Laufen. Ein Hauch von Unheimlichem bei einem Theaterstück mit Tiefgang: Mit der viktorianischen Bühnenfassung von „Dracula“ nach dem berühmten Roman von Bram Stoker erwartet das Publikum in der Salzachhalle ein packendes Theatererlebnis. Die Premiere findet am Donnerstag, 19. März, um 20 Uhr statt, weitere Aufführungen folgen am 20. März (20 Uhr) und am 21. März (18 Uhr). Die Heimatzeitung war in der Generalprobe dabei.
Regisseur Andreas Tauchen inszeniert den Stoff als spannungsreiches Psychodrama, das etwas über die bekannte Vampirgeschichte hinausgeht. In einem detailverliebten Bühnenbild – mit Porträts adeliger Ahnen und einer düsteren Bibliothek und geheimnisvollen Türen – entfaltet sich die Handlung im Milieu des englischen Landadels des 19. Jahrhunderts. Unterstützt von raffinierten Licht- und Toneffekten (Oliver Freudenthaler und Bernhard Schneider) entsteht eine dichte Atmosphäre, die das Publikum von Beginn an in ihren Bann zieht.
Schon der Auftakt überrascht: Ein filmischer Prolog führt in die Vorgeschichte ein, bevor sich auf der Bühne Realität und Übersinnliches zunehmend vermischen. Wenn später plötzlich das Gesicht Draculas (Michael Strehhuber) aus einem Porträt hervortritt, wird die Grenze zwischen rationaler Welt und dunkler Ahnung eindrucksvoll sichtbar.
Im Zentrum der Handlung steht das Sanatorium von Doktor Seward, überzeugend verkörpert von Gerhard Marx. Zwischen medizinischem Rationalismus und wachsender Ratlosigkeit steht ihm mit Professor van Helsing (Christian Zink, dem als früherer Apotheker die Rolle wie auf den Leib geschrieben ist), ein Gegenspieler gegenüber, der alternative Erklärungen wagt und damit grundlegende Fragen aufwirft: Was ist Wissenschaft – und was nur vermeintlicher Aberglaube? Van Helsing geht mit Eisenhut oder Wolfswurz, auf Lateinisch „Aconitum“, naturheilkundlich an das Problem heran.
Auch die übrigen Rollen sind stark besetzt: Max Karg brilliert als exzentrischer Patient Renfield, der zwischen Wahnsinn und überraschender Weisheit schwankt. Er lebt seine Rolle mit vollem Körpereinsatz in mimischem und gestischem Zusammenspiel in einer bemerkenswerten schauspielerischen Leistung. Noah Knapp als überforderter Pfleger Butterworth hat alle Hände voll zu tun, ihn immer wieder einzufangen. Sofia Gangl als Lucy und Bianca Kaspers als Mina verleihen der Geschichte emotionale Tiefe. Es gelingt ihnen hervorragend, in ihrem Gesichtsausdruck und in ihrer Intonation ihrer jeweiligen Rolle Ausdruck zu verleihen. Tobias Badstuber changiert als Butler Wells gekonnt zwischen Normalität und hypnotischem Bann hin und her.
Die Titelfigur schließlich wird von Michael Strehhuber mit subtiler Bedrohlichkeit gespielt: Sein Dracula wirkt weniger als Monster, denn als faszinierend-charismatische Erscheinung – ein Wesen zwischen Leben und Tod. So entwickelt sich die Inszenierung zu mehr als einer klassischen Gruselgeschichte. Sie stellt existenzielle Fragen nach dem Bösen, nach Angst und Erlösung. Wie die Gruppe um van Helsing Dracula zunichte macht und wie Untote erlöst werden – „So etwas kann es geben“, sagt Lucy am Schluss. Ein sehenswerter Abend also, der Spannung, Atmosphäre und gedankliche Tiefe verbindet – und der zeigt, dass der Mythos Dracula nichts von seiner Faszination verloren hat.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
6344: Professor Abraham van Helsing (Christian Zink, auf der Couch) untersucht Lucy (Sofia Gangl). Doktor Seward (Gerhard Marx, rechts) beobachtet die Szene kritisch, während Mina (Bianca Kaper, links) besorgt ist.
6350: Mit einschmeichelnder Stimme schafft Graf Dracula Nähe (Michael Strehhuber) zu Lucy.
6400: Aus der besten Freundin wurde … Was ist da passiert?




