Leitartikel

Musikbund: Beiratssitzung des MON

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Mehr Musik in Schule, Beruf und Gesellschaft gefordert
München – Im  Januar 2026 fand im Maximilianeum erstmals eine gemeinsame Sitzung des Beirats des Musikbundes von Ober- und Niederbayern (MON) und des Musikbeirats statt. Mit der Zusammenlegung der beiden Gremien wurde ein bewusstes Zeichen gesetzt: für effizientere Strukturen, gebündelte Expertise und einen intensiveren inhaltlichen Austausch. Hintergrund sind sowohl personelle Überschneidungen als auch die zunehmende Verzahnung strategischer und musikalischer Fragestellungen im Verband.

Aktuelle Herausforderungen: Ehrenamt unter Druck

Im Rahmen eines Überblicks über die aktuelle Situation im Verband wurden zahlreiche Herausforderungen deutlich. In den überwiegend ehrenamtlich geführten Musikkapellen besteht eine große Unsicherheit, insbesondere im Hinblick auf GEMA-Gebühren, urheberrechtliche Fragestellungen sowie die Künstlersozialkasse. Hinzu kommt ein zunehmend spürbarer Fachkräftemangel bei Instrumentalausbilderinnen und -ausbildern sowie Dirigentinnen und Dirigenten. Josef Niedermaier und Claudia Köhler betonten, dass die steigenden rechtlichen und bürokratischen Anforderungen im Ehrenamt bei gleichzeitig rückläufigen finanziellen Mitteln große Sorge bereiten. Kritisch diskutiert wurden zudem bildungspolitische Entwicklungen, darunter der Ausbau der Ganztagsschule ohne institutionelle Einbindung der Musikschulen in Bayern sowie Kürzungen des Musikunterrichts an Grundschulen, die langfristig negative Auswirkungen auf die musikalische Nachwuchsarbeit befürchten lassen.

Musik als Beruf: Bildungspolitischer Weckruf

Zum Abschluss rückte das Thema Musik als Beruf in den Fokus. Der alarmierende Mangel an Musiklehrkräften, der Rückgang vertiefter Musikangebote an Schulen und die sinkende Attraktivität des Berufs wurden offen benannt. Deutlich wurde auch, dass die gezielte Spitzenförderung des MON – etwa über die Bläserakademie Advanced – nur einen sehr kleinen Teil der rund 26.000 aktiven Musikerinnen und Musiker erreicht und finanziell nicht ausweitbar ist. Einig war man sich darin, dass das Problem nicht kurzfristig lösbar ist, aber öffentlich benannt und weitergetragen werden muss, um langfristig ein Umdenken in Bildungspolitik und Gesellschaft anzustoßen.

Heinz-Wohlmuth-Preis 2025: Engagement, Innovation und Nachwuchsarbeit ausgezeichnet

Ein zentraler Punkt der Sitzung war die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger des Heinz-Wohlmuth-Preises 2025

Die Preisträger:

Konzertprojekt
Die Auszeichnung ging an die Trachtenblaskapelle Ramsau für das Kindermusical „S’Katzerl is davo!“. Über 60 Kinder im Grundschulalter standen gemeinsam mit einem Projektorchester auf der Bühne. Schauspiel, Gesang, Tanz und Blasmusik verbanden sich zu einer lebendigen, humorvollen Aufführung mit starkem regionalem Bezug. Ziel war es, Freude am gemeinsamen Musizieren zu wecken, Selbstvertrauen zu stärken und Teamgeist zu fördern – unterstützt durch professionelle Musikpädagogen sowie den Amateurmusikfonds und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Engagement- und Kooperationsprojekt
Der Musikverein Türkenfeld überzeugte mit dem internationalen Konzertprojekt „Brass & Bagpipes“. Gemeinsam mit dem Highland Schools Wind Orchestra aus Inverness trafen unterschiedliche Bläserkulturen aufeinander. Dudelsack und Alphorn, Orchestermusik und kultureller Austausch, bayerische und schottische Traditionen: Rund 500 Besucherinnen und Besucher erlebten ein mitreißendes Konzert, das Offenheit, Begegnung und europäische Verbundenheit eindrucksvoll widerspiegelte.

Projekt der Nachwuchsgewinnung
Die Blaskapelle Kipfenberg wurde für das Projekt „Brasskipferl“ ausgezeichnet. Als Reaktion auf die Aufgabe der kommunalen Musikschule entwickelte der Verein ein eigenes Ausbildungsangebot. Mit Schulprojekttagen und einem Kinder-Mitmach-Musical konnten zahlreiche Kinder für das Musizieren begeistert werden. Als nachhaltiges Ergebnis entstand ein neues Nachwuchsensemble, das seit Beginn des Schuljahres als Einsteiger- und Ausbildungsensemble wirkt.

Pilotprojekt „FreiflISEN“: Musik trifft Umweltbewusstsein

Ein weiterer Impuls kam mit der Vorstellung des Pilotprojekts „FreiflISEN“ der Jugendblaskapelle Isen. In Kooperation mit WWF, Klima braucht Werte, dem Orchester des Wandels und dem Wasserwirtschaftsamt München verbindet das Projekt musikalische Aktionen mit konkretem Umweltengagement. Ziel ist es, die Isen schrittweise von Flussbarrieren zu befreien. Der offizielle Auftakt erfolgt am 27. Februar 2026 im Rahmen eines WWF-Filmabends in Dorfen. Das Projekt ist bewusst lokal, schnell wirksam und als übertragbares Modell für weitere Initiativen angelegt.

Bericht und Foto:  Musikbund von Ober- und Niederbayern e.V. / Motiz Kindl


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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