In mehreren Gemeinderatssitzungen befasste sich der Gemeinderat Übersee mit dem geplanten Umbau des historischen Bahnhofs, den die Deutsche Bahn (DB) Netz AG in den kommenden Jahren realisieren will (wir berichteten mehrfach). Besonders beschäftigte es den Gemeinderat, dass Bürgermeister Herbert Strauch von dem Vorhaben der Bahn berichtete, dass die Überdachung des Bahnhofs im Rahmen der Generalsanierung der Bahnlinie München-Salzburg im Jahr 2027 zurückgebaut und durch Wetterschutzhäuschen ersetzt werden soll.
Dagegen votierte der Gemeinderat mehrfach einstimmig und forderte den Bürgermeister wiederholt dazu auf, dagegen Einspruch zu erheben. Herbert Strauch hatte stets betont, dass die Gemeinde außerhalb der Grundstücksgrenzen generell wenig zu sagen habe, weil das gesamte Bauvorhaben die DB plant und bezahlt. Damit will sich die Gemeinde aber nicht zufriedengeben. Die Gemeinde Übersee verfasste nun einen offenen Brief an die DB InfraGO AG, zu Händen von Herrn Stephan Uebe, der die Verkehrsstationen 2.3 Bahnhofmanagements München, Augsburg und Rosenheim betreut.
„Kein Einverständnis mit der Umplanung“
In dem Brief, den auf der Weihnachtsfeier (am Montagabend) alle anwesenden Gemeinderäte unterschrieben, heißt es wörtlich: „Mit dieser Umplanung besteht kein Einverständnis“. Die Begründung, dass Übersee zu wenige Einstiegzahlen habe und die Vereinheitlichung der Bahnhöfe für den einfacheren Unterhalt, sei den Unterzeichnenden bekannt. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass die Überdachungen am Bahnhof, insbesondere die Pfeiler in den letzten Jahren aufwendig und mit großem finanziellem Aufwand durch die Bahn saniert worden seien. Statt diese Pfeiler wieder mit einem ordnungsgemäßen Dach zu versehen, was an anderen Bahnhöfen durchaus üblich sei, sollen in Übersee nur wenige Wetterschutzhäuschen errichtet werden. „Besonders bei schlechtem Wetter sollen sich in diesen Häuschen oftmals bis zu 100 und mehr Bahnkunden und -kundinnen auf engstem Raum zusammenpferchen“, so das Schreiben. Bei Grippewellen oder Zeiten mit vielen Coronafällen würden diese Häuschen dann zum „Hotspot“ für weitere Fälle. Auch würden sich in den Sommermonaten diese, der Sonne ungeschützt ausgesetzten Häuschen aufheizen und auch bei beginnenden Regenfällen nicht gleich nutzbar sein.
„Das Argument, dass der Unterhalt dieser Häuschen einfacher ist, kann von unserer Seite nur verneint werden“, so der Gemeinderat. Vielmehr seien die Häuschen dem Vandalismus weit mehr direkt ausgesetzt, zum Beispiel durch eingeschlagene Scheiben und Aufkleber. Dagegen sei ein Dach über dem Bahnsteig diesem Vandalismus nicht ausgesetzt. Da müsse schon jemand einen Pfeiler durchsägen, um an das Dach zu kommen. Auch zähle das Argument „alle Bahnhöfe gleich“ nicht, denn es gebe auch nach der Sanierung an der Bahnstrecke München-Salzburg Bahnhöfe, die ein Dach haben werden. Der Landkreis Traunstein plane einen Anschluss an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV). Die Erfahrung aus anderen Verkehrsverbundkommunen zeige, dass das Bahnfahren wegen der dann geltenden Preise attraktiver werde und somit auch mit steigenden Einstiegszahlen für Übersee zu rechnen sei. Quintessenz: „Wir fordern deshalb, auch im Namen der vielen Bahnkund/innen auch für Übersee die Sanierung des Daches über den Bahnsteigen, statt der geplanten Wetterschutzhäuschen.“
Dieses Schreiben schickte die Gemeinde mit den Unterschriften der Gemeinderäte nicht nur an die Presse mit der Bitte um Verbreitung, sondern auch an die regionalen Land- und Bundestagsabgeordneten zur Kenntnis und der Bitte um Unterstützung der gemeindlichen Forderung.
Bericht und Foto: Christiane Giesen Der Überseer Bahnhof, wie er aktuell mit weitgehend fehlender Bedachung des Wartebereichs aussieht.





