In zwei Stunden um die Welt – Klassenspiel der 8b der Freien Waldorfschule Chiemgau nimmt Zuschauer mit auf Weltreise
Eigentlich wollte er ein ruhiges Leben als englischer Butler führen: Jean Passepartout, ein quirliger, energiegeladener Franzose, der im Jahr 1872 nach London zu Phileas Fogg, Gentleman von Beruf, kommt. Pünktlichkeit ist seinem Chef wichtig, ok, das lässt sich machen, denn sein Arbeitgeber scheint nicht all zu viele Termine wahrzunehmen, jeder Tag ist bis ins Detail strukturiert. So beginnt das Theaterstück „In 80 Tagen um die Welt“ von Susanne F. Wolf nach Jules Verne, das sich die 8b der Priener Waldorfschule als Klassenspiel gewählt hatte.
Doch bereits nach kurzer Zeit wendet sich die Beschaulichkeit, Phileas Fogg nimmt in seinem Herren-Club die Wette an, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Und selbstverständlich wird ihn bei dieser Herausforderung sein Butler Passepartout begleiten. Ein strenger Zeitplan beginnt. Tolle Bühnenbilder stellen die verschiedenen Transportmittel dar, die die beiden im Laufe der Zeit und des Stücks benutzen werden, da ist der noch vornehme englische Zug über Paris nach Brindisi, das Dampfschiff nach Bombay oder die schlichte Variante des Zuges nach Kalkutta, alle Szenen erhalten ihre eigene farbige Atmosphäre. Schnelle, lebendige Dialoge der Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse versprühen Witz und Charme und so schließt man die Protagonisten als Zuschauer genau so ins Herz, wie das die beiden gegenseitig im Laufe der Reise tun. Bei aller Unterschiedlichkeit – „Neutral sein gegenüber Frauen?“ für Passepartout undenkbar, für Fogg eine Haltung – wachsen sie zusammen. Gut so, denn sie haben so manches Abenteuer zu meistern! Zum Beispiel eine Bahnstrecke, die im Nirgendwo endet und die die beiden Abenteurer zwingt, auf die Weiterreise mit einem Elefanten auszuweichen. Dicht auf den Fersen bleibt ihnen Francis Fix, eine Detektivin von Scotland Yard, die aufgrund der Eile, die die beiden an den Tag legen, felsenfest überzeugt ist, es handele sich bei ihnen um Bankräuber. Auf ihrem Weg durch den Dschungel befreien der Franzose und der Brite eine Prinzessin und versprechen ihr, sie zu den einzigen Verwandten nach Hongkong zu bringen. Fix, die verbissen an die Schuld von Fogg glaubt, legt den beiden einen großen Stein in den Weg und betäubt Passepartout, der nach verpasster Schifffahrt dann keine andere Wahl hat, als eine Schiffspassage als Zirkusclown in Kauf zu nehmen. Gemeinsam geht es dann wieder über den Pazifik nach San Francisco, wo sich die Achtklässler eine Anspielung auf die derzeitige politische Situation in den USA nicht nehmen lassen.
Mit vollstem Einsatz legt man in Liverpool an, mittlerweile zu fünft: Fogg und die Prinzessin, Passepartout und seine „Mona Lisa“ und Francis Fix. Endlich auf englischem Boden möchte sie Fogg verhaften, doch – welch ein Glück – es stellt sich schnell heraus, dass er kein Bankräuber ist und nun ist sie an der Reihe, die Gefährten pünktlich nach London zu bringen. Temporeich und wortgewandt kommen sie pünktlich auf die Sekunde im Londoner Club an. Die Wette ist gewonnen und die 8b der Waldorfschule hat die Zuschauer im Saal auf der phantasievollen Reise begeistert.
Bericht: Waldorfschule / Foto: Posavec – Werden wir die Wette gewinnen? Das fragen sich zu Beginn der Reise Phileas Fogg (Milla Kuschmann) und Jean Passepartout (Melina Maria Hirt).




