Aufstieg. Blütezeit. Zerfall. Die Geschichte des Römischen Reiches über rund 1.400 Jahren in einer Ausstellung zusammenzufassen, scheint eine herausfordernde Aufgabe. Von einem weit verzweigten Straßennetz über technische und architektonische Innovationen bis hin zu einer gemeinsamen Sprache und einem allgemeingültigen Rechtssystem. Das Imperium hinterließ sichtbare Spuren, die Europa bis heute prägen. Der Lokschuppen Rosenheim richtet deshalb seinen Blick auf den Menschen.
Die neue Ausstellung „RÖMER – Gesichter eines Weltreiches“, die vom 20. März 2026 bis zum 1. August 2027 zu sehen ist, führt die Besucherinnen und Besucher durch die römischen Provinzen. Faszinierende Alltagsgegenstände, Schatzfunde, Werkzeuge, Schmuck, Kinderspielzeug und vieles mehr vermitteln das Leben in der Antike. Mit anschaulichen Hörgeschichten bekannter Fantasy-Schriftstellerinnen und -schriftsteller und einigen Originalen zum Anfassen macht sie die verstaubte Vergangenheit buchstäblich begreifbar. Interaktive Stationen wie die weltgrößte Römerstadt aus LEGO®, an der jeder mitbauen kann, ein digitales Wagenrennen im Circus Maximus und eine ganz analoge römische Spielemeile runden das Erlebnis ab.
Die Antike zum Anfassen
Die RÖMER-Ausstellung verfolgt bewusst einen erlebnisorientierten Ansatz. Statt langer Wandtexte stehen Ausprobieren und Mitmachen im Vordergrund. Besucherinnen und Besucher können beispielsweise Mosaiksteine zu Mustern legen, auf Wachstäfelchen schreiben oder römische Gewandung anprobieren. Auch ein römisches Marschgepäck lässt sich anheben – eine Erfahrung, die den Alltag eines Legionärs unmittelbar nachvollziehbar macht. Besonders ungewöhnlich ist, dass in vielen Räumen ein originales römisches Objekt berührt werden darf. Münzen, Fibeln, Keramikscherben und Ziegel vermitteln so einen direkten Zugang zur Vergangenheit.
Beim digitalen Wagenrennen im Circus Maximus schlüpfen Besucherinnen und Besucher selbst in die Rolle eines Wagenlenkers. Auf der Rennbahn sorgen Äpfel für zusätzlichen Schub, während Pfützen den Wagen ausbremsen. Ein spektakulärer Höhepunkt der Ausstellung ist zudem die 45 Quadratmeter große idealtypische Römerstadt „LOCDVNVM“ aus über einer halben Million LEGO®-Steinen. Gäste bauen einzelne Gebäudemodule, die anschließend vom Lokschuppen-Team im großen Stadtmodell platziert werden. Zur Belohnung darf eine Münze geprägt werden.
Funde, die Geschichte erzählen
1.228 Exponate aus rund 30 Museen und Privatsammlungen sind in der Ausstellung zu sehen, viele davon erstmals öffentlich. Zu den besonderen Highlights zählt der monumentale Augsburger Siegesaltar, ein etwa 1,70 Meter hohes Steinmonument aus der Spätantike. Die weiteste Anreise hatten die spektakulären Metallobjekte eines Wagengrabs aus dem ungarischen Nationalmuseum. Berührende Mumienporträts geben einem das Gefühl, Auge in Auge antiken Menschen gegenüberzustehen. Luxuriöse Grabbeigaben mit einer Vielzahl herausragender filigraner Gläser aus dem Gräberfeld in Krefeld-Gellep zeigen den Reichtum nördlich der Alpen in der Spätantike. Heraus sticht der einzigartige Rüsselbecher!
Darüber hinaus sind zahlreiche Alltagsgegenstände ausgestellt: römische Öllämpchen, Feldflaschen, Fibeln, Götterstatuetten, Münzen oder alles, was man sonst zum Leben brauchte. Aufgrund der langen Laufzeit der Ausstellung werden einige Objekte im Verlauf der Zeit ausgetauscht. So gibt es immer wieder neue Exponate zu entdecken, darunter später im Ausstellungszeitraum die vergoldete Replik des Pferdekopfs von Waldgirmes oder ein spektakulärer Schatzfund mit silbernem Klappstuhl aus der Pfalz.
