Leitartikel

Rosenheimer Kulturpreisverleihung

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Seine Kunst ist subtil und doch konkret und beinhaltet Skulpturen unterschiedlichster Materialien, filigrane Tuschezeichnungen aber auch Performances. Am Abend (04.12.2025) ist Christian Hess mit dem Kulturpreis 2025 des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet worden. Im Kurfilmtheater Marias Kino in Bad Endorf ehrte Landrat Otto Lederer außerdem die Violinistinnen Bernadette Pihusch und Clara Neidenberger mit dem Kulturförderpreis. Der Kultursonderpreis 2025 ging an den Theaterkreis Wasserburg e.V. sowie an Stefan Kröll und den Trachtenverein D´Mangfalltaler Westerham. Die Laudationes hielt die Kulturreferentin des Landkreises Anke Hellmann.

In seiner Begrüßung zeichnete Landrat Lederer kurz die Geschichte des Kulturpreises nach, welcher seit 40 Jahren vom Landkreis Rosenheim an Kulturschaffende verliehen wird. Er hob zudem hervor, welche Rolle der Preis für die Kulturentwicklung im Landkreis spielt: „Ich kann behaupten, dass wir damit die Kulturszene im Landkreis nachhaltig unterstützen.“ Der Landkreis Rosenheim verstehe sich als „Kulturlandkreis“, so Lederer weiter. Einen besonderen Platz nimmt zudem der Kulturförderpreis des Landkreises ein: „Das ist für mich eine ganz bedeutende Auszeichnung. Damit zeichnen wir junge Talente aus und unterstützen sie zum Teil bis hin zu einer professionellen Karriere“, betonte Landrat Otto Lederer in seiner Ansprache. Nicht wenige der ehemaligen Kulturförderpreisträger haben inzwischen eine professionelle Musikkarriere erreicht.

Alois Loferer, Bürgermeister von Bad Endorf, würdigte in seinem Grußwort die besondere Bedeutung des diesjährigen Veranstaltungsortes: „Marias Kino ist eine wundervolle Kulturstätte, die wir in Bad Endorf nicht missen möchten.“ Er erinnerte daran, wie viel Herzblut Maria Stadler über viele Jahre in den Betrieb ihres Kurfilmtheaters gesteckt habe und wie sehr dieses Engagement die kulturelle Landschaft des Ortes geprägt habe. Er dankte dem Verein, der Maria Stadlers Vermächtnis mit viel Tatkraft und Begeisterung weiterführt.

Marias Kino schlägt eine direkte Brücke zum diesjährigen Kulturpreisträger. Christian Hess ist seit 1998 selbst aktives Mitglied im Kinoverein. Der Bildhauer, Zeichner und Performancekünstler wurde 1973 in Nürnberg geboren und lebt und arbeitet in Ullerting am Simssee. Bekannt ist er unter anderem für seine filigranen rubinroten Tuschezeichnungen, die so diffizil sind, dass die Linien sich zu bewegen scheinen. Mit technischer Brillanz und ästhetischer Tiefe verwandelt Hess auch schwere Materialien wie Beton, Holz und Stein in eindrucksvolle Werke. In Ihrer Laudatio zeichnete Kulturreferentin Anke Hellmann das vielseitige künstlerische Schaffen von Christian Hess nach, mit dem er das kulturelle Leben der Region maßgeblich bereichert. Sein Engagement in vielen Bereichen von Kunst und Kultur ist „ein leuchtendes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn künstlerische Leidenschaft auf gesellschaftliche Verantwortung trifft und überregionale Strahlkraft erzeugt“, so Hellmann.

Kulturförderpreis für Bernadette Pihusch und Clara Neidenberger

Mit ihrem außergewöhnlichen musikalischen Talent und ihrer künstlerischen Ausdruckskraft begeisterten die beiden Violinistinnen und Kulturförderpreisträgerinnen Bernadette Pihusch und Clara Neidenberger das Publikum.

