Brauchtum

Osterbrunnen in Nordbayern

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Tradition des Osterbrunnenschmücken hat seinen Ursprung in der Fränkischen Schweiz. Seit wann dieser Brauch gepflegt wird, ist nicht bekannt, vermutlich reicht er aber bis ins 4. oder 5. Jahrhundert zurück. Erst seit 1909 gibt es schriftliche Überlieferungen über Brunnenschmückungen zu Ostern in Aufseß bei Bayreuth.

Nach dem 2. Weltkrieg geriet der Brauch in Vergessenheit bis sich einige fränkische Brunnenfreunde an diesen erinnerten. Vor allem in Franken findet man seitdem vielerorts geschmückte Osterbrunnen – in der Fränkischen Schweiz alleine rund 200 Brunnen. Seit den 1990er Jahren wurde diese Tradition auch von vielen Orten in der Oberpfalz übernommen. Vor allem im Sulzbacher Land wird dieser Brauch in vielen Gemeinden von engagierten Frauen und Männern aus den unterschiedlichsten Vereinen gepflegt wird.

Der Hauptgrund für das Entstehen des Brauches Brunnen und Quellen zu schmücken war sicherlich die Bedeutung des Wassers als lebensspendendes Element, geprägt in einer Zeit als die Wasserversorgung noch nicht selbstverständlich war und man Brunnen und Zisternen in den Orten baute, um immer Trinkwasser zu haben. Dem geweihten Osterwasser wurden magische Kräfte zugeschrieben. So schützte nach dem Volksglauben das Trinken von Osterwasser vor Krankheit oder das Verspritzen im Hauses hielt das Ungeziefer fern.

Nach der Tradition werden die Brunnen in der Karwoche geschmückt und bleiben bis zwei Wochen nach Ostern geschmückt. Als Schmuck dienen bemalte Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit, grüne Zweige und vielerorts auch Blumen. Die Vorbereitungen laufen jedoch das ganze Jahr. Häufig werden für den jeweilgen Brunnen spezielle „Gerüste“ gebaut, die jedes Jahr wieder in Einsatz kommen. Ein Beispiel für solch einen Osterbrunnen findet man in Weiden in der Oberpfalz. Hier pflegt der Trachtenverein D´Altbaierischen Weiden zusammen mit dem Heimatring aktiv diese Tradition. Der Brunnen am Oberen Markt wird seit über 10 Jahren jedes Jahr mit über 2 300 Hühner- 130 Gänse- und 4 Straußeneiern geschmückt.

Alles begann mit dem Wunsch einer älteren Dame, die den schönen Brunnen am Markt gerne geschmückt sehen wollte. Es wurde von zwei Spenglern ein Gerüst für die Girlanden gebaut, die Straußen-Eier wurden von einem Künstler bemalt. Die restlichen Frauen haben in verschiedenen  Wohnung, Vereinsheimen mit Groß und Klein die anderen Eier gemalt. Der damalige Heimatringsvorsitzende hat dann alles finalisiert. Seitdem passiert jedes Jahr dasselbe: Nachdem der Osterbrunnen steht, fangen die Mitglieder wieder von vorne an: Es werden ausgeblasene Eier gesammelt. Diese werden im laufenden Jahr gestaltet: Die Eier werden ausgeblasen, grundiert, aufwendig mit verschiedenen Motiven und Mustern bemalt und mit Festiger fixiert.

Drei Tage vor dem Aufbau der Krone werden die Eier zur Girlande auf festen Bast gefädelt: eine Korkscheibe, ein Ei, usw. An dem Osterbrunnen gibt es verschiedene Längen von Eiergirlanden. Unten um den Brunnenrand sind es drei Reihen, in den Linien nach oben zur Krone hin sind es vier mal drei Reihen. Den Abschluß bildet ein Kranz. In diesem sind vier Straußeneiern befestigt mit dem Motiven der vier wichtigen Bauwerke von Weiden: Altes Rathaus, Unteres Tor, Josefskirche, Michaelskirche. Zusammen wird mit Unterstützung eines Kranwagens zunächst das Gerüst aufgebaut und dann der Brunnen geschmückt. Solange der Brunnen geschmückt ist, gibt es einen „Brunnenausbesserer“ Dieser prüft jeden Tag, ob Eier beschädigt sind und bessert diese aus.

Der Osterbrunnen wird mit einem Fest gefeiert und geweiht. Die Kinder und Jugendlichen des Vereins verteilen bemalte Ostereier an die Zuschauer. Dieser Brauch begeistert nicht nur die Bevölkerung, sondern zieht jedes Jahr auch mehr Besucher aus Nah und Fern an. So gibt es bereits geführte Fahrten oder Reiseempfehlungen u.a. für die Fränkische Schweiz oder auch das Sulzbacher Land. Dabei bewundern die Besucher die langen Girlanden mit den farbigen, oft einfallsreich bemalten Eiern, die Eierkränze in den verschiedenen Formen und den bunten, wohltuenden Farbtupfern in dieser Jahreszeit.

Für die Personen, die diesen Brauch pflegen, liegt wohl auch ein besonderer Sinn im Erlebnis des gemeinschaftlichen Tuns und das Weitertragen von Brauchtum.

Text und Bilder: Tatjana Hummel-Buchta



Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!