Bad Reichenhall. Mit großem Hallo wurden Günther Sigl und seine Band im Cultino begrüßt. Seit 1962 stehe er auf der Bühne und 2019 sei er schon zu Gast im Cultino gewesen. Seine Songs sind Kult, und die Besucherinnen und Besucher ließen sich schnell in ihre Jugend zurückversetzen. Begeistert sang man mit und zückte das Handy, um den Moment festzuhalten. Mal wurde getwistet, mal war man mit Sitz-Boogie zufrieden. Die Songs wirken autobiografisch, wenn Günther Sigl aus seiner Schulzeit und den „zwoa Zigarette auf da Schuitoilettn“ singt oder „Bella Italia“ nicht am Meer, sondern im „Ischia“ in München findet. „Die schönste Stadt von Italien ist München sowieso“, befand er, der später augenzwinkernd „La Fattoria in der Neuwieder Str. 2“ empfahl.
Die Gitarre zelebrierte Willie Duncan aus Schottland, auch in Form einer, horizontal gespielten, Pedal Steel Guitar mit Slide-Bar und virtuosen Bridges und tollen Soli. Er sei der „einzige Schotte weltweit, der bairisch singt“. Der „musikalische Direktor“ am Klavier ist Wolfgang Götz. Am Schlagzeug sorgte Robert Gorzawsky für den mitreißenden Rhythmus, ergänzt durch die Percussion von Dieter Radig. „Mit einem Frosch im Hals und Schwammerl in de Knia“ konnten alle im Saal auswendig.
Um seine damalige Aufregung bei einem Date auch heute noch nachfühlbar zu zeigen, ließ Sigl die Damen in der ersten Reihe seine roten Ohren fühlen und sagte: „Ich bin halt einfach ein heißer Typ“. Sein Geburtsdatum gab der 78-Jährige bis auf den Tag genau preis. „Mein Jahrgang“, hauchte eine Frau. Sigl flirtete zurück: „Botox, oder? Wie kann man so gut ausschauen?“ „Unter dem Kastanienbaum“ war ein getragener Tango, auf den gemeinsam mit Dieter „Didi“ Radig (sonst Percussion) in einer Affenzahn-Geschwindigkeit die „Waschmaschine Fifi“ folgte (im Original von Pirron und Knapp) – fast ein moderner Rap. Sigl schmachtete bei „Elisabeth“, und „Schickeria“ leitete er mit Scat-Gesang ein und lud das Publikum ein, immer schwierigere Silbenfolgen nachzusingen.
Ein Song für die goldene Hochzeit könnte „Für immer“ sein, flaxte Sigl. Und dann wurde es anzüglich mit „Marlene mach dich mal locker, Marlene, zieh dich aus“ und „Voulez-vous coucher avec moi, ce soir“. Sein Französisch, na ja, es klang sehr bairisch, das war wohl beabsichtigt. Aber in „I mog di“ offenbarte er durch seine Liebeserklärung „ma ‚petit’ chérie“ (anstatt „ma petite chérie“, wo das End-’t‘ zu hören ist), dass sein Französisch anscheinend nur bairische Anmache ist und keinen Anspruch auf Authentizität erhebt.
Sie besangen ihre „wuiden Johr“, und lieben jeden Tag „a bisserl mehr“. Und dann dauerte einer Dame die Anmoderation zur „Mitmachnummer“ zu lange: „Jetzt fang amoi o“, forderte sie den Künstler auf. Nach „Boogie Buam“ gab es schließlich das „Skandal Medley“ und andere Zugaben, wie „Glory Days of Rock’n Roll“. Mit „Knockin’ on Heaven’s Door“ und Glory, glory, hallelujah“ verabschiedete sich der Sänger, Gitarrist, Ukulele-Spieler und vor allen Dingen Geschichtenerzähler Günther Sigl mit seiner Band. Er konnte sicher sein, dass er alle restlos begeistert hat.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
4313: Günther Sigl und Band heizen im Cultino ein.
4339: Stürmischer Applaus für die „Boy Group“ des letzten Jahrhunderts:
Günther Sigl (Mitte) und seine Band (von links) mit Dieter Radig, Wolfgang Götz, Robert Gorzawsky und Willie Duncan





