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Paneuropa-Festakt in München

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit einem Symposion im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses in München erinnerte die Paneuropa-Union Deutschland an die runden Geburtstage von dreien ihrer prominentesten Mitglieder: dem sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik Paul Löbe (150), dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer (150) von der CDU und dem bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Alfons Goppel (120).

Paneuropa-Präsident Bernd Posselt kennzeichnete sie als “kämpferische Europäer, die die europäische Einigung und die parlamentarische Demokratie maßgeblich geprägt haben”. Der langjährige CSU-Europaabgeordnete rief die Politik der Gegenwart dazu auf, sich ihrer historischen Aufgabe zu stellen und sich bewußt zu werden, daß ein überlebendes und handlungsfähiges Europa “nicht durch eine Stärkung der Nationalstaaten, so gutgemeint diese auch sein mag”, zustande kommen könne, sondern nur durch die Stärkung supranationalen EU-Strukturen und des Föderalismus.

Der ehemalige bayerische Staatsminister und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel definierte die drei Persönlichkeiten als “Versöhner”, die sich bei aller Treue zu ihrer Grundeinschätzung ums Zusammenführen bemüht hätten. So habe sein Vater Alfons Goppel sich für die bayerisch-französische Freundschaft eingesetzt, aber auch den Föderalismus und die Regionen gefördert, etwa durch die Gründung der ARGE ALP.

Christa Naaß, langjährige SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der sozialdemokratischen Seliger-Gemeinde, wandte sich mit einer Mahnung des Schlesiers Paul Löbe zum Volkstrauertag 1922 gegen die aktuellen Bedrohungen von Demokratie und Frieden in Europa: “Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr vom Haß, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat die Liebe not.”

Der Historiker Martin Posselt, Autor des wissenschaftlichen Werkes “Ein Parlament für Europa. Richard Coudenhove, Paneuropa und die westliche Demokratie 1922 bis 1952”, berichtete über die Aktivitäten von Löbe und Adenauer in der Paneuropa-Bewegung der Zwischenkriegszeit und bei den Treffen der von Coudenhove einberufenen Europäischen Parlamentarier-Union nach dem Zweiten Weltkrieg, die dann zur Gründung des Europarates und schließlich zur Schaffung des Europaparlamentes führten.

Victoria Krummel, Redenschreiberin mehrerer Präsidenten des Deutschen Bundestages, stellte ihr neue Biographie “Paul Löbe. Ein Leben für die Demokratie” vor. Angesichts der Tatsache, daß es zahllose Bücher über Hindenburg oder Göring gebe, habe sie “eine Art historischer Gerechtigkeitssinn” bewegt, einem Demokraten, der in der Weimarer Republik sein Möglichstes versucht habe, eine entsprechende Würdigung zuteil werden zu lassen.

Der bayerische Paneuropa-Landesvorsitzende Dirk Voß, der das Symposion moderierte, verwies “mit Gänsehaut” auf die Standfestigkeit, die Konrad Adenauer die Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten und Paul Löbe die Inhaftierung im KZ Groß-Rosen eingetragen habe. Bei Alfons Goppel verwies er besonders auf dessen Forderung: “Die EU braucht eine Staatsgesinnung”.

Unter den zahlreichen Ehrengästen waren die Witwe des früheren Bundestagspräsidenten Rainer Barzel, Ute Barzel, der Mitbegründer von Bündnis 90/Die Grünen Milan Horáček, MdB und MdEP a.D., die Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen, Brunhilde Reitmeier-Zwick, die Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Bayern und Oberbayern, Christian Knauer und Paul Hansel, der bayerische Landesvorsitzende der Landsmannschaft Nieder- und Oberschlesien, Gotthard Schneider, das Bundesvorstandsmitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft Birgit Unfug sowie der Bezirksvorsitzende der Union der Vertriebenen und Aussiedler in München, Andreas Schmalcz.

Die Paneuropa-Union ist die 1922 gegründete älteste europäische Einigungsbewegung.

Bericht und Bild: Paneuropa-Union 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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