Trotz eisiger Temperaturen waren über 100 Gäste zum Neujahrsempfang der Priener CSU in den vollbesetzten Saal des Yachthotels Chiemsee gekommen. Als prominente politische Gäste konnte CSU Ortsvorsitzender und 2. Bürgermeister Michael Anner die bayer. Gesundheitsministerin Judith Gerlach als Vortragende, Landrat Otto Lederer, Landtagsabgeordneten Daniel Artmann, Bezirksrätin Marianne Loferer und Bürgermeister Andreas Friedrich mit vielen Marktgemeinderäten begrüßen.
Besonders freute sich Anner über den Besuch von zahlreichen Ärztinnen und Ärzten sowie Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheitswesen. Deren tägliche Arbeit bezeichnete er als unverzichtbar für die medizinische Versorgung vor Ort, gerade im ländlichen Raum. In seiner kurzen Ansprache sagte Anner, „Das neue Jahr steht nicht nur im Zeichen großer gesellschaftlicher Aufgaben, sondern auch im Zeichen der bevorstehenden Kommunalwahl. Diese Wahl wird darüber entscheiden, wie wir unsere Gemeinden, unseren Landkreis und unser unmittelbares Lebensumfeld künftig gestalten wollen.“ Weiter betonte er: „Gerade auf kommunaler Ebene zeige sich, wie wichtig verlässliche Strukturen sind: in der medizinischen Versorgung, in der Pflege, in der Daseinsvorsorge insgesamt. Hier braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Landkreis und Landespolitik – und genau dafür steht die CSU. Am Ende seiner Ausführungen dankte Anner der Geschäftsführerin des Yachthotels Katharina Reh für die Ausrichtung der Veranstaltung und der Gruppe „Rar beinand“ für die schöne musikalische Umrahmung.
MdL Daniel Artmann dankte in seinem kurzen Grußwort der Ministerin für ihr Kommen. Er beglückwünschte die Priener CSU zu ihrer starken Kandidatenliste und zu der Entscheidung, die gute Zusammenarbeit mit Bürgermeister Friedrich fortzusetzen.
Landrat Otto Lederer hob die Bedeutung von Prien nicht nur als Hochburg des Tourismus mit vielen sportlichen Möglichkeiten hervor, sondern auch als Bildungskommune mit allen Schularten. Besondere Bedeutung habe aber für Prien wie für den Landkreis Rosenheim der Gesundheitssektor. Mit insgesamt 34 Kliniken (davon vier in Prien) habe der Landkreis die höchste Klinikdichte in Bayern. Dadurch seien Stadt und Landkreis aber auch besonders durch die Klinikreform betroffen. Für die RoMed- Kliniken habe man ein tragfähiges Konzept für alle vier Standorte gefunden. Allein in Prien würden aktuell 75 Mio Euro in den neuen Funktionsbau investiert. Lederer dankte den 4000 Mitarbeitenden, deren Engagement dies ermöglicht habe.
„Kein Tag vergeht ohne Forderung nach Änderungen im Gesundheitssystem“, berichtete Judith Gerlach in Ihrem kurzweiligen frei gehaltenen Vortrag. Das System könne so nicht bleiben: Die demographische Entwicklung verursache absehbar immer höhere Gesundheitskosten. Andererseits stecke Deutschland jetzt schon mehr Geld ins System als die meisten EU-Staaten, habe aber keine höhere Lebenserwartung. Hier müsse sich etwas ändern.
Ein wichtiger Baustein hierfür sei, das System mehr auf Prävention auszurichten. Man müsse dafür die Eigenverantwortung aller Bürger stärken, aber auch Alltagshürden senken. Besonders Kinder müssten von den Eltern wie in Schulen und Kindergärten mehr „in Bewegung gebracht“ werden. Aber auch in Alters- und Pflegeheimen könnten Übungen zur Mobilitätsverbesserung viel zur Verminderung von Krankheiten beitragen und die Lebensqualität steigern, im besten Fall bis hin zu einer Rückkehr in die eigene Wohnung. Kraftsport sei bis ins hohe Alter möglich und sinnvoll. Auch angebotene Vorsorgemaßnahmen sollten besser wahrgenommen werden, wobei die Angebote die richtigen Adressaten erreichen müssten. „Wir wollen es jedermann leichter machen ein gesundes Leben zu führen“, rief die Ministerin aus.
Bei der Krankenhausreform müssten die Strukturen auf die Verhältnisse der nächsten zehn bis zwanzig Jahre ausgerichtet werden. Die Konzentration von Leistungen und Fähigkeiten sei im Grundsatz richtig, aber dabei dürfe man nicht auf das flache Land dasselbe Raster anwenden wie für München oder Hamburg. Derzeit habe man im Ministerium die „Reform der Reform“ in Arbeit. Die Anträge der Kliniken würden geprüft und voraussichtlich noch in diesem Jahr Zuteilungen beschlossen, um für die Kliniken Planungssicherheit zu schaffen. Allerdings fehlten dafür noch vom Bund gesetzliche Grundlagen. Unerlässlich sei eine solide Finanzgrundlage. Bayern habe hier seine Hausaufgaben gemacht und Mittel für die wegen der Reform notwendigen Umbauten bereitgestellt, wofür die Ministerin auch Daniel Artmann (Mitglied im Haushaltsausschuss) dankte.
Zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung setzte sich Judith Gerlach klar für das Primärarzt-System ein. Zu viele Ressourcen würden durch oft sinnloses „Ärzte-hopping“ vergeudet. Gleichzeitig könnten so auch die Möglichkeiten verbessert werden, in dringenden Fällen sofort einen Facharzt-Termin zu bekommen. Hier sei eine bessere Steuerung erforderlich. Dasselbe gelte für die Überlastung der Notaufnahmen durch weniger dringende Fälle. Gleichzeitig sprach sich die Ministerin für die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung aus, soweit diese durch die Hausärzte erfolge. Diese würden ihre Patienten kennen und seien in der Lage deren Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, zumal diese Art der Krankschreibung insgesamt nur 1% der Fälle ausmachte. Abzuschaffen sei lediglich die „Online-Krankschreibung per Klick“.
Als ehemalige Digitalministerin sprach sich Gerlach dafür aus, die Möglichkeiten von Digitalisierung und Robotik besonders in der Pflege (einschließlich häuslicher Hilfen) besser zu nutzen. Dabei gehe es nicht darum Pflegekräfte einzusparen, sondern diese von Routineaufgaben zu entlasten und so Freiräume für eine bessere Patientenbetreuung zu schaffen. Für die notwendigen Reformen lägen alle Fakten auf dem Tisch, weitere „Stuhlkreise“ brauche es nicht. „Gefragt ist jetzt Handeln“, schloss die Ministerin ihre Ausführungen. Nach den Vorträgen klang der Abend bei guten Gesprächen, musikalischer Begleitung und einer kleinen Stärkung bei bester Stimmung aus.
Bericht und Bilder: CSU-Ortsverband Prien, Michael Anner junior