Die 2009 geborene Bernadette Pihusch besucht den musischen Zweig am Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim und studiert als Jungstudentin am renommierten Mozarteum Salzburg. Die pruttinger Musikerin kann nicht nur bereits auf eine beeindruckende Wettbewerbsbilanz und zehn Stipendien, sondern auch auf eine Vielzahl an Konzerttätigkeiten zurückblicken. Unter anderem tritt sie mit den Bad Reichenhallern Philharmonikern sowie dem Ensemble Bella Musica der Universität Mozarteum oder als Solistin auf. Als Duo Bernadel musiziert sie gemeinsam mit ihrer Schwester Elisabeth, ebenfalls Landkreis-Kulturförderpreisträgerin von 2023.

Ebenfalls zur Gruppe der Jungstudentinnen am Mozarteum Salzburg zählt die 2005 geborene Clara Neidenberger. Ihr künstlerischer Werdegang ist nicht nur von einer beeindruckenden Auftrittszahl geprägt, unter anderem tritt sie bei den Orgelwochen in Bad Endorf oder bei den Orgel-Konzerten im Salzburger Dom auf, sondern auch von ihrer Haltung gegenüber der Musik als gemeinschaftliches Gut. Begeistert unterstützt sie junge Musikerinnen und Musiker und trägt durch ihr Engagement im Bad Endorfer Musikförderverein Allegro con brio e. V. entscheidend zur musikalischen Lebensqualität ihrer Heimatregion bei.

Kultursonderpreis für D´Mangfalltaler Westerham und den Theaterkreis Wasserburg und

„Heimatspektakel“ war der treffende Titel des einzigartigen Bühnenstücks, welches 2024 im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten des Gauverbands I das ausverkaufte Zelt begeisterte. Unter der Leitung des aus Feldkirchen-Westerham stammenden Kabarettisten Stefan Kröll wurde ein heimatgeschichtliches Bühnenwerk in zwei Teilen zum Leben erweckt, welches die Ursprünge der lokalen Tracht, das raue Leben der Holzknechte und das abenteuerliche Leben des legendären Haberers Thomas Bacher beinhaltete. Kröll und die Aktive Gruppe des Trachtenvereins „D’ Mangfalltaler Westerham“ verfassten nach intensiver, historisch fundierter Recherche für diese einmalige Aufführung eigens Texte und komponierten Musikstücke. Pop- und Rap-Songs verschmolzen mit traditioneller Musik, historischen Begebenheiten und leidenschaftlichen Darstellerinnen und Darstellern zu einem mitreißenden Stück.

Ebenfalls vor ausverkauftem Publikum begeisterte der Theaterkreis Wasserburg 2024 mit dem Bürgerspiel „Früher war’s auch nicht besser“. Das Bürgerspiel sollte 2020 zur Aufführung kommen und musste pandemiebedingt verschoben werden. Der Hartnäckigkeit des 1. Vorstands Sepp Christandl ist es zu verdanken, dass der Anlauf in 2022 dann ausreichte, um das theatrale Großvorhaben in 2024 zu realisieren. Über 120 Mitwirkende zwischen acht und 85 Jahren bildeten nicht nur eine eingeschworene Gemeinschaft, sondern erweckten auch die Zeit der Inn-Schifffahrt in der historischen Altstadt wieder zum Leben.   Für die beiden herausragenden Inszenierungen erhalten „D´Mangfallthaler“ sowie der Theaterkreis Wasserburg den Kultursonderpreis 2025.

Der Landkreis Rosenheim vergibt die Kulturpreise jährlich, um Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen zu ehren, die sich besondere Verdienste um die Kultur im Landkreis erworben haben. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, der Kulturförderpreis mit 2.500 Euro und der Kultursonderpreis mit 1.500 Euro.

Bericht und Foto: LRA Rosenheim – Kulturreferentin Anke Hellmann (Bühne) und Landrat Otto Lederer (Parkett) mit den Preisträgerinnen und Preisträgern des Kulturpreises 2025: Christian Hess (Parkett, 8.v.li), Bernadette Pihusch und Clara Neidenberger (Bühne Mitte), dem Theaterkreis Wasserburg und D´Mangfalltaler Westerham. 

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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