In den Jahren 1941, 1942, 1943 und noch einmal kurz 1945 kam der Jesuitenpater Alfred Delp (1907–1945), in den kleinen Weiler Wolferkam (Gemeinde Riedering) zu Erholungszeiten. Erst vor kurzem wurde im Münchner Liebfrauendom im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes der Seligsprechungsprozess für Alfred Delp eröffnet. Mit der Simsseeregion bestehen nachwievor starke Verbindungen zu dem bekannten Jesuiten.
Der Priester und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus nutzte den Ort Wolferkam mehrfach als Rückzugsort zur Erholung und zur Arbeit. Er verbrachte dort auch seine letzte Sommerfrische, bevor er 1945 hingerichtet wurde. Zu seiner Hinrichtung in Berlin-Plötzensee ist überliefert, dass er auf dem Weg unter den Galgen zum Gefängnispfarrer sagte: „In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie“. Seine Aschau wurde auf den Berliner Rieselfeldern verstreut.
Seinen Aufenthalt am Simssee bei den Bauernfamilien von Wolferkam nutzte Pater Delp auch zu Gottesdienstbesuchen in der nahen Wallfahrtskirche „Maria Stern“ in Neukirchen. Seine ausgewählte Urlaubsheimat bezeichnete er als „Insel der Glückseligen“, glücklich schrieb er von dort: „Es ist herrlich jetzt, dieser reifende Hochsommer. Vom Feld her rauschen die Sensen und Sicheln ihr betörendes Lied. Ich habe das so gern, die reifen Felder und dann die Ernte selbst. Irgendwie ist ja der Sinn unseres Lebens: reif werden und geschnitten werden, eingebracht in die Scheunen. Ich habe eine ganze Stunde gemäht und habe nun die Hände voll Blasen und die Arme voll Zittern. Aber schön war´s. Diese weitausholende Bewegung, das ist ein ganz eigener Rhythmus, der irgendwie an den Sinn des Lebens rührt…Ach, es ist dann so viel vergessen und vorbei und das Herz atmet wieder. Gott ist gut und seine Welt ist schön…“.
Diese Erinnerungen hat Peter Kern in einem Reisebericht auf den Spuren von Pater Alfred Delp SJ festgehalten. Diese Broschüre ist ebenso wie ein Büchlein von Annette Thoma mit dem Titel „Pater Alfred Delp SJ in Wolferkam“ in der Kirche von Neukirchen erhältlich. Dort befindet sich auch eine Büste des Jesuiten des Künstlers Siegfried Moroder, der selbst in Wolferkam Pater Alfred Delp kennengelernt hatte, dort ab 1958 wohnte und arbeitete und dort auch im Alter von fast 78 Jahren verstarb. Am Kunstwerk ist eine Ehrentafel angebracht, darauf heißt es: „Zum Gedächtnis des Blutzeuten Alfred Delp SJ geboren am 15. September 1907 in Mannheim, hingerichtet am 2. Februar 1945 in Plötzensee. Der in dieser Kirche in den Jahren 1941-42-43 gebetet, gepredigt, das Messopfer gefeiert und die Sakramente gespendet hat.
Kirchenpfleger Heinrich Dhom von der jüngst aufwendig restaurierten Wallfahrtskirche „Maria Stern“ weiß um die Bedeutung des Geistlichen, dessen Seligsprechungsprozess an seinem Todestag eingeläutet wurde. Für ihn ist Alfred Delp eng mit diesem Ort verbunden. „Er war hier nicht nur zu Gast, sondern Teil des kirchlichen Lebens“, sagt Dhom. Dass Delp in Neukirchen betete, predigte und Kraft schöpfte, verleihe der Kirche bis heute eine besondere geschichtliche Tiefe. Die Erinnerung an ihn solle wachgehalten werden“ – so der Kirchenpfleger, der auch gerne für Kirchenführungen in Neukirchen zur Verfügung steht.
Auch außerhalb der Kirche „Maria Stern“ finden sich immer wieder Zeugnisse und Spuren von Alfred Delp. So unter anderem an einem Wegweise „Alfred-Delp-Straße“ in Neukirchen oder bei einem Wegkreuz mit einem prägenden Spruch des Jesuiten: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte / ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war – hat sein Leben einen Sinn gehabt“.
Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von und aus der Wallfahrtskirche „Maria Stern“ in Neukirchen mit Erinnerungen an Pater Alfred Delp SJ.
- Titel der kleinen Broschüren
- Büste
- Gedenktafel
- Kirche
- Altar














