Am 7. Februar 2026 ist Magdalene Engels in Rimsting im Alter von 99 Jahren gestorben. Mit ihr geht eine Künstlerin, deren Leben und Werk auf besondere Weise untrennbar verbunden waren – und die bis zuletzt schöpferisch tätig blieb.
Ihr Weg zur Kunst begann früh. Noch vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr entschied sie sich, ihr Leben dem Sehen, dem Gestalten und der Wahrnehmung zu widmen. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München, absolvierte das Kunstlehramt und lernte in der Textilwerkstatt das Bildweben – eine Kunstform, die Geduld verlangt, Rhythmus, Wiederholung und Konzentration. Eigenschaften, die ihr gesamtes Werk prägen sollten. Später kam der Film hinzu: Filmgrafik, Zeichentrick, Lehrfilme. In ihrem eigenen Studio am Ammersee setzte sie über viele Jahre Bilder in Bewegung – ruhig, präzise, zurückgenommen. Es ging ihr nie um Selbstdarstellung, sondern um Klarheit, um das Wesentliche.
Mit dem Umzug nach Prien begann ein neuer Abschnitt. Reisen, Skizzen, Zeichnungen – und zunehmend eine Hinwendung zur Intuition. Ihre Arbeiten, vor allem Zeichnungen, Porträts und Köpfe, sind konzentriert, unmittelbar und still. Die Gesichter, die uns aus ihren Bildern ansehen, wirken alterslos. Sie tragen etwas Fragendes in sich, manchmal Traurigkeit, oft eine große Präsenz. Es sind keine Porträts im klassischen Sinn. Es sind Zustände. Begegnungen. Blicke, die uns ansehen – und zugleich nach innen gerichtet sind. Bewegung verstand sie als innere Notwendigkeit. Im Butoh-Tanz fand sie eine Haltung, die nicht die Form sucht, sondern den Zustand. Diese Haltung prägt auch ihr bildnerisches Werk: Linien aus innerem Impuls, Bilder als festgehaltener Moment zwischen Bewegung und Stillstand.
Am 19. Dezember 2025 erhielt Magdalene Engels den Christine-Dobler-Chiemgau-Kunstpreis für ihr Lebenswerk. Es war eine späte, aber umso bedeutendere Würdigung eines künstlerischen Lebens, das konsequent, leise und unbeirrbar seinen eigenen Weg gegangen ist. Dass sie diese Auszeichnung noch erleben durfte, gibt diesem Moment ein besonderes Gewicht. Viele Menschen hier waren ihr über Jahre hinweg verbunden. Man hat mit ihr ausgestellt, gesprochen, geschwiegen. Man durfte von ihr lernen, was ein erfülltes Leben sein kann: offen zu bleiben, neugierig, innerlich in Bewegung.
Mit Magdalene Engels verliert Prien eine große, in sich stille Künstlerin, ihr Werk wird bleiben.
Bericht: Ingrid Fricke, Prien a. Chiemsee – Fotos: Anita Berger





