen. Neumeyer würdigte ihn als moderne Führungskraft mit hoher Sensibilität für die Mitarbeiter und ausgeprägter Fähigkeit zum Dialog mit Gesellschaft und Bevölkerung. Keßler habe den Waldumbau erfolgreich gestaltet und ein effektives Waldschutzmanagement mit konsequenter Käfer- und Schneebruchaufarbeitung etabliert. “Das ist die Aufgabe eines modernen Forstbetriebsleiters, der die Aufgabe in der heutigen Zeit richtig versteht”, sagte Neumeyer. Keßler selbst sprach von einem weinenden und einem lachenden Auge. Ruhpolding sei wunderschön gewesen, aber seine Familie lebe immer schon in Wasserburg. Dorthin wechselt er nun als Forstbetriebsleiter. Er dankte dem Team in Ruhpolding. “Wir haben ein sehr gutes und engagiertes Team”, sagte er. Besonders hob er die vielen jungen Leute hervor, die am Forstbetrieb ausgebildet würden und zu Recht stolz auf ihren Beruf seien.

Sebastian Klinghardt, 40 Jahre alt, gebürtiger Münchner, trat seine Stelle offiziell am 1. Januar 2026 an. Seit 2014 arbeitet er bei den Bayerischen Staatsforsten. Seine Stationen führten ihn vom Forstbetrieb Fichtelberg über die Zentrale in Regensburg nach Wasserburg, wo er als stellvertretender Betriebsleiter tätig war, und zuletzt in den überregionalen Großkundenvertrieb für Nadelsägeholz. “Es war immer mein Traum, als Förster einen Gebirgsbetrieb zu leiten”, sagte Klinghardt. Folgerichtig ist er gleich nach Siegsdorf umgezogen. Er betonte die Bedeutung der professionellen Jagd als Grundlage für erfolgreichen Waldbau. Ohne angepasste Schalenwildbestände könnten die standortgerechten Baumarten nicht erfolgreich verjüngt werden. Klinghardt dankte den Revierjägern, Förstern und privaten Jägern, die den Forstbetrieb unterstützen. Für seine Arbeit nannte Klinghardt sechs Werte, die auch die Arbeit im Forstbetrieb prägen sollen: Ehrlichkeit, Transparenz, Offenheit, Respekt, Teamgeist und Loyalität. “Diese Werte sind kein Leitbild fürs Schaufenster, sondern ein Anspruch an unser tägliches Handeln”, empfindet er. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit allen Partnern – den Behörden, Jagdvertretern, Naturschutzorganisationen, forstlichen Unternehmern, Sägewerken und der Almwirtschaft.

Aus allen Redebeiträgen sprach eine hohe persönliche Wertschätzung, die die Redner und ihre Institutionen aus der Zusammenarbeit mit Keßler gewonnen hatten. Und da war auch eine Zuversicht spürbar, die erfolgreiche Arbeit auch mit dem Nachfolger fortsetzen zu können. Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser überbrachte die Grüße von Landrat Andreas Danzer. Er dankte Keßler für dessen Arbeit in einer Zeit großer Herausforderungen mit Klimawandel, Extremwetter und steigende Anforderungen an den Wald. An Klinghardt gewandt wünschte er einen guten Start und ein starkes Team. „Der Landkreis Traunstein steht hinter einer nachhaltigen, verantwortungsvollen Forstwirtschaft”, versicherte Konhäuser.

Bürgermeister Justus Pfeiffer hob die enge Verbindung zwischen Gemeinde und Forstbetrieb hervor. Ruhpolding sei seit 400 Jahren ein Holzzentrum. Die Gemeinde sei ein guter Partner für alle forstlichen Einrichtungen vom Forstbetrieb über das Bildungszentrum Laubau bis zum Bergwalderlebniszentrum Urschlau. Pfeiffer dankte Keßler für die pragmatische Zusammenarbeit. Michael Kaiser, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, betonte die gemeinsamen Herausforderungen: Bergwaldbewirtschaftung, große Naturschutzgebiete und die Folgen des Klimawandels. Das Bergwalderlebniszentrum Urschlau stehe auf Staatsforsten-Grund und funktioniere nur durch gute Zusammenarbeit.

Auch Maria Stöberl vom Verband der Forstberechtigten im Chiemgau und Josef Freutsmiedl, Vorsitzender der Kreisgruppe Traunstein im Bayerischen Jagdverband, überbrachten Grußworte. Freutsmiedl dankte Keßler für die offene Zusammenarbeit bei Wald und Wild. An Klinghardt gewandt sagte er: „Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Lösung der Probleme in unserem Spannungsfeld Wald und Wild.” Den Abschluss bildete Andreas Hell, Personalratsvorsitzender der Staatsforsten Ruhpolding. Er dankte Keßler für dessen soziale Einstellung und Investitionen in Ausrüstung und Hütten. An Klinghardt gewandt sagte er: “Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dir.” Nach dem offiziellen Teil luden die Staatsforsten Regensburg mit Vorstand Neumeyer zum gemeinsamen Mittagessen und einem gemütlichen Gedankenaustausch. Das Angebot nahmen alle gerne an.

Bericht und Bilder: Ludwig Flug


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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