Kirche

Vortrag im PV Selige Irmengard

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Ein Streifzug durch die Geschichte der Kirchenfinanzen mit Christian Staber

Im Rahmen der Reihe Glaubenskurse, hat der Pfarrverband Selige Irmengard einen zweistündigen Vortrag mit dem Titel „Finanzen, Kirche und der schnöde Mammon“ angeboten. Ziel der Veranstaltung war es, das Verhältnis der katholischen Kirche zu Geld bzw. Vermögen zu diskutieren und dabei die aktuelle Mittelverwendung zu beleuchten. Als Referent konnte Christian Staber gewonnen werden, der aktuell als Verwaltungsleiter für diverse Kirchenstiftungen in der Region fungiert und davor in der Erzbischöflichen Finanzkammer München als Referent der Stiftungsaufsicht tätig war.

Nach den einleitenden Worten von Herrn Pfarrer Przybylski wurden die Zuhörer in einem zweistündigen Vortrag zuerst über die volkswirtschaftliche Bedeutung von Geld und die Schwierigkeit hinsichtlich der Einordnung der katholischen Kirche mit ihren über Jahrhunderte gewachsen Strukturen und den zahlreichen Rechtsträgern informiert. „Niemand kann zwei Herren dienen“ (Matthäus 6,24). Nach einigen solchen biblischen Streifzügen zum richtigen Umgang mit Geld ging der Referent u.a. auf das sogenannte Zinsverbort ein, welches nicht nur die Haltung der christlichen Religionsgemeinschaft über Jahrhunderte prägte, sondern auch einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung vieler Gesellschaften nahm.

Auf Interesse stießen u.a. auch die Ausführungen zum sog. Templerorden (Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem), welcher mehr oder weniger als mittelalterliche Bank fungierte und neben verzinsten Kreditgeschäften auch eine Art von bargeldlosem Zahlungssystem in Teilen von Europa etablierte. Später folgten Ausführungen zur Rolle von Napoleon Bonaparte hinsichtlich der Kirchensteuer und der Säkularisation von 1803, welche einer faktischen Enteignung vieler kirchlicher Organisationen gleichkam. Die staatlichen Strukturen übernahmen in diesem Zuge diverse Aufgaben der Kirche und verpflichtete sich, aufgrund der erlangten Vermögenswerte u.a. auch dazu, etliche Kirchengebäude zu erhalten und einzelne „Besoldungen“ von kirchlichen Amtsträgern zu übernehmen. Um die finanzielle Unabhängigkeit der Kirche und die Erfüllung vieler seelsorglicher und caritativer Aufgaben sicherzustellen, wurde die heute viel diskutierte Kirchensteuer aus der Taufe erhoben.

Abschließend ging der studierte Betriebsökonom und Politologe auf die Finanzen des Erzbistums München und Freising sowie diejenigen der örtlichen Pfarrkirchenstiftung St. Georg in Eggstätt ein. Einigen Zuhörern war dabei offenbar nicht bewusst, dass in beiden Fällen ein Jahresabschluss vorliegt, der regelmäßig veröffentlicht wird. Den umfangreichen Finanzen des Erzbistums stellte Staber über 3.300 sakrale Gebäude, ca. 16.000 Mitarbeiter (ohne den Caritasverband mit weiteren 30.000 Mitarbeitern) und natürlich die zahlreichen Aufgaben in der Seelsorge für 1,4 Mio. Katholiken gegenüber. Aber was geschieht genau mit der Kirchensteuer? Laut den Veröffentlichungen des Erzbistums von 2024 werden von 100 Euro Kirchensteuereinnahmen etwa 55 Euro in die Seelsorge und die Arbeit der örtlichen Pfarreien investiert. Weitere 15 Euro fließen in Bildung und Kunst. Außerdem gehen knapp 8 Euro an die Caritas, 6 Euro an überdiözesane Aufgaben und 16 Euro an die unvermeidliche Verwaltung, wie der Verwaltungsleiter mit einem Augenzwinkern verriet.

Nach einigen Fragen aus dem Publikum schloss Pfarrer Andreas Przybylski die spannende Veranstaltung mit dem Resümee, dass die vielen kirchlichen Rechtsträger im Erzbistum über eine recht gute Finanzkraft verfügen und gleichzeitig vor erheblichen Herausforderungen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in den verschiedenen religiösen, sozialen und baukulturellen Bereichen stehen. Er dankte Herrn Staber für seine weitreichenden Ausführungen mit einer Flasche Rotwein, die aus den Weinbergen eines Südtiroler Klosters stammt. Auch ein Teil des kirchlichen Vermögens, nur eben nicht aus dem Erzbistum München.

Bericht und Fotos: Marianne Schönhuber



Redaktion

Toni Hötzelsperger

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