Gastronomie

Taufkirchener Schäffler haben ein eigenes Bier

Nach sechs Jahren Pause beleben die rund 30 Taufkirchener wieder die Schäfflertradition. Passend dazu hat die Guts- und Brauereigenossenschaft Taufkirchen ein spezielles Pils eingebraut, das es nur alle sieben Jahre gibt. Braumeister Thomas Drechsel von der Taufkirchener Brauerei setzte dafür eigens einen Schäffler-Sud an.

Der feinwürzige Gerstensaft wurde in Flaschen mit neu gestaltetem Schäffler-Etikett abgefüllt. Bei einer Bierprobe testeten neben Vortänzer Bernhard Sinseder vier altgediente Schäffler sowie drei Vertreter der Brauerei das Ergebnis. Das einhellige Urteil nach dem Öffnen der ersten Flaschen lautete: „Frisch und schön herb“. Ab sofort ist das Schäffler-Pils im Abholmarkt der Brauerei sowie in allen teilnehmenden Getränkemärkten erhältlich. Mit rund 700 Tragerln sieht sich die Brauerei gut auf einen möglichen Ansturm vorbereitet. Denn das Schäffler-Pils gibt es nur dann, wenn die Schäffler tanzen – also alle sieben Jahre. Eine Gemeinsamkeit verbindet beides: Sowohl das Bier als auch die Schäffler sollen Freude bereiten.

Damit folgen die Taufkirchener einer Tradition, die bis ins Jahr 1517 zurückreicht. Damals schmückten junge Fassmacher der Münchner Brauereien die Metallbögen der Bierfässer, formten daraus Girlanden und zogen tanzend durch die Straßen, um die Menschen nach den Pestjahren wieder aus ihren Häusern zu locken. Die Schäffler wollten Lebensmut verbreiten. In Taufkirchen geht es heute weniger um Mut als um Freude – die Idee ist jedoch dieselbe: D’Leit soll’n zammkemma.

Dafür proben die 30 Burschen und Männer seit Oktober zweimal pro Woche. Die Anforderung ist hoch, denn in der Faschingszeit stehen mindestens 100 Auftritte im gesamten Landkreis an. Kostenlos wird in sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Seniorenheimen oder Kindergärten getanzt. Besonders in Erinnerung geblieben sind Alois Sinseder die Auftritte in den Behindertenwerkstätten: „Die hatten so eine Freude, das war wunderbar“, sagt der 84-Jährige, der die Taufkirchener Schäfflertradition 1984 wiederbelebt hat. Stolz ist er darauf, dass der Sieben-Jahres-Turnus seither ohne Unterbrechung eingehalten wird. Auch Bernhard Högl und Rudi Pyrkosch schwingen seit damals das weißbestrumpfte Tanzbein.

Großen Wert legen die Schäffler auf ein gepflegtes Erscheinungsbild: Die roten Lodenjacken sind ausgebürstet, die weißen Hemden gebügelt, die Schuhe sauber geputzt. Nach sechs Jahren Pause tanzen die Taufkirchener Schäffler in dieser Faschingssaison wieder. Bei bis zu zehn Tänzen an einem Tag müssen auch die Figuren wie Laube, Durchtanz, Vierertanz, Kreuz, Durchschlag und Krone sicher sitzen.

Die traditionelle Verbundenheit mit dem Fassmacherhandwerk wird in einem eigenen Tanz symbolisch dargestellt, die Verbindung zum Bier eher beiläufig gepflegt. „Es ist auch kein Problem, wenn jemand kein Bier trinkt“, stellt Rudi Pyrkosch klar. Die enge Zusammenarbeit mit der Brauerei geht ohnehin über das Schäffler-Pils hinaus: Trainiert wird im Weißbräu, das Bräustüberl ist während der gesamten Faschingszeit zentraler Treffpunkt. Von hier aus fahren Schäffler und Musiker mit dem Bus zu den Auftritten. „Wir haben einen Fundus von 30 Musikern, hier werden nur die Besten der Besten zusammengeholt“, sagt Bernhard Sinseder. Den Bus stellt seit jeher die Firma Nagl aus Moosen – „zu einem fairen Preis“.

Bei den Sponsoren, die Schäffler-Auftritte buchen, bedankt sich Sinseder als Reifenschwinger traditionell mit einem zusätzlichen Glas Schnaps. Damit dabei nichts verschüttet wird, ist ebenfalls Training nötig. Nach Weihnachten binden Bernhard Sinseders Ehefrau Silvia und „Oma“ Mathilde die Buchsbögen. Denn am 11. Januar um 11 Uhr drehen die Taufkirchener Schäffler vor dem Rathaus wieder ihre kunstvollen Runden.

Das Bild zeigt von links nach rechts Marianne Rosenberger (stellvertretende Brauerei-Betriebsleiterin), Kasperl Günther Brandl, Alois Sinseder, Bernhard Sinseder, Bernhard Högl, Rudi Pyrkosch, Michael Fürmetz (Brauereigenossenschaftsvorsitzender) sowie Braumeister und Betriebsleister Thomas Drechsel bei der offiziellen Bierprobe in der Abfüllerei.

Bericht und Bilder: Hans Kronseder


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!