Kirche

REI: Neue Organistin für St. Nikolaus

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Bad Reichenhall. „Jedem Anfang wohnt ein kleiner Zauber inne“, so auch dem Beginn des Jahres 2026, begann Dekan und Stadtpfarrer Markus Moderegger den Festgottesdienst am 6. Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn und der Hl. Drei Könige, den er mit Diakon Matthias Friedl feierte. „Wir dürfen in der Hoffnung sein, dass es ein Jahr des Herrn sein wird“, fuhr Markus Moderegger fort und dehnte den Zauber des Anfangs auch darauf aus, dass die Stadtkirche ab sofort eine neue Organistin hat, Julie Pinsonneault aus Kanada, die die Gottesdienste jetzt wieder feierlich gestalten und die verschiedenen Chöre leiten wird.

Seit der Verabschiedung des verdienten Kirchenmusikers Reinhard Seidl haben die Sängerinnen und Sänger sehnsüchtig darauf gewartet. „Die Kirchenmusik dient zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen, damit wir in das göttliche Geheimnis mit hineingenommen werden“, so Moderegger, der seine Freude über die künftige Zusammenarbeit mit der Organistin zum Ausdruck brachte und sie herzlich willkommen hieß. Pastoralreferentin Constanze Bär vertrat „als Vertreterin aus dem Orient“ die 180 Kinder und Jugendlichen, die in der katholischen Stadtkirche Reichenhall als Hl. Drei Könige unterwegs waren.

Julie Pinsonneault leitete die Gemeindelieder mit einem majestätischen Vorspiel ein und begleitete sie abwechslungsreich. Das Thema des Sterns und seines Lichts, des Wegs und der Bewegung zog sich durch die Lieder, die Gebete und die biblischen Texte der Lesungen und des Evangeliums. So führte sinnbildlich ein gelegter und mit Kerzen beleuchteter Weg über die Stufen des Altars hin zur Krippe. Sich auf den Weg zu machen und nach dem Licht – symbolisch für Hoffnung oder Problemlösung – zu suchen, bringt Veränderung. Dementsprechend setzte Pfarrer Moderegger die Überschrift „Neue Haltungen braucht unser Land“ über seine Predigt und ordnete die Geschichte der Hl. Drei Könige ein zwischen realen Quellen und fantasievoller Ausschmückung durch die Kunst. Wichtig und bedeutungsvoll sei, dass die „merkwürdigen Fremden Symbolfiguren, für eine Haltung seien, die aus dem Bekannten und Gewohnten aufbricht und in unbekanntem Terrain den unbekannten Gott sucht“. Auch Abraham, der Stammvater aller drei Weltreligionen, hatte diese Haltung und verließ seine vertraute Heimat. „Wir dürfen auf der Suche sein nach den Sternen oder Lichtern der Hoffnung“, ermutigte Moderegger. Doch der Pfarrer warnte auch vor Irrlichtern und Leuchtfeuern der Macht und des Egoismus. Die orientalischen Männer suchten ein Königskind im „Märchenschloss“. Doch sie fanden ein armes Kind armer Leute. Was suchen wir in 2026?, fragte der Pfarrer. „Wo finden wir das göttliche Kind?“ Die Antwort liege darin, dass wir uns und unsere Haltung verwandeln lassen, so wie das Kind in der Krippe die Männer aus dem Orient verändert habe. Sie gingen mit einer neuen Haltung auf einem anderen Weg zurück in ihr Land. Neue  mutige Wege zu gehen, das sei wichtig für die Gesellschaft und für die Politik, forderte Moderegger. Der Kantor Patrick Snir sang nach dem Gottesdienst aus dem Kantorale die Daten aller Feste vor, die im Jahr 2026 gefeiert werden – von Ostern über Pfingsten bis zum Ende des Kirchenjahres Ende November.

Die neue Organistin Julie Pinsonneault beeindruckte zum Schluss mit einer von ihr komponierten, großartigen Improvisation über das französische Weihnachtslied „Il est né, le divin enfant“, bei dem sie die Melodie durch alle Register, auch den Bass, wandern und dazu eine virtuose Begleitung in einem anderen Register erklingen ließ. Viele Chorsänger hatten sich mit Pfarrer Markus Moderegger und Kantor Patrick Snir auf der Empore versammelt, um die neue Organistin zu begrüßen, auch Kirchenmusikdirektor Matthias Roth von der evangelischen Schwesterkirche gab sich die Ehre. Man schmiedete Pläne und freute sich auf die erste Chorprobe.

Die neue Organistin in St. Nikolaus: Julie Pinsonneault

Julie Pinsonneaults wuchs mit der Orgel auf, denn ihr Vater war ebenfalls Organist. Sie erhielt erfolgreich einen Master in Musikwissenschaft und Orgelspiel an der Hochschule für Künste in Toulouse (Frankreich) und an der Universität Toulouse-Jean Jaurès. An der Yale-Universität (USA) perfektionierte sie Ihre Orgel- und Kirchenmusik. Seit sieben Jahren lebt sie in Deutschland, wo sie in Freiburg im Breisgau einen zusätzlichen Bachelor und Master in Kirchenmusik (Orgel und Chor-/Orchesterleitung) absolvierte. Sie hat verschiedene Wettbewerbs-Preise (Kanada und Russland) und Stipendien gewonnen und blickt auf eine lange Liste an Projekten und Konzerten in großen Kathedralen in Kanada und den USA, in Frankreich, und in Freiburg zurück. Auf der Suche nach einer A-Stelle bewarb sie sich in Bad Reichenhall und durchlief das Bewerbungsverfahren.

Ein älterer französischer Pressevertreter beschreibt Julie im Jahr 2014 so: Sie ist „ein schlankes Persönchen von 22 Jahren und jetzt schon eine große Organistin“. Er bescheinigt ihr nicht nur eine hervorragende Technik, sondern auch eine “unglaubliche Kenntnis des Instruments, eine authentische Musikalität und große Talente einer Interpretin“ und setzt noch drauf: “Diese Kleine wird weit gehen, sehr weit“. Dass dies nicht übertrieben war, zeigte Pinsonneault in diesem Festgottesdienst: Sie ließ das musikalische Licht zu einem spirituellen Licht werden und mit farbenprächtig-virtuosen Registern den Stern über Bethlehem aufgehen. Im Text des französischen Weihnachtsliedes, über das sie improvisierte, wird strahlend die Ankunft des Herrn besungen – und gleichzeitig symbolkräftig mit dem lautmalerisch registrierten „Jouez hautbois, résonnez musettes“ („Spielt, Oboen und erklingt, Dudelsäcke“) ihre eigene Ankunft in Bad Reichenhall gefeiert.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka – Auch auf der Empore begrüßte Stadtpfarrer Markus Moderegger die neue Organistin Julie Pinsonneault gemeinsam mit Kantor Patrick Snir (2. von links) und Matthias Roth von der evangelischen Schwesterkirche.

4820: Julie Pinsonneault spielt ihren ersten Festgottesdienst an der Orgel in St. Nikolaus.

4817: Viele feierten den Festgottesdienst mit der neuen Organistin mit. Schön gestaltet ist der Weg zur Krippe über die Stufen vor dem Altar.

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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