An beiden Weihnachtsfeiertagen sang der Laufener Stiftschor unter der Leitung von Thomas Netter gemeinsam mit dem Kirchenchor Feldkirchen-Mitterfelden unter der Leitung von Ralf Halk einmal in der Stiftskirche in Laufen und am zweiten Weihnachtstag in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Feldkirchen. Die Gesamtleitung oblag dem jeweiligen Chorleiter der Heimatkirche, der Kollege übernahm den Orgelpart an der Truhenorgel.
In Laufen war der Chor im linken Seitenflügel aufgestellt, spiegelbildlich zur Barockkrippe mit ihren Musikanten, die auf Drehleier, Sackpfeife, Violine und anderen historischen Instrumenten spielen. Auch der Textdichter des Liedes „Stille Nacht“, Joseph Mohr und der Komponist Franz Gruber geben dem Jesuskind auf dem Schoß Mariens die Ehre. Das berühmte Weihnachtslied sangen die beiden Chöre in Laufen zum Schluss im Chorsatz mit Oberstimme zum Gemeindegesang. „O du fröhliche“ im Chorsatz des Laufener Komponisten Wolfgang Hein (1924-1999) erklang in beiden Kirchen.
Die Zusammenarbeit der Chöre war eine Premiere: Cantus Missae (Messgesang) in Es-Dur, op. 109 von Josef Gabriel Rheinberger ist mit acht Stimmen doppelhörig angelegt. Die beiden Chöre traten miteinander in einen musikalischen Dialog, wiederholten die musikalische Aussage als Echo (wie im Sanctus) oder führten sie steigernd fort, wie im Agnus Dei. Die Romantik des 19. Jahrhunderts griff gerne auf barocke, manchmal sogar frühbarocke, Strukturen zurück – so auch Rheinberger, der im Gloria einen, in der Renaissance üblichen Wechsel vom tänzerischen Dreier- zum Zweiertakt komponierte und diesen Satz mit einer Fuge beschloss. Das Siciliana-artige, pastorale Benedictus im 6/8-Takt leitete über zum Agnus Dei, bei dem der Komponist im „Dona nobis“ den Tod durch Kreuzigung und die Erlösung musikalisch abgebildet hat: Dieser Teil beginnt mit dem Chiasmus (Verschränkung) der langen Notenwerte bei „Dona“, ein Klang, der die Kreuzigung symbolisiert. Die anderen Stimmen sangen dazu auf verschiedenen Tonhöhen das Motiv der Erlösung, wie Ralf Halk in den Proben interpretierend erklärt hatte.
In Laufen begleitete Thomas Netter den Gemeindegesang auf der großen Orgel und spielte eine beeindruckende Orgelimprovisation zu „Stern über Bethlehem, zeig mir den Weg“, während in Feldkirchen Kristian Aleksic auf der Empore über die Gotteslob-Lieder improvisierte. Gemeindereferentin Marianne Aicher predigte in Laufen über die Bedeutung des Satzes „Das Wort ist Fleisch geworden“, der im Credo der Messe im „Incarnatus est“ musikalisch ausgedrückt wurde.
Einen anderen Perspektivenwechsel nahm Wortgottesfeierleiter Karl Bayer am Stefanitag in Feldkirchen vor: War es an Weihnachten die Fleischwerdung Jesu in seiner Geburt, ging es am zweiten Feiertag um den Märtyrertod von Stefanus, der jedoch nicht auf seine Gegner und seinen Untergang blickte, sondern – wieder ein Perspektivenwechsel – hinauf zum offenen Himmel, in dem er Gott sah und um Vergebung für seine Mörder bat, so Bayer. Die musikalische Entsprechung war das „Agnus Dei“ und die Bitte um Frieden. Diesen strahlte auch das Lied „Christbaum“ von Peter Cornelius aus, das Sophia Halk, begleitet an der Truhenorgel von ihrem Vater Ralf Halk, in Feldkirchen zur Kommunion sang. Die ganze Weihnachtsfreude erscholl in der Motette von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, die auch zum Stefanitag passte: Die Zeile „Erkennet, dass der Herr Gott ist“ wird von Stefanus so ausgedrückt: „Ich sehe den Himmel offen“. Vielleicht sprach er damit den Gottesdienstbesuchern aus der Seele, die den Chören mit viel Beifall für die Gottesdienstgestaltung dankten.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
4696: Pfarrer und Textdichter von “Stille Nacht”, Joseph Mohr und Komponist Franz Gruber in der Barockkrippe in Laufen
4676 / 2283: Beide Chöre in der Stiftskirche in Laufen unter der Gesamtleitung von Thomas Netter (4. von rechts). Ralf Halk (rechts hinten) spielt an der Truhenorgel.
4723: Applaus für beide Chöre und ihre Leiter, Thomas Netter an der Truhenorgel und Ralf Halk (rechts) hier in Feldkirchen
4682: Thomas Netter dirigiert den Schluss-Chor vor dem Zelebranten Pfarrer Simon Eibl und der Gemeindereferentin Marianne Aicher mit den Ministranten
4724: Gegenseitiger Dank der beiden Chorleiter Thomas Netter (an der Orgel) und Ralf Halk in der Pfarrkirche Feldkirchen.
4723: Schlusschor : „O du fröhliche“ mit der Gemeinde
4720: Ralf Halk dirigiert in Feldkirchen beide Chöre, Thomas Netter unterstützt an der Truhenorgel.