Das Imperium vor der eigenen Haustür
Zweifelsohne waren die Römer in unserer Region überaus präsent, was sich in zahlreichen Siedlungen und Fundstellen zeigt. Deshalb darf sie in dieser Ausstellung auch nicht fehlen. Die Brücke in Pfaffenhofen am Inn, nördlich des Rosenheimer Stadtgebiets, gab Pons Aeni – also Brücke über den Inn auf Latein – seinen Namen. Dies war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Provinz. Besonders bedeutend waren in Rosenheim außerdem die Töpfereien von Westerndorf, die zu den wichtigsten Produktionsstätten römischer Keramik in Raetien gehörten. Ihre Produkte wurden weit über die Region hinaus gehandelt.
Die Protagonisten der Ausstellung
Wann ist man eigentlich Römer? Rechtlich ist das einfach zu beantworten: wenn man das römische Bürgerrecht erhält. Zum Beispiel nach 25 Jahren Dienst im Militär. Als Römer fühlte man sich sicherlich aber schon viel früher durch Kultur und Lebensart. Als Römer oder Römerin musste man nicht zwangsläufig in Rom geboren sein. Die emotionale Ebene wird in der Ausstellung durch den besonderen Erzählstrang fiktiver, aber historisch fundierter Persönlichkeiten beleuchtet. Ihre einfühlsamen Geschichten wurden von zehn bekannten Fantasy-Autorinnen und -Autoren, darunter Bernhard Hennen, Theresa Hannig oder Markus Heitz, geschrieben. Schwarz-Weiß-Porträts und Hörgeschichten erwecken sie zum Leben. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, dass die Menschen der Antike uns näher sind, als man vielleicht denkt: Sie haben gelacht, gedacht, gehofft, gefeiert und sich verliebt – und ihren Alltag mit denselben menschlichen Emotionen gelebt wie wir heute.
Ein Blick auf die Gegenwart
Die Ausstellung beginnt und endet mit Fragen, die auch heute noch aktuell sind: Woran glaubst Du? Was ist Dir wichtig? Zum Abschluss gelangen Besucherinnen und Besucher in einen Raum, der den Niedergang des Imperiums symbolisiert. Eine zerbrochene Statue und das Forum Romanum in Trümmern stehen sinnbildlich für das Ende einer Epoche. Aber lebt das Reich nicht eigentlich noch viel länger weiter? Noch einmal werden dort die zentralen Identitätsfaktoren des römischen Reiches aufgegriffen und Sie selbst müssen aktiv werden: Welche dieser Faktoren haben für Sie heute noch Bedeutung?
Immer noch nicht genug Römer?
Wir bieten noch mehr:
- Konzert: „Canzone della Strada” mit QUADRO NUEVO, DIE ABENTEURER und Gäste
Am Mittwoch, 15.04.2026 um 20:00 Uhr im KU’KO Rosenheim
Gespielt werden Lieder eines fast schon verklungenen Italiens und Klänge aus den unterschiedlichen Kulturräumen der ehemals römischen Gebiete. Als zusätzliches Highlight des Abends tritt GANES auf: eine Südtiroler Frauenband, die auf Ladinisch singt – einer Sprache, die entstand, als die rätische Bevölkerung entlang der römischen Alpenstraßen das Vulgärlatein der Römer aufnahm.
- Römerlager im Mangfallpark
20.–21. Juni 2026
Der Mangfallpark wird an diesen Tagen zur Zeitreise in die Antike. Reenactment-Gruppen zeigen mit Gladiatorenspielen, einer römischen Hochzeit und historischen Handwerksvorführungen, wie Menschen im römischen Reich lebten. Darüber hinaus wird es einen Flohmarkt und weitere Events geben. Diese werden rechtzeitig auf der Website und auf den Instagram– und Facebook-Kanälen des Ausstellungszentrums Lokschuppen angekündigt.
Bericht und Bilder: Lokschuppen Rosenheim / Axel Jusseit




