Bio-Nachfrage übersteigt heimisches Angebot: Landwirte warten auf Signale aus der Politik
Wie schon im Vorjahr so stieg auch 2025 der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland wieder deutlich an. Um die Nachfrage wo immer möglich aus heimischer ökologischer Landwirtschaft bedienen zu können, braucht es jetzt dringend mehr Bio-Betriebe. Doch zurzeit stellen nur wenige Landwirte von konventionell auf bio um, auch in Bayern. Thomas Lang, 1. Vorsitzender der LVÖ:
„Es liegt jetzt an der Politik, die entscheidenden Signale an die Landwirte und Landwirtinnen zu senden!“
Trotz der guten Marktlage melden die in der LVÖ Bayern zusammengeschlossenen Verbände Naturland, Bioland, Biokreis und Demeter für 2025 einen insgesamten Rückgang an Mitgliedsbetrieben um 3,4%. Die Fläche, die von allen Mitgliedern der bayerischen Bio-Verbände gemeinsam bewirtschaftet wird, nahm um 2,1% ab. Rund zwei Drittel der bayerischen Bio-Betriebe gehören einem der Verbände an. Das Bild über sämtliche bayerischen Bio-Betriebe hinweg zeigt sich ähnlich, die gesamte ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche in Bayern liegt leicht unter Vorjahresniveau. Gleichzeitig stieg der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland im Jahr 2025 um satte 8-10% – während der Gesamtumsatz im Lebensmitteleinzelhandel lediglich um 3% stieg.
Einfache und verlässliche Rahmenbedingungen
Die sehr positiven Marktsignale für Bio sind also da. Die Honorierung der öffentlichen Leistungen des ökologischen Landbaus in Bayern über das KULAP sind gut. Was die Landwirte jetzt brauchen, sind einfache und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen für ökologisch arbeitende Betriebe. Der Bund muss jetzt schnell die von EU-Kommission und -Parlament vor Weihnachten ermöglichten Verfahren zum Bürokratieabbau für Bio-Betriebe umsetzen. Bei der Neuordnung der Düngegesetzgebung muss endlich ein wirksames und gerechtes Verursacherprinzip eingeführt werden; die Düngebedarfsermittlung muss für Bio-Betriebe abgeschafft werden.
Thomas Lang, 1. Vorsitzender der LVÖ Bayern: „Ganz entscheidend für die Landwirtinnen und Landwirte ist auch das klare Bekenntnis der Politik zur ökologischen Landwirtschaft. Die ökologische Landwirtschaft ist die nachhaltigste Form der Landwirtschaft. Unser Boden, unser Wasser, die Artenvielfalt und das Klima brauchen Bio. Damit Landwirte investieren und den Schritt in die Umstellung gehen können, muss bei ihnen ankommen: Für unsere Zukunft setzen wir auf Bio, und zwar langfristig.“
Bio funktioniert
Die Bio-Branche bietet 388.000 Menschen Arbeitsplätze. Bio sorgt mit regionalen Wertschöpfungsketten für Unabhängigkeit vom Welthandel und damit für echte Sicherheit für unsere Ernährung. Bio steht für gesunde Lebensmittel, eine mittelständische, handwerkliche Lebensmittelverarbeitung und eine Landwirtschaft, die unsere Lebensgrundlagen regeneriert und erhält.
Antonia Rees, Expertin für den Bio-Milchmarkt bei Bioland bestätigt, dass sich die Nachfrage nach ökologischen Milcherzeugnissen seit vielen Jahren positiv entwickelt, trotz des Trends zu pflanzlichen Alternativen. Antonia Rees: „Wer Milchprodukte konsumiert, setzt immer häufiger auf Bio-Qualität. Vor allem in Bayern schlägt sich dies auch in einer dauerhaft positiven, stabilen Entwicklung der Erzeuger-preise nieder. Der stabilere Bio-Markt ermöglicht den Erzeugern mehr Planungssicherheit.”
Stefan Zeiper, Teamleiter Verarbeitung und Handel bei der Naturland Zeichen GmbH betont, dass sich die sehr gute Nachfrage vor allem nach Bio-Eiern, Bio-Geflügel und Bio-Rindfleisch auch auf den Bedarf an heimischen Bio-Futtermitteln niederschlägt. Stefan Zeiper: „Um die Nachfrage bedienen zu können, müssen wir vor allem im Eiweißbereich, aber auch beim Futtergetreide schon seit Jahren teilweise auf Importe zurückgreifen, die wir gerne durch regionale Produktion ersetzen würden. Auch regionale Bio-Speiseleguminosen werden immer mehr gesucht. Daneben gibt es gute Marktbedingungen für bio-regionales Gemüse und auch Sonderkulturen wie Pilze.“
Bericht: LVÖ – Foto: Being Organic in EU – Bio bringt Vielfalt auf den Acker, hier ökologischer Anbau von Mohn.




